Denon HEOS AVR: Minimalistischer AV-Receiver und Multi-Room-Streaming-Zentrale. 899 Euro (Foto: R. Vogt)
Denon HEOS AVR: Minimalistischer AV-Receiver und Multi-Room-Streaming-Zentrale. 899 Euro (Foto: R. Vogt)

Test Denon HEOS AVR – der Surround-Minimalist

AV-Geräte, insbesondere TV-Geräte und AV-Receiver wurden in den vergangenen Jahren zunehmend komplizierter und für viele Anwender schlicht unbeherrschbar. Das war schon mal anders, wie etwa der Nostalgie-Test des Parasound PS/P-1500 zeigte – und es konnte trotzdem ganz hervorragend klingen. Denon hat bereits vor ein paar Jahren ganz vorbildlich die Handhabung und vor allem die Einrichtung seiner AV-Receiver mit einer anwendungsfreundlichen, dynamisch geführten Schritt-für-Schritt-Anleitung aufgeräumt. Nun könnte man sich fragen, ob Denon es in puncto Aufräumen beim Denon HEOS AVR nicht übertrieben hat.

Nur noch ein Lautstärkeregler. Punkt! Keine weiteren Tasten oder Anzeigen. Maximal 5.1 Kanäle und das für knapp 900 Euro? Das klingt alles erst einmal widersprüchlich.

Denon HEOS AVR (Foto: R. Vogt)
Denon HEOS AVR: füllt die Lücke zwischen TV-Soundbar und großen Surround-Anlagen (Foto: R. Vogt)

Wer in gängigen Heimkino-Kategorien denkt, sagt sich gerade: „Für das Geld bekomme ich doch einen ordentlichen Receiver mit Atmos und allem Schnick und Schnack! Da will ich doch nicht so ein abgespecktes Ding“.

Man kann das so sehen, aber in der Praxis unterscheidet sich der Denon HEOS AVR vom klassischen japanischen AV-Receiver wie ein Family-Van vom offenen Roadster.

Ich empfand seine Fokussierung auf Streaming-Gerät plus Surround-Funktionalität als extrem gelungene Mischung, die perfekt die Lücke zwischen TV-Soundbar und komplexen Surround-Anlagen füllt. Schauen wir uns das mal genauer an.

Denon HEOS AVR Anschlüsse (Foto: R. Vogt)
Denon HEOS AVR: die Anschlüsse (Foto: R. Vogt)

Die bis auf den Lautstärkeregler verwaiste Front ist weniger aufschlussreich als das rückseitige Anschlussfeld. Das zeigt sehr aufgeräumte, robuste Lautsprecher-Klemmen, hinter denen sich modernste Digital-Endstufen mit hohem Wirkungsgrad verbergen.

Obwohl recht klein, sind sie doch in der Lage, an 4 Ohm immerhin gut 100 Watt je Kanal anzuschieben. Hinzu kommt ein Cinch-Ausgang für den Subwoofer. Die einzelnen Lautsprecher-Signale lassen sich aber auch per Funk auf andere HEOS-Komponenten übertragen.

Im Oberdeck findet man vier HDMI-Eingänge und einen Ausgang. Die HDMI-Strecke versteht alle modernen Audio- und Video-Standards, inklusive HD-Audio-Codecs und alle HDR-Formate von Dolby Vision bis HLG.

Via Audio-Return-Channel (ARC) gelangt auch der Ton des TV-Geräts in die Surround-Mimik. Dann gibt es noch je einen optischen und elektrischen Digital-Audio-Eingang und zwei analoge mit Cinch oder Miniklinke.

Wer den Denon HEOS AVR in einen Schrank wegschließt, kann einen externen Infrarot-Empfänger einstöpseln und dann wäre da noch eine USB- und LAN-Schnittstelle. Fertig.

Denon HEOS AVR mit HEOS APP: (Foto: R. Vogt)
Denon HEOS AVR mit HEOS APP: Musikstreaming und Konfiguration (Foto: R. Vogt)

Fertig? Nicht wirklich, denn die meisten Schnittstellen bestehen ja aus Funksignalen. Funktional verhält sich der Receiver wie jede andere HEOS-Komponente und fügt sich nahtlos in die hauseigene Multiroom-Streaming-Infrastruktur ein.

Entscheidend dafür ist die HEOS App. Dabei streamt der HEOS AVR alle gängigen Musikformate bis zu audiophilen Auflösungen von 192 Kilohertz oder auch edles DSD bis fünfeinhalb Gigahertz Abtastung.

Hinzu kommen wie bei den konventionellen AV-Receivern mit HEOS-Modul all jene Formate, die HDMI liefern kann, in Stereo oder Surround, als Dolby oder DTS und dies ebenfalls bis 192 kHz. Die können dann – dem Denon Multiroom Gedanken folgend –  im gesamten HEOS-Netzwerk verteilt werden.

So lässt sich beispielsweise der TV-Ton vom Fußballspiel auch zu einem HEOS 1 in die Küche schicken – damit man beim Bierholen nichts verpasst.

