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Test Aktiv-Kompaktlautsprecher Elac Navis ARB-51

Ohne Signal schalten sich die Lautsprecher nach etwa 30 Minuten in Standby. Dabei wird die LED nicht etwa auf Rot oder eine andere Farbe umgeschaltet, sondern einfach abgeschaltet. Danke! Nicht noch ein lästiges und überflüssiges Standby-Licht. Sobald wieder ein Signal anliegt, sind die Navis binnen einer Sekunde wieder wach und spielen los.

Elac Navis B51 logo
Die Betriebsanzeige strahlt nach unten und stört im Betrieb nicht. Im Standby erlischt die Anzeige (Foto: F. Borowski)

Bei alledem soll auch die tolle Verarbeitung der Navis nicht unerwähnt bleiben. Die Gehäuse sind wahlweise in Hochglanz Weiß oder Schwarz erhältlich. Der Sockel, welcher einen Großteil der Elektronik beherbergt, ist immer in einem dezenten Grau ausgeführt. Ordentlich dicke Gehäusewände mit abgerundeten Kanten gegen akustische Beugungseffekte und die sich nach hinten leicht verjüngende Form runden das Gesamtbild zu einem stimmigen Ganzen ab.

Nachdem die Navis ARB51 auf soliden Standfüßen den Platz meiner KEF REF 1 eingenommen hatten, mit Strom versorgt und per XLR mit dem Exogal Comet DAC/Vorverstärker verbunden wurden, mussten die Speaker gleich einen Härtetest bestehen.

Hörtest

Es mag zwar merkwürdig anmuten, aber wenn ich neue Lautsprecher zum Test bekomme, nutze ich diese – auch wenn Sie zuvor schon eingespielt wurden – die ersten ein oder zwei Tage erst mal nur für TV-Ton, bevor ich meine Musik-Favoriten auf sie loslasse. TV ist zwar keine audiophile Tonquelle, eignet sich aber bestens, um beispielsweise die bekannte Stimme der Tagesschau-Sprecher, immer wieder kehrende Jingles oder Vorspann-Melodien für die grobe Einordnung des Klangcharakters zu nutzen. Man hört sofort, in welchen Bereichen sich die Speaker von den bestens bekannten Referenz-Lautsprechern unterscheiden.

Doch obwohl beide Lautsprecher konstruktive Ähnlichkeiten aufweisen, bedeutet das keineswegs große klangliche Gemeinsamkeiten. Gut, hier und da sind schon gewisse Charakterzüge erkennbar, die sich beide teilen. Beispielsweise die gute Ablösung des Klangs von den Gehäusen und das akustisch gute Timing, welches auf die Koax-Treiber zurückzuführen ist. Auch ihr homogenes Abstrahlverhalten teilen sich die beiden. Außerhalb des Stereodreiecks fällt das Klangbild nicht gleich wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Ansonsten liegen aber doch Welten zwischen den beiden Konzepten. Und das ist angesichts des Preisunterschiedes auch nicht verwunderlich. Es wäre daher nicht wirklich fair, ausführlich zu beschreiben, wo die KEF (am Exogal Comet und Ion PowerDAC) die kleinen ELACs überall abledern. Zumal die REF1 auch ein gänzlich anderes Volumen mit deutlich größerem Tieftöner aufweisen.

Elac Navis B51 auf Ständer
Trotz Ortsfilter sollten die Navis wenn möglich auf soliden Standfüßen mit etwas Abstand zu den Wänden positioniert werden. Nur so kann sich das Klangbild optimal entfalten (Foto: F. Borowski)

Lassen Sie mich stattdessen die Besonderheiten der Navis ARB51 in ihrer Preisklasse hervorheben. Denn davon hat sie reichlich zu bieten. Da wären zunächst ihre dynamischen Qualitäten. Die ARB51 klingen weitaus erwachsener, als ihre physische Erscheinung vermuten lässt. Bei gehobenen bis lauten Pegeln zaubern die Navis eine überzeugende Klangbühne vor den (im Stereodreieck sitzenden) Zuhörer. Zwar nicht mit der beeindruckenden Tiefe und Trennschärfe der KEFs, aber in den Dimensionen doch sehr realistisch.

Der Bass reicht ELAC bis knapp 40 Hz hinab. Tatsächlich können die ARB-51 in diesem Aspekt Lautsprecher wie die KEF LS50 Wireless, die ohne dedizierten Basstreiber auskommen muss, übertrumpfen. Allerdings ist die Grundabstimmung für meinen Geschmack im mittleren bis oberen Bass etwas zu kräftig gewürzt, was feinere Geschmacksnoten etwas überdeckt. Wenn beispielsweise in dem Song „R.E.M“ von Ariana Grande (Album „Sweetener“) die Bassline von einem relativ klar definierten Pumpen plötzlich mittels Phasen-Effekt auf einen eher diffusen Effekt wechselt, wirkt das in Neutralstellung über die ELAC nur noch brummig und übertrieben.

