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Red Carpet Cinema
Schon die Planung zeigt: das Red Carpet Cinema im Keller hat alles, was ein perfektes Heimkino ausmacht (Simulation: HFB)

Red Carpet Cinema: Vom Keller zum Heimkino

Ein gestochen scharfes 4K-Bild auf über 3 Meter Breite, kinoreifer 3D-Sound in Referenz-Qualität und das alles mit einer richtigen Kino-Optik: Mit dem Red Carpet Cinema hat das HiFi Forum Baiersdorf höchst überzeugend demonstriert, was man aus einem leerstehenden Kellerraum so alles machen kann…

Viele Menschen sind Heimkino-Fans, doch nur die wenigsten können diese Passion zuhause richtig ausleben: Häufig ist das normalerweise genutzte Wohnzimmer ungeeignet – auch, weil sich oftmals die Nachbarn von dem dynamischen Kino-Sound mit viel Bass gestört fühlen. Klaus Remmer (Name von der Redaktion geändert) ist hier in einer sehr viel besseren Lage. Er hatte schon beim Bau seines Hauses diesen Kellerraum dafür vorgesehen und ließ ihn sich dann vom HiFi Forum Baiersdorf zum ambitionierten Heimkino umbauen: zum Red Carpet Cinema.

Keller haben den großen Vorteil, dass sie besser schallisoliert von möglichen Nachbarn sind. Was in diesem Fall wichtig ist: Remmer ist leidenschaftlicher Filmfan, gerade Actionfilme nutzt er als Ausgleich für seine anstrengende berufliche Tätigkeit. Es wird also öfter mal laut. Nur haben Keller meist den Nachteil einer niedrigen Decke – was in der Regel zu einer muffigen Akustik führt. Vorsorglich hatte Hausbesitzer Remmer in der Bauplanung eine höhere Decke vorgesehen und konnte sich so von den Baiersdorfer Spezialisten ein in allen Belangen maßgeschneidertes Heimkino bauen lassen.

Trotzdem sind Keller immer eine akustische Herausforderung und erfordern in der Regel weitreichende Akustik-Maßnahmen. Im Falle des Red Carpet Cinema aber kam eine zweite Herausforderung hinzu: Heimkino-Fan Remmer hatte dem HiFi Forum zwar einen schönen Anforderungskatalog aufgestellt, aber auch einen klaren Kostenrahmen vorgegeben: Alles in allem etwa 35.000 Euro dürfe das Ganze kosten, war die Ansage – die bei HiFi-Forums-Chef Heiko Neundörfer erst einmal die Kalkulation-Maschine in Gang setzte. Ist das überhaupt machbar?

Das Red Carpet Cinema wurde machbar, wobei Neundörfer schlau planen musste. „Viel Geld kann man mit den Lautsprechern sparen“, sagt er dazu. „Wenn du rein auf spezielle Heimkino- oder Einbau-Speaker setzt, bekommst du die gleiche Qualität wie bei klassischen HiFi-Lautsprechern für die Hälfte des Geldes.“ Hier also war die Sache klar: Heimkino-Fan Remmer wollte die Lautsprecher in seinem Red Carpet Cinema eh nicht sehen und B&W hat fantastische Kinolautsprecher im Programm. So wurden im Red Carpet Cinema durchwegs Bowers & Wilkins Lautsprecher aus der Kino- (CT-) Serie verwendet.

Red Carpet Cinema FRONT-SPEAKER
Sorgen für jede Menge extrem klaren Klang und ausreichend Dynamik-Headroom im Frontbereich: drei der B&W CT7.3 LCRS mit 2 x 20 cm Tieftönern (Foto: B&W)

Wer die  CT7.3 LCRS sieht, ahnt, dass Neundörfer mit seiner Aussage Recht hat: diese Lautsprecher stehen ähnlich großen Lautsprechern der 800er Serie in nichts nach – zumal sie im Falle des Red Carpet Cinema von zwei potenten Subwoofern mit 30-cm-Tietönern (B&W CT-12SW) unterstützt werden. Die beiden Subwoofer sitzen ebenfalls auf der Stirnseite unter den drei CT7.3 LRCS. Die beiden Subwoofer sind übrigens passiv; sie werden von einer speziellen Subwoofer-Endstufe von B&W angetrieben. Dazu später mehr.

