Ford Mustang GT mit Shaker Sound

Ford Mustang mit Shaker-Sound: Pony-Phonie

Aller guten Dinge sind drei. Die Tests von Ford Fiesta und Ford EcoSport förderten erstaunliche Fähigkeiten von Auto und Anlage ans Licht – Ford baut richtig tolle Fahrwerke und sparsame Triebwerke. Allerdings zählten die Testfahrten mit den 100 respektive 150 PS starken, dazu ziemlich vernünftigen Kleinwagen nicht unbedingt zu den Erlebnissen, bei denen ein Motorenfreak ins Schwärmen gerät. Statt einer Traumwagen-trifft-Traum-Anlagen-Story, die sich quasi von selbst schreibt, war das richtige Arbeit, die aber immerhin manifestiert, dass der Trend zu Marken-Car-Audio ab Werk von Audi, Porsche oder Aston Martin inzwischen auch die kleinsten Klassen erfasst hat. Doch jetzt kommt die ausgleichende Gerechtigkeit: Ich darf in Nizza den neuen Ford Mustang fahren. Der bekommt zwar sein maßgeschneidertes B&O Play System erst mit dem Jahrgang 2019 Bullitt. Dafür hat er aber einen 5.0-Liter-V8 unter der Haube. Das ist für Petrol Heads wie mich noch stimulierender als jeder Subwoofer im Kofferraum.

Der Ford Mustang ist neben dem Porsche 911 Carrera eine der wenigen übergebliebenen Sportwagenikonen, die meine Generation schon als Matchbox-Auto im Kinderzimmer begeisterten. Zwar hat das amerikanische Idol im Laufe seiner Evolution nicht so ein Riesenwachstum wie der Carrera durchgemacht, dafür gibt es Brüche in seiner Biographie: Dunkle Stellen mit spießigen Stilentgleisungen, die an die Abstürze von Rockstars erinnern, die zwischendurch weg vom Fenster waren und sich eine Auszeit in der Reha nahmen. Eben die Dinge, über die sie heute nicht mehr gerne sprechen. Für den Mustang begann diese Phase Anfang der 70er Jahre und endete erst mit dem Mustang V von 2004. Der steht stilistisch in einer direkten Linie mit der Mutter aller Mustangs von 1964.

Seit seinem Comeback ist der Sportler wieder auf der Überholspur und ich kann es kaum erwarten, ihn zu testen. Das Testerleben ist also diesmal gerade bei Ford wieder ein Pony-Hof. Stell dir vor: Du stehst auf einem Hof mit lauter nagelneuen Ford Mustang. 2,3 Liter EcoBoost und Mustang GT 5.0 Ti-VCT-V8, Handschalter und 10-Gang-Automaten. Ein schneller Ami darf bunt sein, denke ich mir. Das macht sich auch spektakulärer auf den Fotos. In Dunkelblau oder Schwarz sieht das viersitzige Sportcoupé nämlich fast so gediegen wie ein 70er Jahre Aston Martin aus.

Ford Mustang GT mit Shaker Sound
Schöner Rücken: Der Ford Mustang GT Fastback ist ein elegantes Coupé. In einer weniger knalligen Farbe als Gelb wirkt er sogar sehr dezent (Foto: S. Schickedanz)

Also fahre ich mit dem dicksten Motor vom Hof, den ich mit Handschaltung kombinierte. Auf diese Kombination schwören verständlicherweise wollgefärbte Mustang-Fans. Doch vor das Vergnügen hat das Schicksal eine harte Prüfung gestellt. Zunächst kriege ich relativ drastisch vor Augen geführt, warum ich vor sieben Jahren auf Automatik umstieg und auch die meisten Testwagen inzwischen keine Handschaltung mehr besitzen. In dem von unübersichtlichen Kreisverkehren und Abzweigungen geprägten Stadtverkehr von Nizza darf ich zur Gewöhnung an die alten Sitten einige Extra-Runden drehen. Das Navi – Sync 3 mit AppLink 8-Zoll-Touchscreen – ist nicht unbedingt der Burner. Es bietet gute Smartphone-Konnektivität, aber die Routen-Führung ist nicht immer ganz eindeutig.