Mit in der Packung des Denon HEOS AVR

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Denon HEOS AVR: Das Zubehörpaket (Foto: R. Vogt)
Denon HEOS AVR: Das Zubehörpaket … (Foto: R. Vogt)
Denon HEOS AVR: Das Zubehörpaket (Foto: R. Vogt)
… mit HDMI-, Netzwerk-, Toslink-, und Mini-Klinkenkabel (Foto: R. Vogt)
Denon HEOS AVR Fernbedienung (Foto: R. Vogt)
Denon HEOS AVR: die kompakte Fernbedienung (Foto: R. Vogt)
Denon HEOS AVR (Foto: R. Vogt)
Mit dabei: Spotify-Probe-Abo, Aufkleber zur Kabelbeschriftung und die (Kurz-) Anleitung (Foto: R. Vogt)
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Neben der kostenlosen HEOS-App braucht man noch ein wenig Zubehör, das sich gut sortiert mit in der Packung befindet, um Fernseher, Player, Sat-Receiver und dergleichen anzuschließen. Praktisch: ein Bogen mit Klebefähnchen zur Kabelbeschriftung.

Die ultra-kompakte Fernbedienung bietet nur die nötigsten Funktionen: Power, rudimentäre Musiksteuerung, Lautstärkeregelung und Stummtaste. Die Ziffern „1“ bis „6“ rufen das sogenannten Quick Select auf.

In diesen sechs Speicherplätzen lassen sich beliebige Quellen und Wiedergabemodi frei festlegen, beispielsweise auf „1“ Ton vom TV mit Dolby Surround, auf „2“ CD-Wiedergabe vom Blu-ray-Spieler in Stereo, auf „3“ Filmwiedergabe vom Blu-ray-Player in Surround. Minimalistisch und Alltags-gerecht.

Denon HEOS AVR mit HEOS APP: (Foto: R. Vogt)
Denon HEOS AVR mit HEOS APP: WLAN-Konfiguration via App (Foto: R. Vogt)

Denon HEOS AVR: Einrichtung und HEOS-App

Die bekannte HEOS App für die gängigen Smartphones und Tablets (hier die Version auf dem iPad) kontrolliert das gesamte Musiknetzwerk und auch die Einrichtung des Denon HEOS AVR. Sie ist zwingend notwendig, denn es gibt keine anderen Menü- oder Funktionsanzeigen, auch nicht auf dem TV eingeblendet.

Wer den HEOS AVR per WLAN ins Netzwerk koppeln möchte (ich rate zu LAN-Kabel!) kann das mit einem genialen Trick:

Das Smartphone oder Tablet ist ja stets bereits angemeldet. Man nehme das beiliegende Mini-Klinkenkabel und verbinde Smart-Device mit HEOS App und dem Receiver. Die App kopiert die WLAN-Anmeldedaten mit der Strippe in den HEOS AVR – fertig. Clever.

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Denon HEOS AVR mit HEOS APP: (Foto: R. Vogt)
Denon HEOS AVR mit HEOS App: geführte Konfiguration der Anschlüsse (Foto: R. Vogt)
Denon HEOS AVR mit HEOS APP: (Foto: R. Vogt)
Denon HEOS AVR mit HEOS App: Konfiguration der Funktionen (Foto: R. Vogt)
Denon HEOS AVR mit HEOS APP: (Foto: R. Vogt)
Denon HEOS AVR mit HEOS App: als Lautsprecher können Funk-Modelle von HEOS verwendet werden oder konventionelle Lautsprecher per Kabel (Foto: R. Vogt)
HEOS APP: (Foto: R. Vogt)
Denon HEOS AVR mit HEOS App: Eine Grafik zeigt jeden Anschluss (Foto: R. Vogt)
APP: (Foto: R. Vogt)
Denon HEOS AVR mit HEOS App: Die Surround-Einmessung und das Bassmanagement … (Foto: R. Vogt)
APP: (Foto: R. Vogt)
…müssen leider komplett von Hand eingestellt werden. Hier die Laufzeiten als Entfernung (Foto: R. Vogt)
APP: (Foto: R. Vogt)
Denon HEOS AVR mit HEOS App: Das Anlernen einer fremden Fernbedienung, etwa vom TV (Foto: R. Vogt)
HEOS APP: (Foto: R. Vogt)
Denon HEOS AVR mit HEOS App: Aktuelle Wiedergabemodi und die Quick Select Speicher 1 bis 6 (Foto: R. Vogt)
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Das Anschließen von Quellen und Lautsprechern geschieht sehr einfach per Schritt-für-Schritt-Anleitung. Man kann klassische Lautsprecher direkt anschließen oder HEOS-Funk-Komponenten als Lautsprecher verwenden, etwa den HEOS Subwoofer und ein Paar HEOS 1 als Surrounds.

Ab dann hakt es im Konzept ein bisschen, denn die Einstellungen für Pegel, Laufzeiten (Lautsprecher-Abstände) und Bassmanagement-Konfiguration, also die Subwoofer-Einbindung, müssen komplett manuell vorgenommen werden. Hier endet leider auch die Schritt-für-Schritt-Anleitung. Bitte nachbessern.