Red Carpet Cinema
Das Kino in der Planung von oben: hinter der Leinwand (links, weißer Bereich) sind die großen B&W CT 7.3 Cinema-Speaker plus die Subwoofer verbaut. Die vier grauen Quadrate in der Nähe der Sitze umreißen die Position der B&W CCM683 Inwall-Deckenlautsprecher. Die kleinen grauen Flächen an der Wand kennzeichnen die Position der Effektspeaker (Simulation: HFB)

Der 3D-fähige Surroundsound kommt von acht weiteren B&W Lautsprechern. Vier B&W CWM 7.5 sind als Effektspeaker im hinteren Bereich des Red Carpet Cinema onwall verbaut. Sie fallen kaum auf, weil die HiFi-Forum-Spezialisten sie einfach geschickt als Beleuchtung getarnt haben. Das sieht klasse aus.

Red Carpet Cinema
Auch in der klassischen Kinobeleuchtung stecken Lautsprecher: hier sind die Surround-Speaker verbaut (Foto: HFB)

Und für das Klangerlebnis von oben, also dem richtigen 3D- (der Fachmann sagt: Immersive-) Sound wie Dolby Atmos oder Auro-3D, sind vier kreisrunde Koax-Inwall-Speaker vom Typ B&W CCM 683  in der Decke verbaut. Weil der Kellerraum hoch genug ist, konnten die HiFi-Forum-Tischler hier die Decke an den Rändern abhängen; die Akustiker hatten so alle Möglichkeiten zur optimalen Positionierung. Die Abdeckungen der 3D-Speaker in der Decke passen farblich exakt zur Decke, so dass sie optisch kaum auffallen. Obwohl im Red Carpet Cinema immerhin 13 Lautsprecher (3 x Front, 4 x Effekt, 4 x Decke, 2 x Subwoofer) verbaut sind, sieht man sie auch bei Licht kaum.

Red Carpet Cinema
(Simulation: HFB)

Um die Lautsprecher an der Stirnseite wirklich unsichtbar zu machen, mussten sie a.) in einer so genannten Fakewall (also einer vorgesetzten Rigips-Wand) verbaut und dann hinter einer akustisch transparenten Leinwand versteckt werden. „Bei der Leinwand ging leider nur Stewart“, sagt Neundörfer. „Leider“ nicht wegen der Qualität, sondern wegen des Preises. Stewart baut auch nach LowBeats Erfahrung einfach die besten Leinwände, ruft allerdings auch entsprechende Preise auf. Der Preis-Kompromiss im Red Carpet Cinema sah dann so aus: Stewart Leinwand mit mikroperforiertem Tuch, aber nicht motorisch bewegbar, sondern im kostengünstigen Festrahmen. Remmer stört das nicht: er nutzt den Kellerraum eh nur fürs Heimkino.

Red Carpet Cinema
Die Leinwand ist akustisch transparent und – natürlich – von Stewart. Das mikroperforierte Tuch bedeckt mit seiner Größe von 3,05 x 1,60 Meter fast die gesamte Stirnseite (Foto: HFB)

Bei einer so üppigen Lautsprecher-Ausstattung muss natürlich auch die Motorisierung entsprechend sein. Man muss dazu sagen, dass Hausbesitzer Remmer zwar ausgewiesener Heimkino-Fan ist, also hat er an seine Stereo-Anlage ebenfalls höchste Erwartungen: Im Wohnzimmer steht eine fein kombinierte Anlage aus Sonus Faber Standboxen und AVM-Elektronik.

Red Carpet
Auch im Wohnzimmer herrscht der feine Ton: HiFi-Anlage mit Sonus Faber Olympica Lautsprechern und AVM-Elektronik (Foto: HFB)

Der Mann kennt sich also aus und legte im ganzen Haus Wert auf den feinen Ton. Im Heimkino kamen eigentlich nur die Mehrkanal-Komponenten von Marantz in Frage, die 11.2-Kanal-AV-Vorstufe AV7702 MK II kombiniert mit der 7-Kanal-Endstufe MM8077 und dem 5-Kanal-Amp MM7055. Signalquelle ist ein Blu-ray-Player BDP-103D von Oppo. Das sind übrigens alles Komponenten, die auch im LowBeats Testkino Referenz sind oder bis vor kurzem waren.