Shaker kann sich hören lassen

Das Sound-System überrascht dagegen positiv. Es heißt Shaker, was irgendwie halbstark nach volle Dröhnung auf dem Parkplatz klingt. Doch die 12 Lautsprecher des Premium-Sound-Systems machen einen erstaunlich guten Job. Außerdem gehört es mit 1.200 Euro im Paket mit dem dicken Navi zu den günstigen Sound-Optionen im Vergleichsumfeld. Die visuelle Darstellung bleibt allerdings hinter B&O und Co. deutlich zurück. Die akustisch günstig weit oben in den A-Säulen untergebrachten Hochtöner verstecken sich hinter einem schlichten schwarzen Gitter.

Im Verkehrsgewühl sorgt das Shaker-System für gute Unterhaltung. Es erzeugt eine erstaunlich hohe und breite Bühne und klingt erfreulich ausgewogen. Stimmen besitzen zwar keinen audiophilen Schmelz, sind aber tonal sehr ausgewogen. Der Bass kommt recht tief in den Frequenzkeller und ist ordentlich konturiert – nicht nur über CD-Player, sondern auch vom Smartphone. Keine Frage, mit der Anlage kann man gerade Rock und Pop wirklich genießen. Wenn man nicht lieber dem Motor lauscht…

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Endlich offene Landstraße. Man glaubt zu wissen, was als kommt. Doch weit gefehlt. Zum Glück fällt meinem Co-Piloten auf, dass vor uns die Gendarmerie fährt – in einem Kleinbus, der wie ein Wagen der einheimischen Stadtwerke auf mich wirkt. Ich harre nämlich schon ungeduldig und übermütig einer Möglichkeit zum Überholen. Doch nicht alles hat sich heute gegen uns verschworen: Die Flics biegen ab und ich gebe dem Pony Car erstmals die Sporen. Artgerechter Auslauf für 450 PS.

Was folgt, ist ein Fest für die Sinne: Der V8-Motor röhrt, der Ford Mustang schießt los, drückt mich in den perfekt geformten Schalensitz von Recaro, während ich mit nach vorne über die lange, zerklüftete Motorhaube den Blick auf Berge und Meer, im Rückspiegel auf einen Testerkollegen in einem weiteren gelben Mustang GT genieße.

Das 4,8 Meter lange, knapp 2 Tonnen schwere Sportcoupé fühlt sich kompakter und leichter an, als es ist. Die Rückmeldung der in jeder Lage direkten Lenkung überzeugt ebenso wie die Traktion der 19-Zoll-Pirelli-Reifen, die mit den 529 Nm Drehmoment bei 4.600 U/min zumindest bei Trockenheit unter strahlend blauem Himmel gut fertig werden.

Der Mustang erweist sich auf einer zügigen Etappe als verlässlicher Sportsfreund. Das über Magnetfluid in Zug- und Druckstufe in Sekundenbruchteilen automatisch anpassbare MagneRide-Aktivfahrwerk ist für meinen Geschmack sehr gut abgestimmt. Das leichte Springen der Hinterachse in Kurven mit unebenem Straßenbelag fällt unter Entertainment. Es sorgt für eine Extraportion Drama, was das Fahrerlebnis noch intensiver macht.

Die Bremsen wecken den (später bestätigten Verdacht), dass sie von meinem Lieblingsausrüster Brembo stammen. Die Sechs-Kolben-Sättel der vorderen Scheiben lassen sich gut dosieren und werden mit dem recht schweren Sportler spielend fertig.

