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Die Magnat Quantum 727 im LowBeats Hörraum
Die Magnat Quantum 727 sind eindeutig die Chefs im Ring. Dank Doppelbassbestückung klingen sie im Tiefton besonders souverän. Der Paarpreis der Quantum 720-Flaggschiffe liegt bei 1.258 Euro (Foto: H. Biermann)

Magnat Quantum 727 – Standbox mit Doppelbass

Die Magnat Quantum 727 im Aufriss
Die Zeichnung zeigt den hohen konstruktiven Aufwand bei der Magnat Quantum 727: Der Mitteltöner (oben) hat ein eigenes Gehäuse, der Standboxen-Korpus selbst ist fünffach versteift. Die Frequenzweiche ist räumlich aufgeteilt (in Tiefton- und Mittelhochtonzweig), damit sich die Bauteile nicht gegenseitig beeinflussen (Zeichnung: Magnat)

Das Flaggschiff einer Serie steht ja immer besonders im Fokus der Betrachtungen. Was hier nicht gut gelöst ist, wird auch bei den kleineren Modellen nicht perfekt umgesetzt sein. Das gilt auch für die Magnat Quantum 727. Natürlich hat sie alle Erkennungszeichen dieser Serie: die gerundeten Seitenwangen, die gute Verarbeitung, die exzellente Bestückung mit der hervorragenden Gewebekalotte und dem Tiefmitteltöner mit extrem steifer Aluminium/Magnesium-Membran und, und, und … Alles Wesentliche zu den Besonderheiten der Quantum 720 Serie haben wir im Übersichtsbeitrag für Sie zusammengefasst.

Die Aufrisszeichnung rechts aber gibt uns einen nochmals tieferen Einblick in das Wesen der neuen Quantum-Familie. Durch die Rundungen haben die aus vielen MDF-Einzelschichten bestehenden Seitenwände gegenüber planen Varianten sowieso einen Vorteil. Zusätzlich setzt Magnat fünf Versteifungsringe ein, die die Seitenwände, aber auch die Schallwand um einiges steifer machen. Aber nur die obere Querversteifung ist komplett durchgehend. Dadurch entsteht eine geschlossene Kammer für den Tiefmitteltöner, der von den Schwingungen der beiden Tieftöner unten komplett entkoppelt wird.

Mit ihrer Bauhöhe von 105 Zentimetern ist die Magnat Quantum 727 grundsätzlich besonders Umsturz-gefährdet. Die Spikes im Zubehör sind von oben zugänglich und so perfekt an den Untergrund anpassbar. Damit steht die 727 absolut sicher. Dankenswerter Weise haben die Magnat-Verantwortlichen auch eine Gummi-Spike-Version mit beigepackt. Im LowBeats Hörraum klang diese hörbar besser als die Eisen-Variante. Allerdings klingen die klassischen Spikes bei uns sowieso in der Regel schlechter …

Auch gut in der Zeichnung zu sehen: Die Bass-Sektion der Frequenzweiche (grüne Platine unten) ist räumlich von der Mittelhochton-Sektion (grüne Platine Mitte) getrennt. Das macht Sinn, denn die großen Spulen vor den Tieftönern können durch ihre starken elektromagnetischen Emissionen die anderen Bauteile durchaus störend beeinflussen. Außerdem ist die Magnat Quantum 727 ja Bi-Wiring- (jeweils ein Kabelsatz pro Sektion) oder Bi-Amping- (jeweils eine Endstufe pro Sektion) fähig. Die Vorteile dieser doppelten Ansteuerung greifen aber nur bei einer konsequenten Trennung – so wie bei der Quantum 727.

Die Frequenzweiche selbst ist recht aufwändig. Die 727 ist ja die einzige „echte“ Dreiwegebox dieser Familie; schon deshalb sind hier mehr Bauteile erforderlich. Aber auch die extrem harten Membran der Tiefmitteltöner, die an ihrem oberen Übertragungsbereich merklich zu Resonanzen neigen, machen eine sehr steilflankige Filterung erforderlich. Magnat Entwickler Christian Gather verwendet hier eine Schaltung, die sowohl im Hoch- als auch im Tiefmitteltonzweig als 18 Dezibel/Oktave-Frequenzweiche aufgebaut ist, akustisch aber als noch steilflankigere Schaltung mit 24 Dezibel/Oktave wirkt.