Red Carpet Cinema
Die gesamte Elektronik, also auch die drei Endstufen für die Lautsprecher und die Subwoofer, ist an in einem maßgefertigten Spezialschrank in der Ecke des Red Carpet Cinema untergebracht. Der Schrank unterdrückt auch die leisen Lüftergeräusche der Endstufen, wenn es mal richtig kernig zur Sache geht… (Foto: HFB)

Viel Wert legte Remmer auch auf die Qualität des Bildes: der Sony VPL-VW500ES ist ein exzellenter 4K-Beamer und war, als er auf den Markt kam, sicherlich der Maßstab seiner Klasse. Im Red Carpet Cinema jedenfalls sorgt er für ein gestochen scharfes Bild – und das ja immerhin auf einer Breite von über 3,0 Metern.

Red Carpet Cinema
Optimaler Platz für den Beamer: der Sony VPL-VW500ES hängt optimaler Weise unter der Decke und sorgt für ein gestochen scharfes 4K-Bild (Foto: HFB)

Wir resümieren: Lautsprecher von B&W, Elektronik von Marantz und Oppo, den Beamer von Sony: viel besser geht es nicht. Schließlich wollte Remmer in seinem Keller ein echtes Kino entstehen lassen. Für das gewünschte Flair hat HiFi Forum Baiersdorf ein gutes Händchen bewiesen. Die Mittelfranken haben ein gut funktionierendes Planungsprogramm, welches Ideen plastisch visualisiert und so dem Auftraggeber schnell klar macht, wie es aussehen könnte.

Im Red Carpet Cinema sieht es klasse aus. Zum Gesamteindruck gehören auch die sechs bequemen, originalen Kinostühle mit Vollpolsterarmlehnen und Flaschenhalter, die – das ist ja der Clou – auf einem stufigen Podest verbaut sind, sodass die Besucher der hinteren Plätze bequem über die vorderen hinwegschauen können. Klasse. Das Podest hat einen weiteren Vorteil: Es ist aus großen Holzplatten aufgebaut und wirkt wie ein großer Bass-Absorber. Das Podest ist, wie AV-Möbel im Kino, eine Maßanfertigung des HFB-Schreiners.

Red Carpet Cinema
Drei echte Kinosessel und das stufige Podest machen das Kino-Flair perfekt. Bei den Kino-Sesseln handelt es sich um das Modell Humphrey in Vollausstattung, das pro Stück bei etwa 600 Euro liegt (Foto: HFB)

Für die ganzen Schreinerarbeiten, also Fakewall an der Stirnseite, Stufenboden, abgehängte Decke, Elektronik-Schrank und Onwall-Verblendungen der Effekt-Speaker (die auch als Diffusoren agieren) hat Remmer am Ende knapp 6.000 Euro bezahlt. Im Grunde ein Schnäppchen. Dennoch blieb für „echte“ Raumakustik nur noch wenig Budget. Geschickterweise wurde einiges von Anfang an so gewählt, dass es auch akustisch wirkt: wie das Bass-mindernde Podest oder die Klang-diffundierenden Holz-Paneele der Effekt-Speaker. Entsprechend wurde der namensgebende rote Teppich besonders hochflorig gewählt, um aus der mittenbetonten Akustik des Kellerraums möglichst viel Mittenenergie zu ziehen und so effizient den Nachhall zu senken.

Natürlich lässt sich alles über ein einziges Bediengerät mit Touchpanel steuern. Das HiFi Forum nutzt hier die Plattform von RTI, die sich für solche Anwendungen perfekt eignet.

Gut Ding will jedenfalls Weile haben: Das Red Carpet Cinema war ein großes Projekt für einen ambitionierten Bauherrn, welcher der Sache auch die entsprechende Zeit ließ. Vom Anfang bis zum überzeugenden Ergebnis vergingen knapp zwei Jahre. Nur gut, dass dsa Kino im Keller ist…

Obwohl die akustischen Vorbedingungen im Keller alles andere als optimal waren, ist das Ergebnis überragend. Heimkino-Fan Remmer nutzt sein kleines Kino so oft wie möglich: das ist eigentlich das beste Zeugnis, dass er diesem Kellerausbau ausstellen kann.

Neundörfer sagt: „Am Ende waren wir alle überrascht, wie klar, präzise und „schnell“ es im Red Carpet Cinema klingt. Hier haben offensichtlich alle unsere akustischen Maßnahmen gepasst.“

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