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Shaker Sound System 1
Unscheinbar, aber gut: Das Shaker Sound System klingt erstaunlich ausgewogen. Dennoch plant Ford den akustischen Overkill mit B&O Play im Jahrgang 2019 (Foto: S. Schickedanz)
Shaker Sound System Einstellungen
Den Dreiband-Equalizer hat das Shaker System mit dem B&O Play des Ford EcoSport gemeinsam (Foto: S. Schickedanz)
Shaker Sound System: Programmquellen, Streaming
Als Programmquellen stehen im Ford Mustang neben Bluetooth-Streaming vom Handy auch USB-Sticks oder CDs zur Auswahl (Foto: S. Schickedanz)
Shaker Sound System: Splitscreen mit Navigationskarte
Praktisch: Auch ein Splitscreen mit Navigationskarte und weiteren Anzeigen ist möglich (Foto: S. Schickedanz)
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Auch der Motor lässt bei einem Ohrenmenschen mit Benzin im Blut einen Verdacht aufkeinem: Hat Ford hier die klassische, rustikale Bauweise nach amerikanischer Art aufleben lassen? Gerade beim starken Beschleunigen entfacht er ein Stakkato, wie ich es sonst nur aus dem Rennfahrer-Epos „Tage des Donners“ kenne, welches ich mit seinem fetten Sound und seiner dünnen Handlung gerne für Surround-Lautsprecher-Tests heranziehe.

Nachfragen beim Entwickler der mit einer Flüster-Funktion für ein friedliches Verhältnis zur Nachbarschaft ausgerüsteten Vierrohr-Klappen-Auspuffanlage schafft Gewissheit. Die Amis setzen beim aktuellen 5.0 l Ti-VCT-V8, einem modernen Vierventiler mit variablen Steuerzeiten auf eine Cross-Plane-Kurbelwelle, bei der die Hubzapfen jeweils um 90 Grad zueinander versetzt sind. Das bedingt eine andere Zündfolge als bei Flat-Plane-Kurbelwellen wie im McLaren 507s, bei denen sich immer zwei gegenüberliegende Zylinder einen Zapfen teilen: ist der eine Kolben am oberen Totpunkt, befindet sich der andere gleichzeitig am unteren Totpunkt.

Daraus ergibt sich auch eine andere Zündfolge als beim 5,2 l des Shelby GT350. Daher böllert der neue Mustang GT gerade bei hohen Drehzahlen animalisch, während Flat-Plane-V8s mit steigender Drehzahl nicht selten an ein Duett aus zwei Vierzylinder-Aggregaten erinnern. Erfreulicherweise verzichtet Ford auf alberne, mutwillig herbeigeführte Fehlzündungen, mit denen die deutschen Premiumhersteller sogar ordinäre Vierzylinder aus dem Limousinen-Baukasten mit Gewalt auf sportlich trimmen wollen.

Ford Mustang GT mit Shaker Sound
Real American Muscle: 450-PS-V8 ohne Aufladung, Hinterradantrieb und Handschaltung sorgen für ein einzigartiges, ursprüngliches Fahrerlebnis im neuen Ford Mustang GT (Foto: S. Schickedanz)

Statt dessen traut sich Ford, die digitalen Instrumente nicht nur als virtuelle Fortsetzung der Analoganzeige oder für eine paar mehr oder weniger nützliche Zusatzinformationen zu nutzen. Die Amerikaner sprudeln vor Kreativität. Passend zum wählbaren Fahrmodus wechseln die Instrumente zwischen Drag-Strip und Formel 1.

Der Zeitplan ist allerdings so knapp, dass ich mich mit solchen netten Gimmicks nicht aufhalten kann. Ich fahre einfach und genieße das amerikanische Auto in den französischen Bergen.

Während die Landschaft auf einsamen Gebirgsabschnitten an mir vorbeifliegt, komme ich ins Grübeln – so wie einst, als ein Freund mit seinem damals noch nicht offiziell in Deutschland verfügbaren Mustang Bullit vorfuhr. Er hatte das US-Gefährt über Geiger, einen Händler in München, in den Staaten bestellt. Das Teil war nicht teuer als mein als puristische Rennsemmel zusammengestellter Mini Cooper S! Mit unnachahmlichem, echtem V8-Sound und coolem Interieur. Okay, er hatte eine Starachse und bei der Kurvenhatz konnte er den schwächeren Mini mit seiner mechanischen Diffsperre vorn und der Multilenker-Leichtbauhinterachse nicht abhängen. Aber hey, das Teil war einfach Porno.