Clever wiederum: Man kann auch jede fremde Infrarot-Fernbedienung mit HEOS AVR Befehlen anlernen, um etwa mit der Fernbedienung des Sat-Receivers die Lautstärke regeln zu können.

Wie gewohnt lassen sich in der App sämtliche im Netzwerk befindlichen Quellen und HEOS-Komponenten aufrufen und beliebig kombinieren.

Praktischer Betrieb im LowBeats Testkino

Im praktischen Betrieb galt es, den Digital-Endstufen etwas zu tun zu geben und das Netzteil kräftig zu belasten, also schloss ich das bewährte 5.1-Set aus Heco Celan GT Lautsprechern an.

Als Zuspieler dienten alle nur denkbaren Datei-Formate Musik vom NAS und Oppo UDP-203 via HDMI. Wie schon beim Auspacken und Fotografieren gefiel die tadellose, robuste Verarbeitung der Maschine.

Nach der Einrichtung des Lautsprecher-Setups konnte ich auch meine Skepsis beruhigen, weil ich wusste, dass nicht die japanische Entwickler-Truppe für den Denon HEOS AVR verantwortlich zeichnet, sondern die amerikanische HEOS-Abteilung.

Die Kollegen leisteten aber tadellose Arbeit, gar nicht so einfach heute, denn an der Komplexität der Formate und des Signalprocessings für Surround ist schon so mancher gescheitert. Aber hier: Bassmanagement et cetera alles im Lot. Störgeräusch-freie Formatwechsel sind auch nicht selbstverständlich. Das gefällt.

Auch die Kopplung mit einem HEOS 1 als zweite Zone klappte trotz Lip-Sync-Verzögerung für das TV-Bild praktisch Echo-frei. Notfalls lässt sich dieses Timing sogar nachtunen. Super.

Logo
Denon HEOS AVR mit edel gravierten Logos im robusten Alu-Deckel (Foto: R. Vogt)

Auch audiophil betrachtet, sammelte der Receiver flott Sympathiepunkte. Sein Klangcharakter darf Zielgruppen-gerecht als kernig und körperhaft beschrieben werden, ohne dass die Abbildung dabei unter Auflösungsverlust oder mangelnder Detailzeichnung litt.

Und: Die im gerade mal fünf Kilogramm schweren Elektronikblock verbauten Endstufen schoben kräftig an, Pegelorgien bringen sie weder in kurzfristige Verlegenheit noch zur Kurzatmigkeit.

Diese Hightech-Schalt-Endstufen von Texas Instruments haben es in sich. Auch scheint deren Wirkungsgrad enorm zu sein, denn selbst nach längerem Ballern aus allen Rohren zeigte das Infrarot-Thermometer kaum mehr als 35°C an den Lüftungsschlitzen.

Dabei stand unser HEOS AVR aber optimal frei. Aber es scheinen einige Reserven für den Schrankeinbau mit eingerechnet zu sein. Bei allem, was ich spielte, egal ob von extern oder per Streaming, floss die Musik angenehm organisch, der Fuß wippte unwillkürlich mit. Ein gutes Zeichen.

Nix zu meckern? Nur ganz wenig. Eher geschmacks- und gewöhnungsabhängig, vermisste ich zwei, vielleicht drei Dinge: Einen Power-Knopf am Gerät, eine Lautstärkeanzeige in irgendeiner Form und gegebenenfalls einen Kopfhörer-Anschluss.

Fazit: Denon HEOS AVR – Minimalistische Musik- und Kinomaschine

Diese neue Gattung zwischen Soundbar und fetter Surround-Anlage ist ein großer Wurf. Der Denon HEOS AVR bewährt sich als universelle Streaming- und Multiroom-Musikmaschine genauso wie als kraftvolle Heimkino-Zentrale.

Seine Bedienung im Alltag ist simpel und er verfügt über musikalische Spielfreude sowie kernigen Sound mit ordentlich Kraftreserven für Actionfilme und Parties.

Der Verzicht auf jeden echten Luxus und unnütze Marketing-Ausstattung kommen hier im Budget klar spürbar der Klang- und Verarbeitungsqualität zugute, was ich sehr sympathisch finde.

Ein wenig Weiterentwicklung bei der Geräteeinrichtung/-Einmessung für Laien wäre noch eine Aufgabe an die App-Entwickler.

In Summe: Ein gelungenes Konzept und klasse Performance. Gerne mehr in der Art.

Im Beitrag erwähnt:
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Denon HEOS AVR
2017/11
Test-Ergebnis: 4,5
Überragend
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Genial simple Handhabung im Alltag
Kerniger, feinauflösender Klang, HDMI-Vollausstattung
HEOS Integration für Multiroom & Streaming
Noch Lücken in geführter Gerätekonfiguration

Vertrieb:
Denon Deutschland
Division of D&M Germany GmbH
An der Kleinbahn 18
41334 Nettetal
www.denon.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Denon HEOS AVR: 899 Euro


Autor: Raphael Vogt

Raphael Vogt
Technischer Direktor bei LowBeats und einer der bekanntesten Heimkino-Experten der Republik. Sein besonderes Steckenpferd ist die perfekte Kalibrierung von Beamern.