Volvo V60 t6 Twin Engine in weißer Farbe
Das zeitlose Design des Volvo V60 steht auch der Hybrid-Variante sehr gut. (Foto: S. Schickedanz)

Test Volvo V60 T6 Twin Engine AWD mit B&W: elektrisierende Performance

Der Volvo V60 ist ein alter Bekannter. Ganz gleich, ob mit seinem Harman Kardon System oder mit dem High Performance Sound Pro by Bowers & Wilkins hatte er sich mit einer soliden Vorstellung ins Gedächtnis gebrannt. Doch die Möglichkeit, den elektrifizierten Volvo V60 T6 Twin Engine AWD alias Volvo V60 Recharge in der Bergwelt im Berchtesgadener Land zu erleben, reizte mich doch sehr…

Da ich mir bei diesem Event den Wagen nicht wie üblich mit einem Kollegen teilen musste, konnte ich das Fahrgefühl nicht nur lange auskosten. So konnte ich auch ohne Hemmungen mit der B&W-Anlage Vollgas geben. Auch wenn man das System von vergangenen Testfahrten sehr gut kennt, erlebt man es in diesem Plug-in-Hybrid völlig neu. Der Unterschied zum normalen Benziner oder Diesel lässt sich nicht nur im reinen Elektro-Betrieb („Pure“) auskosten. Durch den zusätzlichen Boost des 87 PS starken Elektromotors an der Hinterachse zum 253-PS-Frontantrieb gestaltet sich die Fortbewegung im teilelektrischen Volvo auch im Mischbetrieb sehr viel entspannter als in den reinen Verbrennern. Während sich deren 2-Liter-Vierzylinder-Aggregate recht kernig zu Wort melden, senkt das Hybrid-Konzept der Schweden den allgemeinen Geräuschpegel. Daran hat auch der virtuelle Drehzahlmesser auf dem Farbdisplay seinen Anteil, der einem anzeigt, wie viel „Gas“ man geben kann, bis der Verbrenner anspringt, um den E-Antrieb zu unterstützen.

Volvo V60 T6 Twin Engine: Leiser Antrieb, laute Anlage

Dieses Konzept ist eine Steilvorlage für das Sound-System. Besonders profitiert davon die Top-Option von Bowers & Wilkins. Damit kann sie sich im Twin Engine besonders deutlich vom Harman Kardon System abheben, das bei der Sport-Variante V60 Polestar Engineered zur Serienausstattung gehört. Ansonsten kostet das (mittlere) Harman System einen Aufpreis von 700 Euro und ist mit seinen 14 Lautsprechern und 600 Watt bereits extrem gut gelungen.

Volvo Infotainment-System Sensus Connect im Volvo V60 T6 Twin Engine
Das Infotainment-System Sensus Connect kostet mit dem Bowers & Wilkins System 3.300 Euro. Das Geld ist gut angelegt (Foto: S. Schickedanz)

So stahl Harman Kardon zunächst dem in Verbindung mit dem Infotainmentsystem Sensus Connect 3.300 Euro teuren B&W-System ein wenig die Show. Erst erneute Vergleiche mit mehr Schweiß auf der Stirn, aber weniger Grundrauschen im Ohr förderten die subtilen Vorteile des aufwändigeren B&W Systems zu Tage. Immerhin gönnen sich die Briten nicht nur edle Aluminium-Kalotten, sondern auch einen 2-Wege-Center, bei dem der Hochtöner wie bei diversen High-End-Lautsprechern von Bowers & Wilkins in einem eigenen Gehäuse über dem Instrumentenbrett thront.

Dabei ist der Sound unabhängig von den Fader-Einstellungen durch entsprechende Ausrichtung der Treiber immer ein wenig auf den Fahrer gerichtet. War die Abbildung auch mit High Performance Sound Pro by Harman/Kardon schon außergewöhnlich gut, zählt sie mit Bowers & Wilkins zum Besten überhaupt in diesem Bereich. Ganz offensichtlich profitieren die HiFi-Hersteller bei den Schweden von deren großer Expertise und Ambitioniertheit in Sachen Sound.

Das äußert sich in unzähligen konsequenten Detaillösungen. So setzt Volvo im V60 auf Algorithmen der schwedischen Sound-Schmiede Dirac und platziert trotz deren immensen Möglichkeiten, Frequenz- und Phasengang zu optimieren, die Hoch- und Mitteltöner der vorderen 3-Wege-Systeme direkt nebeneinander in den Türen. Solche Konsequenz findet man sonst höchstens bei Exoten wie dem Rolls-Royce Dawn, dessen Bespoke Audio-System genauso radikal umgesetzt wurde wie das ganze britische Nobel-Cabriolet.