Ford Mustang: der 5.0 l V8-Motor gibt den Ton an

Doch inzwischen kannst du den Mustang nicht nur offiziell beim Ford-Händler deines Vertrauens kaufen. Auch Segnungen der Moderne wie Einzalradaufhängung an der Hinterachse haben Einzug gehalten.

Warum verliert der Kerl aber bis zur Mitte des Berichts kaum ein Wort über die Stereo-Anlage? Soll ich ganz ehrlich sein? Das kann nur jemand denken, der noch nie mit einem 5.0-Liter-V8, der dermaßen gut liegt, über eine einsame Landstraße an einem der schönsten Flecken Europas gefegt ist. Das Auto ist so genial, da würdest du sogar ein Mono-Radio hinnehmen. Wir reden hier von einer blechgewordenen Legende. Du kannst noch so erwachsen sein, ein Stück Steve McQueen fährt immer mit. Bei so ziemlich jedem Beschleunigungsvorgang erlebst du ein Déjà-vu, siehst dich in einem Action-Thriller oder einem Video-Spiel. Der Wagen ist eine Drama-Queen auf Rädern, die selbst langsame Fahrten im Stadtverkehr wie einen Sam-Peckinpah-Film inszeniert. Als ein schweres Motorrad in der Kurve vor mir her fährt, sehe ich die Verfolgungsjagden aus Mad Max vorm geistigen Auge, auch wenn es sich beim Filmauto um einen Ford Falcon handelte. Im Mustang schwingt schon allein wegen des martialischen V8-Sounds immer eine gehörige Portion Kino mit.

Doch alles hat seine Zeit. Die Stunde des namenlosen Audio-Systems kommt noch. Das knackige 6-Gang-Getriebe mit seinem stilechten kurzen Schaltknüppel aus Metall macht einen Heidenspaß, fordert aber sein Tribut. Der V8 ist großartig, aber unter 3.000 Touren nicht unbedingt ein Temperamentbolzen. Wir leben schließlich im Turbo-Zeitalter, wo selbst kleine Motoren knapp über Leerlaufdrehzahl ihr bemerkenswertes Drehmoment-Maximum erreichen.

Ford Mustang GT mit Shaker Sound
Der Ford Mustang EcoBoost bietet zwar keinen V8-Sound, dafür verbraucht er weniger Benzin und zieht mit seinem Turbolader aus niedrigen Drehzahlen besser an als der hochtourige Saugmotor des Mustang GT. Im Regen ringt er deshalb gelegentlich um Traktion (Foto: I. Hennen)

Der Ford Mustang ist anders. Rauer, authentischer, naturbelassener, roher Maschienenbau. Trotz aller Elektronik erinnert alles an Zeiten, als man sich noch nicht ohne jegliches Talent mittels idiotensicherer Launch-Control in wenigen Sekunden von Null auf 100 katapultieren konnte. Wo selbst Porsche mit automatischem Zwischengas, Ganganzeige und einer weichen Kupplung daherkommt, die mit ihrem breiten Übergangsbereich so ziemlich alles verzeiht, gönnt sich Ford ein knackiges Schaltgefühl ohne Netz und doppelten Boden.

Wenn du mit dem neuen Ford Mustang 5.0 schnell sein willst, musst du dafür etwas leisten. Er ist gerade in dieser Ausführung mit manuellem Getriebe kein Dumm-Dumm-Geschoss aus heimischer Fertigung, mit dem sich jeder Fahranfänger bereits an 600 verfügbaren Turbo-PS ergötzen kann und sich dabei wie der kleine Bruder von Sebastian Vettel fühlt.