 

Die Magnat Quantum 727 in Mocca
Wie alle Modelle der Quantum 720 Serie gibt es auch das Flaggschiff 727 im Mocca-Finish, das etwas edler aussieht als die schwarze Variante der Testmodelle. Gut zu sehen auch die soliden Spikes, die für einen möglichst stabilen Stand von oben justierbar sind (Foto: Magnat)

Die beiden Bassreflexrohre der Konstruktion sitzen in dem massiven MDF-Rückenteil der 727. Gather hat die Abstimm-Frequenz der Konstruktion bewusst tief gelegt, sodass es kaum ein „Mehr“ an Tiefton gibt. Stattdessen lag der Entwicklungs-Fokus hier auf möglichst hoher Präzision. Und das gelang recht gut. Bei unseren Versuchen, die beste Aufstellungs-Position im LowBeats Hörraum zu finden, war die Quantum 727 vergleichsweise unpretentiös. Da waren viele andere Testlautsprecher der letzten Monate sehr viel anspruchsvoller und reagierten bei nicht optimaler Platzierung schnell mit dröhnigem Bass.

Das Mitteltongehäuse der Magnat Quantum 727
Bei ausgeschraubtem Mitteltöner ist die nach hinten zulaufende Form der Seitenwände gut zu erkennen (Foto: H. Biermann)

Der perfekte Platz für die Magnat Quantum 727 war also schnell gefunden. Ein weiteres Positivum dieser Serie ist die vergleichsweise gutmütige Impedanz und der recht hohe Wirkungsgrad aller Modelle. Letzteres gilt vor allem für die 727, die die meisten Mitbewerber ihrer Klasse in Bezug auf die Effizienz locker aussticht: Bei gleicher Leistungszufuhr bringt sie einfach einen höheren Pegel.

So klingt die Magnat Quantum 727

Wie bei uns üblich, standen auch die Magnat Quantum 727 frei im Raum – mit etwa 60 Zentimeter Abstand vor der festen Rückwand mit den roten Syrrah-Diffusoren von RTFS. Und wie ebenfalls üblich, ließen wir die 727 erst einmal an der Referenz-Elektronik (Vollverstärker McIntosh MA 7900 AC und die Vor/End-Kombi SPL Director (Pre) plus Endstufe Nubert nuPower A) laufen. Wer bereits einen der anderen Quantum-720-Texte gelesen hat, weiß, was kam – es klang etwas sehr forsch in den Mitten. Die Augenbrauen gehen hoch: Was ist denn hier los? Das ist aber sehr frisch in den Mitten. Ist das ernst gemeint?

Ja. Denn das zieht sich wie ein roter Faden durch diesen Familientest: mit Spitzenelektronik sollte man den Modellen der neuen Magnat Quantum-Serie nicht kommen. So ein Verhalten ist ungewöhnlich. Aber Magnat Entwickler Christian Gather hat allen Quantum 720-Modellen, also auch der 727, ein sehr lebendiges Klangbild mit viel Mittenenergie anerzogen. Dass diese forschen Mitten kein Unfall sind, belegt die Tatsache, dass alle Lautsprecher der Serie im Mittelhochtonbereich absolut gleich klingen. Außerdem hat Gather vielfach bewiesen, dass er auch zurückhaltender klingende Schallwandler entwickeln kann. Nein, diese Abstimmung ist bewusst gewählt, um – wie er selbst sagt – „die meist müde Vorstellung günstiger Verstärker und AV-Receiver aufpeppen“.

Konsequenter Weise haben wir anschließend die 727 vor allem mit „kleinen“ Verstärkern angesteuert: dem Vollverstärker Exposure 1010 S2 und dem AV Receiver Marantz NR 1506. Aber keine Sorge: Das bisschen Leistung, das die beiden abzugeben in der Lage sind, genügt der Magnat Quantum 727 für ein spektakuläres Klangfeuerwerk.

Zum Beispiel Through The Never, Metallicas inoffizielles Best-Of-Album, das es in verschiedensten Darreichungsformen (CD, Blu-ray) gibt und das wir auch bei dem Mehrkanal-Test mit dem Center Quantum C72 ausgiebig hörten.

Cover: Metallica "Through The Never 3D"
Metallica Through The Never 3D: Eine der ersten Konzert-Aufnahmen, remastert mit Dolby Atmos 3D-Audio (Foto: Ascot Elite)

Aber die Magnat Quantum 727 begeisterte schon mit der CD-Version: mit viel trockenem Bassdruck auf dem Zwerchfell und höchst passender, enorm lebendiger Spielweise im Mittelhochtonbereich, die den Zuhörer sehr viel dieser Aufnahme miterleben lassen. Das ist klasse. Ich kenne keinen Lautsprecher um 1.000 Euro pro Paar, der derart druckvoll-sauber Bässe in den Hörraum hämmern kann und der Pop- und Jazz-Musik so Live-haftig zelebriert. Und noch ein Vorzug: Das Klangbild löst sich – bei freier Aufstellung – komplett von den Gehäusen. Die 727 eröffnet eine große Klangbühne, die keinesfalls nur breit und tief ist, sondern durchaus auch in der Höhe variiert.