Ariana Grande „Sweetener"
Ariana Grande Sweetener (Cover: Amazon)

Erst durch Absenkung um 4 dB wird annähernd der umhüllende sonore Ton erreicht, den ich an dieser Stelle von den KEF gewohnt bin. Auch sonst gewinnt das Bassspektrum durch die Absenkung deutlich an Authentizität. Entweder zielt ELAC mit der Basiseinstellung auf ein eher jüngeres oder weniger HiFi-erfahrenes Publikum ab, das einfach mehr Kawumm erwartet, oder es soll bei niedrigeren Pegeln für einen gewissen Loudness-Effekt sorgen. Oder beides. Aus meiner Sicht klingen die ARB51 mit der -4 dB Einstellung im Bass deutlich natürlicher, ohne dabei zu sehr an nötiger Bassenergie zu verlieren. Natürlich hängt das auch von der Aufstellung ab, aber bei meiner Positionierung auf Stands mit ausreichend Wandabstand hätte ich in Normalstellung einen neutraleren und besser definierten Bass erwartet.

Mitten und Höhen kommen in der Grundeinstellung in meinem auf mittlere Nachhallzeit optimierten Hörraum klar und entspannt rüber. Vielleicht sogar eine Spur zu relaxed. Mit der Anhebung der Mitten um 1 dB wird das Klangbild zwar spritziger und anspringender, bei höheren Pegeln aber auch etwas anstrengender. Hier muss jeder für sich und seinen Raum die optimale Einstellung finden. Bei mir blieben Mitten und Höhen am Ende in Neutralstellung. In Puncto Feinauflösung und zartem Hochtonschmelz gefallen mir nicht nur die KEF, sondern auch ELACs waschechte Kieler Produkte mit JET-Hochtöner noch eine Schippe besser. Die Treiber der Navis entsprechen weitgehend denen der passiven Lautsprecherserie UNI-FI.

Nachdem die richtige Einstellung gefunden war, überzeugte die ARB51 mit für diese Preisklasse sehr ordentlichen Gesamtqualitäten. In Teilbereichen empfand ich (aus der Erinnerung heraus) die KEF LS50W als noch etwas musikalischer und vor allem in der Abbildung holografischer – was in noch größerem Maße auch auf meine REF 1 zutrifft. Aber die ELACs bieten, nach Absenkung des Basspegels, ein stimmiges Gesamtbild mit mehr Körperhaftigkeit und Pop-Qualitäten, was sie nicht nur beim konzentrierten Hören im Stereodreieck zu einer echten Unterhaltungsmaschine macht.

Navis ARB-51: das Fazit

Wenn ich heute mit einem Budget zwischen ca. 2-3.000 Euro vor dem Kauf eines Musiksystems stehen würde, wären die ELAC Navis ARB-51 weit oben auf meiner Kandidatenliste zu finden. Jedenfalls weit vor jeder Single-Box-Lösung. Kombiniert mit einem ordentlichen DAC/Vorverstärker plus ggf. einen Streamer wie den ELAC Discovery Music Server ergibt sich damit eine moderne Kette, deren Geräteaufwand und Verkabelung sich in Grenzen hält und deren Klang jedes All-In-One Lautsprechersystem weit in den Schatten stellt.

Ich persönlich würde die Lautsprecher per Kabel mit einem guten DAC verbinden. Das klingt eindeutig besser, als die Funkverbindung per AirX²-Modul. Wem es jedoch nicht auf den letzten Feinschliff ankommt, der ist mit der Drahtlosverbindung immer noch ausgezeichnet bedient. Das Gute ist: bei den ELACs hat man die Wahl, ohne Kompromisse eingehen zu müssen, wenn analoge Verbindung gewünscht ist.

Und noch etwas macht die ELAC Navis für mich so sympathisch, nämlich dass sie nicht zwanghaft auf „Smart“ getrimmt sind. Nur weil es hip ist, alle möglichen Gadgets mit seinem iPhone oder per Stimme steuern zu können, ist das noch längst nicht immer praktisch. Die Elac Navis ARB-51 funktionieren auch ganz ohne Netzwerkverbindung, verschließen sich der Möglichkeit zur drahtlosen Ansteuerung und Einbindung in ein Multiroom-System aber auch nicht.

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Elac Navis ARB-51
2019/06
Test-Ergebnis: 4,3
SEHR GUT
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Erwachsener, sehr lebendiger Klang aus kompakten Speakern
Gute Verarbeitung und hohe Materialqualität
Funkmodul und DAC integriert, Ortsfilter zur Klanganpassung
In Grundeinstellung zu kräftiger Bass

Vertrieb:
Elac Electroacustic GmbH
Fraunhoferstraße 16
24118 Kiel
www.elac.de

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung)
Elac Navis ARB-51: 2.000 Euro
Navis Transmitter: 150 Euro
Discovery Connect: 450 Euro