Mit einem turbobefeuerten Automatik-Audi könntest du schneller, als die Polizei erlaubt, über eine kurvige Landstraße donnern und nebenbei noch telefonieren. Denk erst gar nicht dran! In diesem naturbelassenen Ford Mustang GT musst du für deinen Speed gerade auf einem Bergpass hart arbeiten. Vor Spitzkehren ist Herunterschalten in den zweiten Gang quasi Pflicht, sonst zieht der Mustang einfach nicht richtig aus der Kurve. Zudem reagiert er mit reichlich Zug an der Hinterachse noch zackiger auf Lenkbefehle. Kurzum ein Macho-Muscle-Car wie ein englisch gebratenes Beef Steak vom Grill.

Das Ganze hat seinen Preis. Nach einigen Stunden Kurvenhatz spürst du dezent, was du geleistet hast. Du wirst auf angenehme Art müde wie nach einem langen Spaziergang und reihst dich früher oder später voller Zufriedenheit hinter einem Toyota Auris ein, weil du wirklich satt bist. Der Vergleich mit Fastfood voller Geschmacksverstärker ohne Nähr- und Ballaststoffe drängt sich auf. Doch in diesem Fall sind es unsere deutschen Vollautomaten, die näher an McDonalds sind, als der eher an Bio-Vollwertkost erinnernde Ami.

Pferd-Steigerung: Shaker Sound hilft dem Eco- Ford Mustang auf die Sprünge

Müde, aber glücklich. Das ist genau der Moment, wenn das das erste Mal zum Lautstärkeknopf des Radios greifst und richtig aufdrehst. Und das ist jener Moment, in dem es mir die Sprache verschlagen hat: Das Sound-System taugt ja nicht nur als Hintergrundbeschallung für Nachrichten und Stadtverkehr. Damit kannst du richtig gut Musik erleben. Die V8-Hymne in der Live-Version von Made In Japan, der Song „Highway Star“ („eight cylinders all mine allright hold tight i’m a highway star“) bringt das Gefühl auf den Punkt. Man kann den Song besser wiedergeben, mit klareren Höhen und noch mehr Kick im Bass. Aber mit mehr Seele hab ich ihn noch nie erlebt als in diesem Jurassic-Car.

Ein CD-Player ist an Bord – aber wer hört heute noch CDs im Auto? Nützlicher sind da schon die USB-Anschlüsse, wenn mehr Qualität als über Bluetooth gefordert ist. Aber auch das drahtlose Streamen vom iPhone klingt wirklich tadellos. Die Steuerung über Tasten am gut in der Hand liegenden Multifunktions-Lenkrad und in der Mittelkonsole ist gut. Außerdem gibt es einen Touch Screen. Doch während der Fahrt ist die Bedienung über den Bildschirm nicht optimal. Für das System-Setup an der Ampel dagegen schon. Die Menüs und Klangregler entsprechen denen der B&O Play Systeme von Ford Fiesta und Ford EcoSport.

Meine Aversion gegen die Benutzung von Touch Screens während der Fahrt sorgt auch dafür, dass ich mir einen besonderen Wunsch erst am nächsten Tag im Ford Mustang 2,3 l EcoBoost erfüllen kann: „Burma Shave“, einen meiner Lieblingssongs von Tom Waits, habe ich morgens im Hotel zu einer eigens erstellten Playlist hinzugefügt. Die Ballade erzählt von der gescheiterten (Land)-Flucht eines zufällig zusammengekommen Pärchens in einem Ford Mustang, die ein böses Ende nimmt.

Ford Mustang GT mit Shaker Sound
Artgerechter Auslauf für den Ami: In den Bergen rund um Nizza fühlt sich der neue Ford Mustang GT zuhause. Die rustikale Starrachse ist längst Geschichte. Jetzt fährt er sogar mit MagneRide, einem hochmodernen adaptiven Fahrwerk auf (Foto: Ford)

Selbstverständlich hätte ich diesen Song lieber im grollenden V8 vom Vortag zelebriert. Aber mit dem auch nicht gerade schwach motorisierten Vierzylinder im strömenden Regen hat die Nummer auch etwas Dramatisches. Schließlich schwimmen die breiten 255er-Reifen auf der Vorderachse schon unterhalb des französischen Autobahntempolimits gelegentlich in den reichlich vorhandenen Pfützen auf, während die Hinterräder bei Nässe mit dem 440 Nm Drehmoment hoffnungslos überfordert sind und das Thema Grip an die elektronische Traktionskontrolle delegieren.