Lohnende Investition: Bowers & Wilkins

Was das Infotainmentsystem Sensus Connect mit Premium Sound by Bowers & Wilkins im V60 T6 Twin Engine AWD für 3.300 Euro Aufpreis abliefert, gehört zum Feinsten, was einem von den großen Autoherstellern ab Werk geboten wird. Gemessen daran kann man den Preis als verhältnismäßig moderat bezeichnen. So bieten die Schweden mit ihren britischen Unterstützern 15 High-End-Lautsprecher inklusive eines in die Rohbaukarosserie integrierten 20-cm-Subwoofers mit Air Woofer Technology. Zu deren aktiver Ansteuerung steht eine 1.460-Watt-Class-D-Endstufe mit entsprechenden 15 Kanälen bereit. Die Tieftöner verfügen über Karbon/Zellulose-Membranen. Dazu kommen die für B&W typischen gelben Kevlar-Mitteltöner und Nautilus-Hochtöner mit Aluminium-Kalotten. Letztere löschen durch bedämpfte Röhrchen auf der Membran-Rückseite den nach hinten abgestrahlten Schall aus, damit er nicht im Inneren vagabundiert und sich mit dem nach vorne abgestrahlten Schall vermischt. So gelingt den Briten eine sehr saubere, natürliche Hochtonwiedergabe.

Bowers & Wilkins Anlage im Volvo V60 T6 Twin Engine
Der Center des Bowers & Wilkins Surround Systems besitzt einen aufgesetzten Nautilus-Hochtöner (Foto: S. Schickedanz)

Überhaupt kann man im Volvo V60 T6 Twin Engine AWD so relaxed und authentisch Musik genießen wie in wenigen anderen Autos – vor allem in der Mittelklasse. Das Fahrwerk vermittelt ebenfalls Hi-Res-Auflösung, was die Straße betrifft, zumindest für Volvo-Verhältnisse. Während einen die größeren V90 Kombis und S90 Limousinen mit ihren komfortabel abgestimmten Luftfederungen in Watte packen, hält der Volvo V60 T6 Twin Engine AWD stramm, aber nicht unbequem Kontakt zur Straßenoberfläche. Den Schweden gelang der fein dosierte Spagat zwischen Sportlichkeit und Komfort. Wer aufs Auto angewiesen ist, aber nicht mit fünf Metern Blech unterwegs sein möchte, findet im Volvo V60 T6 Twin Engine AWD den idealen Begleiter.

Da eine meiner Begegnungen mit dem Volvo noch unter Schneebedingungen stattfand, konnte ich auf einer abgesperrten Piste hemmungslos Spaß haben. Natürlich ist die auf Sicherheit und maximale Traktion ausgelegte Kraftverteilung des Volvo V60 T6 Twin Engine AWD nicht unbedingt prädestiniert für einen Fahrstil, wie man ihn von BMW mit dem heckbetonten Allradantrieb xDrive oder den neueren Sportmodellen von Audi kennt. Doch der Teilzeitstromer bereitete mir eine Riesengaudi auf Schnee und Eis. Man konnte, wie schon im Jahr zuvor mit dem V60 Benziner, im gut 2,1 Tonnen schweren Volvo V60 T6 Twin Engine AWD schnell und spektakulär quer unterwegs sein.

Der größte Unterschied zu BMW & Co. bestand lediglich darin, dass mir im Volvo im Gegensatz zu den erstgenannten zu keiner Zeit in den Sinn kam, das Smartphone zu zücken und mich selbst beim Driften zu filmen. Im Volvo musst Du richtig arbeiten, um ihn mit dem Heck zum Ausbrechen zu bringen und den Drift zu halten. Dabei gilt es auch, das wesentlich auf die nicht vollständig deaktivierbare Stabilitätskontrolle zurückgehende Untersteuern auf der Vorderachse zu kontrollieren.

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Volvo V60 T6 Twin Engine im Drift
So cool kann Elektro sein: Mit dem Volvo V60 T6 Twin Engine lässt es sich dank E-Motor an der Hinterachse driften. Unser Autor wirbelte auf einer abgesperrten Piste reichlich Schnee auf (Foto: Volvo)
Volvo V60 T8 Poleastar Engineered auf Schnee im Drift
Der Spaß ließ sich mit dem fast 400 PS starken Volvo V60 T8 Poleastar Engineered noch steigern. Mit diesem Drift schaffte es der Hörtester sogar in den Bericht von Charlys Autos (Foto: Jürgen C. Braun)
Volvo V60 T6 Twin Engine im Drift
Der Volvo V60 T6 Twin Engine erfodert im Drift schnelle Reaktionen (Foto: Volvo)
Volvo V60 T8 Poleastar Engineered auf Schnee im Drift
Den meisten Schnee wirbelte Stefan Schickedanz mit dem Volvo V60 T8 Poleastar Engineered auf (Foto: Volvo)
Volvo V60 T8 Poleastar Engineered auf Schnee im Drift
Winterfreuden eines Testers… (Foto: Volvo)
Volvo V60 T8 Poleastar Engineered auf Schnee im Drift
Querst-Arbeit… (Foto: Volvo)
Volvo V60 T8 Poleastar Engineered auf Schnee im Drift
So spaßig kann Hybrid sein: Volvo V60 T8 Poleastar Engineered (Foto: Volvo)
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Auch wenn der vom Ausrichter des Events, Lechner Racing aus Salzburg abgestellte GT-Nachwuchsrennfahrer Jakob Schober staunte, als ich mich nach viel aufgewirbelten Schnee als HiFi-Tester outete, gelang mir mein bester Stunt abseits der abgesperrten Piste. Und der war nicht nur völlig im Sinne der STVO, sondern auch öko-kompatibel: Vom Hotel am Obersalzberg bis zum Bootcamp bei Salzburg fuhr ich den Volvo V60 T6 Twin Engine AWD mit (Tusch) sage und schreibe 4,0 Litern Durchschnittsverbrauch! Das schaffte ich seit meiner 50-ccm-Honda in vier Jahrzehnten mit überhaupt keinem von einem Motor angetriebenen Fahrzeug. Selbst, wenn mir am Morgen jemand Baldrian in den Kaffee gemischt haben sollte, ist das nicht nur ein einsamer persönlicher Rekord, sondern auch äußerst respektabel für den Plug-in-Hybriden. Und in Verbindung mit der exzellenten Musikuntermalung und dem „Berg-Pornorama“ würde ich es nicht einmal als Entbehrung bezeichnen – im Gegenteil. Bei sportlicher Fortbewegung wanderte der Verbrauch in Richtung 10 Liter, ließ sich aber durch beherzten Elektroeinsatz bald wieder auf knapp über 8 Liter dämpfen, was angesichts der gebotenen Leistung auch in Ordnung geht.