Die mit 1.550 Euro etwas teurere KEF Q950 ist bei weitem nicht so energisch in den Mitten und deshalb beispielsweise für Chor- oder klassische Musik besser geeignet – weil sie in den Mitten geschmeidiger und letztendlich feiner agiert. Auch das fantastische Album Melodrama der Sängerin Lorde klingt mit der KEF etwas dezenter, entspannter und wärmer.

Die große Magnat dagegen besticht mit vielen, deutlich herausgearbeiteten Stimmendetails und einer explosionsartigen Dynamik: Und das nicht nur, weil der Bass so knackig-tief und die Mitten so kernig kommen, sondern auch, weil der Hochtöner mit enormer Verzerrungsarmut beeindruckt und selbst größten Lautstärkesprüngen mühelos folgen kann. Das ist richtig mitreißend.

Doch wie klingt die 727 im Vergleich zur ähnlich aufgebauten und bestückten, kleineren 725? Sehr, sehr ähnlich. Aber in den Mitten spielt die Quantum 727 deutlich feiner und im Bass bringt sie eindeutig mehr Druck, Tiefgang und Schwärze. Sollte ich eine Empfehlung aussprechen, fällt es mir schwer, ernsthafte Argumente für die kleinere 725 zu finden. Denn für nur etwas mehr als 200 Euro Aufpreis bekommt man innerhalb dieser Familie einen deutlichen Zuwachs an Tiefbass und Pegelfestigkeit.

Wer wissen möchte, wie groß die klanglichen Unterschiede zwischen den beiden Quantum Standboxen sind, kann dies im LowBeats Klang Orakel einfach nachvollziehen. Denn wie üblich bei Familientests haben wir die wichtigsten Modelle der Serie, in diese Fall die Magnat Quantum 723, die 725 und die 727 bei gleichem Pegel aufgenommen. Im Klang Orakel kann man, einen guten Kopfhörer oder gute Nahfeldmonitore vorausgesetzt, die Quantum-Modelle untereinander oder mit Modellen anderer Marken vergleichen.

Fazit Magnat Quantum 727

Die Magnat Quantum 727 ist eine immens lebendige Standbox, die aufgrund ihrer hohen Effizienz und ihres sauberen Tiefbassbereichs bei Stereo als auch bei der Surroundwiedergabe gleichermaßen beeindruckt. Sie wurde bewusst  auf die Kombination mit kleinen Endstufen entwickelt. Besitzer kleiner und billiger AV-Receiver können die Modelle der neuen Quantum-Serie daher blind kaufen – so auch die 727. Besitzer gehobener Receiver sollten sich die Kombination mit der Quantum 727 vorher anhören. Klassik-Fans empfehle ich – wie auch bei den anderen Quantum 720 Modellen –  woanders zu schauen – oder auf ein Modell der zurückhaltender abgestimmten Quantum-Linien 750 oder 1000 umzuschwenken.

Die Test-Aufnahmen der Quantum 727 und Quantum 725 finden Sie im:
LowBeats Klang Orakel Standlautsprecher

Mehr zur Magnat Quantum 720 Serie:
Magnat Quantum 720: die komplette Übersicht
Test: Magnat Quantum 723 – klein, stark, dynamisch
Test: Magnat Quantum 725 – das Energiebündel
Test: Magnat Quantum C72 – Center mit der Extraportion Bass

Die Mit- und Gegenspieler im Hörraum:
Test KEF Q950 – die musikalische Koaxbox
Test McIntosh MA7900 AC – Sinnbild eines Vollverstärkers
Test SPL Director – Vorstufe aus dem Studio
Test nuPower A – Super-Endstufe vom Direktvermarkter
Test
Exposure 1010 S2 – feinster Klang für 650 Euro

Magnat Quantum 727
2017/06
Test-Ergebnis: 4,3
SEHR GUT
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Lineare Wiedergabe, druckvoller, satter Bass
Hoher Wirkungsgrad
Abgestimmt für kleine Verstärker/Receiver
Etwas vordergrüngige Mitten

Vertrieb:
MAGNAT AUDIO-PRODUKTE GmbH
Lise-Meitner-Straße 9
50259 Pulheim
www.magnat.de

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung)
Magnat Quantum 727: 1.258 Euro