Das Shaker Sound-System kann dagegen richtig glänzen. Die Whiskey-gestählte Stimme von Tom Waits kommt sehr nuanciert und einfühlsam herüber, das Klavier erscheint sehr klar und der tieffrequente Körperschall durch die Pedale des Pianos kommt deutlich wie bei einer guten Stereo-Anlage aus den Boxen. Wir hören den Song gleich zweimal.

Mein Urteil steht fest, bevor ich den dezent schicken dunkelblauen Fastback am Flughafen abstelle. Schon im Ford Mustang GT erwies sich das Shaker Sound System als begehrenswertes Extra. Im Ford Mustang 2,3 l EcoBoost ist das Premium-Sound-System ein Muss. Der Vierzylinder-Vernunft-Motor macht zwar keinen schlechten Job im US-Muscle-Car. Er klingt auch viel sonorer als ich dachte, aber man muss ihm wirklich nicht in allen Einzelheiten bei der Arbeit zuhören, gerade wenn er mit der 10-Gang-Automatik verbunden ist. Die steigert zwar abgesehen von einem Ruckeln im ersten Gang, wenn man langsam mit konstanter Geschwindigkeit fährt, den Komfort und die Wirtschaftlichkeit, verwässert aber gleichzeitig den Charakter des Pony Cars. Die schnöden Plastik-Schaltpaddel am Lenkrad fühlen sich zudem eher nach Bobby- als nach Muscle-Car an. Doch der niedrigere Grundpreis von 39.000 gegenüber 46.000 Euro und ein deutlich niedrigerer Verbrauch machen den Kleinen interessanter für alle, die den Mustang wirklich als Alltagsauto fahren wollen.

Der Turbo-Einsatz beim EcoBoost-Motor steigert darüber hinaus die Fahrbarkeit im Alltag. Vom Gefühl her entwickelt er unten heraus sogar mehr Schub als der große Bruder mit seinem V8-Saug-Aggregat, das sein maximales Drehmoment erst bei strammen 4.600 Umdrehungen, die höchste Leistung sogar erst bei 7.000 erreicht. Beim Turbo sprechen wir von 3.000 respektive 5.400 Touren, das ist für den Alltag in Verbindung mit der Automatik die bessere Kombination. Dafür ist der Mustang GT mit seinem 8-Zylinder ein reinrassiger Sportler, der gemessen am hohen Drehzahlniveau während meiner rasanten Bergtour mit um die 15 Liter Verbrauch einen angemessenen Verbrauch aufweist.

Fazit: Ford Mustang GT mit Shaker Premium Sound

Die Bilanz ist eindeutig. Der „kleine“ 2,3-Liter EcoBoost ist ein einzigartiges Sonderangebot, zudem beileibe kein schlechtes Auto und viel moderner, als er aussieht. Wenn es dir einfach um die ikonische Form geht, kauf ihn dir. Das Gleiche gilt, wenn Alltagstauglichkeit und Wirtschaftlichkeit im Vordergrund stehen. Da gibt es keine zwei Meinungen. Genauso eindeutig wird die Sache aber, wenn es primär um einen waschechten, faszinierenden Sportwagen geht und das nötige Kleingeld vorhanden ist. Der Mustang GT ist zwar voll alltagstauglich, doch die beste Figur macht er als Zweitwagen für besser Betuchte.

Für den Preis von einem dicken AMG-Mercedes oder Porsche Panamera kann man sich auch einen bequemen und sparsamen Dieseldienstwagen für Geschäftsreisen und einen Mustang GT Fastback zum reinen Vergnügen kaufen. Und zwar unbedingt mit Handschaltung, vielleicht sogar gleich als Cabriolet, um den Genuss zu vollenden. Der Ford Mustang GT Convertible kostet vergleichsweise lächerliche 50.500 Euro. Mit dem kleinen Motor sind es sogar nur 43.500 Euro. Das legt man bei den heimischen Premiumherstellern schon für einen langweiligen Kompakten mit ein paar Extras hin.

