ende
Home / Test / Verstärker / Vollverstärker / Test Atoll IN 300: DAC-Amp mit Kraft und Feindynamik

Test Atoll IN 300: DAC-Amp mit Kraft und Feindynamik

Damit ist man auch für die Zukunft gut gerüstet. Dazu hätten wir noch eine Kleinigkeit: Der Atoll IN 300 bietet einen Zugang per Bluetooth an. Simpler und eleganter kann beispielsweise ein Smartphone nicht in die Klangkette eingefügt werden. Einfach den Atoll per Bluetooth als Klangquelle auswählen – und die Musik ertönt. Das ist die Moderne der Musikwiedergabe.

So perfekt es sich anhört – eine Fraktion der Fans hat Atoll vergessen. Scheinbar. Was machen die Vinyl-Anhänger? Sie müssen nicht verzweifeln. Atoll hat ihnen einen Steckplatz freigehalten. Hier kann wahlweise ein MM- oder MC-Board angedockt werden.

Fazit bis hierher: Klassischer und vielfältiger kann ein moderner Vollverstärker nicht konzipiert werden, bravo.

Der Atoll IN 300 im Hörtest

Covert Art "Sgt Peppers" von den Beatles
Eines der originellsten Alben der Musikgeschichte neu remastered: Sgt. Peppers von den Beatles. Unbedingt hörenswert! (Cover Amazon)

Man traut ihm viel zu. Auch das neue Remastering von Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band. In den Abbey-Road-Studios durfte Giles Martin, der Sohn des legendären Beatles-Produzenten George Martin, an den Original-Master-Bändern werkeln.

Das Ziel: Die Beatles hatten ihr Aufnahmen zumeist in Mono gehört und aufbereitet, der damalige Stereo-Mix war nur ein Nebenprodukt. Giles Martin sollte das perfekte Stereo-Master entwerfen. Und es ist ihm gelungen. Das klingt ebenso sinnig wie frisch.

Ein moderner Vollverstärker muss hierfür vor allem eines mitbringen: Tempo – und das hat der Atoll IN 300 in hohem Maß.

Beispielsweise in „Within you, without you“, da braucht es Drive, um die Sitarklänge hell und offen an die Membranen zu bringen. Der Atoll hat es. Und mehr noch: Da lebte in unserem Test jeder Ton mit feinem Druck auf.

Genau das sind die beiden Worte, die den IN 300 am besten beschreiben: Drive und Druck. Das wird zum audiophilen Erlebnis, beispielsweise in „A Day in the Life“ – die Menge der Feininformationen, die die Beatles hier angehäuft haben, ist phantastisch. Der IN 300 spielte sie alle aus. Ein großartiges Mastering, ein großartiger Verstärker.

Wie hält er es mit schwerer Orchestermusik? Wir haben eine unserer Lieblingsaufnahmen ausgesucht: Lorin Maazel dirigiert die Wiener Philharmoniker in den gesammelten Symphonien von Jean Sibelius. Die Decca-Tonmeister haben das in den 60er Jahren prachtvoll aufgenommen, ihre heutigen Kollegen haben es gerade frisch in die digitale Welt gehoben.

Das Remastering klingt blendend und ist zudem auch in High-Res auf Blu-Ray-Audio zu haben – Wahnsinn: alle Symphonien hochauflösend auf nur einer Scheibe. Ein nur auf Kraft trainierter Vollverstärker kommt hier nicht weiter.

Er muss das ganz feine Händchen für die dynamischen Entwicklungen haben. Was der Atoll in unserem Test hatte. Das war faszinierend, wie er die großen Phrasen der Streicher auferstehen ließ. Dazu eine gewaltige Ruhe. Der Schwarzwert dieses Amps ist enorm hoch, die Kontraste herrschaftlich.

Das tut der Sibelius-Musik enorm gut. Die Weite der symphonischen Bögen, dazu die strahlenden Blechbläser – wir hätten im Blindtest ohne Probleme auch eine stattliche Vor-End-Kombi hinter dem Atoll IN 300 vermutet.

Zum Finale noch ein Tipp: Beim kleinen Label Stockfisch ist eine herausragende Platte erschienen. Die CD klingt fantastisch, die LP noch besser: Christian Kjellvander singt live seine eigenen Songs und begleitet sich auf der Gitarre. Das ist die ganz kleine, ganz große Kunst.

Allein der Song „The Valley“ hat das Zeug zum Hit. Der Atoll machte ein Fest daraus. Das war unsagbar lecker, wie die angerissenen Saiten das Trommelfell erreichten – hochdynamisch, rund, stimmig, kraftvoll. Dazu der Bariton des Sängers – das hatte Lungenvolumen und den feinen Samt auf den Stimmbändern.

Der Vollverstärker Atoll IN 300 im LowBeats Hörraum
Der Vollverstärker Atoll IN 300 im LowBeats Hörraum – hier an der Yamaha NS-5000 und der Dynaudio Contour 20. Dazwischen die Lyravox SM 150, die sich schon zum Test warmläuft (Foto: H. Biermann)

Wir haben natürlich auch quergehört und verglichen. Im konkreten Fall mit dem Musical Fidelity M5si, der bei rund 2.000 Euro liegt, mit verwandter Kraft protzen kann und bei LowBeats der Maßstab der 2.000 Euro Klasse ist. Trotz des Preisunterschiedes ist der Vergleich statthaft – immerhin hat der M5si kein Digitalboard.

Und er ist im Grundkonzept nicht so stringent auf einen doppelten Mono-Aufbau ausgelegt wie der Atoll IN 300. Klanglich gibt es dennoch eine hohe Verwandtschaft, beide lieben Druck und Drive.

Dennoch klingt der Atoll das berühmte Quäntchen audiophiler – dank seiner besseren Auflösung des feindynamischen Geschehens immer einen Hauch müheloser.

Der Atoll In 300 gegen Musical Fidelity M5si
Im Vergleich zum LowBeats Referenzverstärker der 2.000 Euro Klasse, dem Musical Fidelity M5si, schlug sich der Atoll sehr überzeugend… (Foto: H. Biermann)

Fazit: Der Atoll IN 300 ist ein ganz Großer seiner Bauart

So muss man Vollverstärker bauen. Der Atoll IN 300 hat im besten Sinne etwas Unerbittliches. Er ist straight gebaut und klingt ebenso – nirgends Speck oder verschenkte Energie.

Besonders sein Umgang mit feindynamischen Informationen fasziniert. Dazu gibt es Kraft satt und vor allem eine Ausstattung, die ihn zum Zentrum einer modernen, zugleich hoch ambitionierten HiFi-Anlage macht.

Weitere Vollverstärker mit DAC:
Test: Exposure 3010 S2D: Hohe Dynamik und Agilität
Test: Rotel A 14: Vollverstärker der Moderne
Test: McIntosh MA 7900 AC

Der Gegenspieler:
Test: Musical Fidelity M5si: Der Alleskönner-Verstärker

Atoll IN 300
2017/07
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Überaus natürlicher, feindynamischer Klang
Hohe Leistungsreserven
Eingebauter DAC, Bluetooth-Empfänger
Perfekte Verarbeitung

Vertrieb:
AUDIUM / Visonik
Catostr. 7b
12109 Berlin
www.audium.com

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Atoll IN 300: 2800 Euro