Bowers & Wilkins Anlage im Volvo V60
Die Mittel- und Hochtöner sitzen beim Bowers & Wilkins Sound-System des Volvo V60 vorbildlich dicht zusammen (Foto: S. Schickedanz)

Da ich fast ausschließlich Langstrecke fahre und in der Stadt zu Fuss unterwegs bin, wäre der Volvo V60 T6 Twin Engine AWD trotz aller Begeisterung nicht unbedingt mein Auto. Wäre ich allerdings ein Pendler, könnte ich allerdings wirklich in Versuchung kommen, zumal Volvo das verlockende All-inklusive-Angebot „Care by Volvo“  mit Steuer und Versicherung im Leasingpreis macht.

Immerhin brauche ich mich so nicht zu zermartern, welches Sound-System ich bestellen sollte. Das Harman Kardon ist für 700 Euro Aufpreis großartig. In manchem Mitbewerber wäre es vom Klang her glatt die Top-Option.

Verbrauchsanzeige des Volvo V60 Recharge
Beweisfoto: Der Volvo V60 T6 Twin Engine lässt sich sogar mit 4 Litern Durschnittsverbrauch fahren. Für unseren dynamischen Autor eine stramme Leistung (Foto: S. Schickedanz)

Fazit Volvo V60 T6 Twin Engine AWD mit Bowers & Wilkins

Und wieder geht ein persönlicher Rekord an ein geliehenes Auto: Nach höchstem Speed im Regen (Audi S8, 2008) oder schnellster Drift (MTM Audi RS6R Clubsport, 2014)  ging jetzt ausnahmsweise mal ein vernünftiger Rekord an einen Wagen, der keinen Propeller auf der Haube hat. Diesmal kann ich sogar, ohne Rot zu werden, Zahlen nennen: Mit glatt 4 Litern Durchschnittsverbrauch (siehe Beweisfoto) ist der Volvo V60 T6 Twin Engine AWD Balsam auf mein geschundenes Öko-Gewissen.

Akustisch war der Schweden-Kombi dank leiser, aber kräftiger Hybrid-Power nicht minder beeindruckend. Mit seinem formidablen Bowers & Wilkins Surround Sound System. Weitere Argumente sind das tolle Design, gerade auch im Innenraum, und das Infotainment-System mit großem, hochkant stehendem Touchscreen. Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, braucht es sich bis auf die Sprachsteuerung eigentlich nicht hinter den deutschen Herstellern verstecken. Wischer mit integrierten Waschdüsen, das feinfühlig regelnde ABS und die Schwedengrill-Sitzheizung machen den elektrifizierten Volvo zum verlässlichen Ganzjahreswagen.

Volvo V60 T6 Twin Engine AWD mit B&W System
2020/07
Überragend
Bewertung
Anlage
Auto
Fahrspass

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Klingt nicht nur sehr homogen, Stimmen haben auch audiophilen Schmelz, das gewisse Etwas
Breite, sehr tiefe, stabile und plastische Hörbühne
Satter, tiefer Bass mit zünftigen Pegelreserven
Fahrwerksabstimmung schafft den Spagat zwischen Sportlichkeit und Fahrtkomfort, Hybridantrieb macht den Volvo V60 leise und sparsam

Preis (Herstellerempfehlung):

Volvo V60 Recharge  T6 AWD ab 54.900 Euro, Infotainmentsystem Sensus Connect mit Premium Sound by Bowers & Wilkins  3.200 Euro

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Vertrieb:
Volvo Cars Deutschland
Köln
www.volvocars.com

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Autor: Stefan Schickedanz

Stefan Schickedanz
Schneller testet keiner. Deutschlands einziger HiFi-Redakteur mit Rennfahrer-Genen betreut bei LowBeats den Bereich HiFi im Auto sowie die Themengebiete Mobile- und Smart-Audio.