Ich habe lange überlegt. Navi und Infotainment-Bedienkonzept sind nicht überwältigend, das Shaker Sound System steht vor der Ablösung durch B&O Play. Außerdem wollen wir mit fünf Sternen nicht verschwenderisch umgehen. Schließlich hat vor dem gerade getesteten BMW 540i mit Harman Kardon letztes Jahr der Porsche Cayman S mit Burmester bereits die höchste Bewertung bekommen. Aber irgendwie ist gerade bei einem Sportwagen das Gesamterlebnis mehr als die Summe aller Teile.

Der Ford Mustang ist das genaue Gegenteil zum kleinen Porsche: Er hat kein High-End-Sound-System, bietet dafür aber Platz für vier Personen und kostet trotz doppelter Zylinderzahl mit entsprechendem Gänsehaut-Sound weniger als der winzige Cayman. Es wäre also kleinlich, dem galoppierenden Gaul und seinem im Paket samt Navigations-System für moderaten Aufpreis angebotenen Sound-System weniger Punkte als dem springenden Pferd aus Zuffenhausen zu verleihen.

Schließlich bezieht sich unsere Relativ-Wertung auf den Preis und ich muss auch sagen, wenn ein Sportwagen in der Summe so stimmig wirkt, wäre es kleinlich, ihm wegen in dem Fall nebensächlicher Kleinigkeiten hier und da noch einen halben Stern abzunehmen. Das gilt auch für den angesichts des Preises sehr ordentlichen Shaker-Sound. Der Ford Mustang GT bietet ein 5-Sterne-Fahrerlebnis für vergleichsweise kleines Geld. Freie Fahrt dank Otto-Partikelfilter gibt es als Sahnehäubchen für vorausschauende Pferde-Narren obendrauf.

Wer wie ich bisher dachte, der größte Beitrag der Amis zur Evolution des Automobils seien die inzwischen bei Audi, Mercedes oder Porsche fest etablierten Cup-Holder, muss sich nach diesem einzigartigen Action-Streifen von einer Testfahrt Richtung Westen verbeugen: Der Ford Mustang ist das spannendste Auto, das man für unter 50.000 Euro kriegen kann.

(In eigener Sache: Die Wertung ist wie immer bei LowBeats auf die jeweilige Preisklasse beziehungsweise Fahrzeugklasse bezogen und nicht absolut zu sehen. Das heißt, ein direkter Vergleich zwischen einem 5-Sterne-Kleinwagen und einer 5-Sterne-Limousine ist nicht möglich).

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Ford Mustang GT 2018 mit Shaker Premium Sound
2018/03
Test-Ergebnis: 5,0
Überragend
Bewertung
Auto
Anlage
Fahrspass

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Homogene Klangabstimmung, recht tiefer und kontrollierter Bass, gute Konnektivität
Überragendes Preis-Leistungs-Verhältnis
Sehr unterhaltsamer, urwüchsiger V8-Antrieb mit knackiger Handschaltung, ausgezeichnete Brembo-Bremsen
 Pfiffiges virtuelles Cockpit, das konsequent Gebrauch vom Bildschirm im Instrumentenbrett macht

Preis (Herstellerempfehlung): Ford Mustang GT ab 50.500 Euro, das Shaker Premium Sound System kostet 1.200 Euro Aufpreis im Paket mit Navigations-System.

Vertrieb:
Ford Werke GmbH
Henry-Ford-Str. 1
50735 Köln
www.ford.de


Autor: Stefan Schickedanz

Stefan Schickedanz
Schneller testet keiner. Deutschlands einziger HiFi-Redakteur mit Rennfahrer-Genen betreut bei LowBeats den Bereich HiFi im Auto sowie die Themengebiete Mobile- und Smart-Audio.