Home / Test / Kopfhörer / Kopfhörer stationär / Test Over Ear Kopfhörer Focal Stellia + HP-Amp Focal Arche

Test Over Ear Kopfhörer Focal Stellia + HP-Amp Focal Arche

Der Focal Arche

Wer so hochklassige Kopfhörer wie einen Utopia oder Stellia kauft, der möchte natürlich auch sicher sein, dass diese unter bestmöglichen Bedingungen spielen. Ein guter Kopfhörerverstärker – gegebenenfalls mit integriertem DAC – sollte daher zum Kaufpreis stets hinzu gerechnet werden. Schließlich käme auch keiner auf die Idee, Superboxen wie die LowBeats Referenz Fink Team Borg an einem 200-Euro-Receiver zu betreiben, nur weil der auf dem Papier genügend Watt hat.

Um seinen Kunden eine Rundum-Glücklich-Lösung bieten zu können, ist Focal eine Kooperation mit dem ebenfalls in Frankreich ansässigen Elektronikspezialisten Micromega eingegangen, um gemeinsam das ideale Front-End für die hauseigenen Kopfhörer zu entwickeln. Und zwar nicht nur passend für die Spitzenmodelle, sondern für alle (kabelgebundenen) Focal Kopfhörer.

Focal Stellia mit Arche
Der DAC/Kopfhörerverstärker Arche passt perfekt zu den Focal-Kopfhörern – und bringt auch noch eine Kopfhörerhalterung mit, die in ihrer Form an die Focal-Flamme im Markenlogo angelehnt ist. (Foto: F. Borowski)

Der Name „Arche“ stammt übrigens nicht von dem biblischen „Rettungsboot“, sondern ist französisch für „Bogen“. Der Focal Arche spannt selbigen zwischen Musikquelle und Kopfhörer.

Das desktoptaugliche Gerät (32,1 x 20,0 x 29,7 cm) bietet ähnliche Ausstattungsmerkmale, wie viele andere gängige Kopfhörerverstärker, kann sich aber mit einigen besonderen Merkmalen von der Masse abheben. Ein integrierter DAC (384kHz – DSD 256) verarbeitet digitale Eingangssignale via Coax, Toslink oder USB, sowie analoge per Stereo-Cinch. Eine zusätzliche USB-Buchse dient zum Einspielen von Firmware-Updates.

Focal Arche von hinten
Die Rückseite des Arche bietet alle wesentlichen Ein- und Ausgänge. (Foto: F. Borowski)

An der Front steht eine 6,35 mm Klinkenbuchse und zusätzlich ein vierpoliger XLR-Anschluss für symmetrische ansteuerbare Kopfhörer wie Stellia und Utopia zur Verfügung. Die Kopfhörerausgänge können auch gleichzeitig mit zwei Kopfhörern genutzt werden, wobei dann aber mit Lautstärkeunterschieden gerechnet werden muss. Die Rückseite bietet darüber hinaus analoge Cinch- und XLR-Ausgänge. Der Arche kann also auch als Vorverstärker für Aktivlautsprecher oder zum Anschluss an Endverstärker genutzt werden. Die Schaltung ist eine vollsymmetrische Doppel-Mono-Konstruktion.

An der Oberseite des Gehäuses sind mittig Lüftungsschlitze implementiert. Darin lässt sich der mitgelieferte, massive Kopfhörerhalter montieren. Praktisch, denn so hat man immer einen Aufbewahrungsort, der keine zusätzliche Stellfläche beansprucht.

Die größte Besonderheit des Arche: Über das mit dem Dreh-/Drück-Steller gesteuerte Menü hat der Nutzer die Wahl zwischen verschiedenen Verstärker-Modi. So kann der Nutzer beispielsweise zwischen „Voltage“ (reiner Spannungsverstärker) und „Hybrid“ wählen. Bei Letzterem kommt nach einer etwas knappen Auskunft von Focal eine Mischung aus Spannungs- und Stromverstärker zum Einsatz. Dies soll sich speziell für Kopfhörer „mit besonders guter Basswiedergabe“ eignen. Eine sehr schwammige Aussage…

Das nicht sonderlich hoch auflösende, aber gut ablesbare Display des Arche erleichtert die Bedienung: Über den Dreh-/Drück-Steller können die in den folgenden Screenshots gezeigten Menüoptionen gesteuert werden:

Vorwärts Zurück
Arche-Screenshot_01
(Screenshot: F. Borowski)
Arche-Screenshot_02
(Screenshot F. Borowski)
Arche-Screenshot_03
(Screenshot F. Borowski)
Arche-Screenshot_04
(Screenshot F. Borowski)
Arche-Screenshot_05
(Screenshot F. Borowski)
Arche-Screenshot_06
(Screenshot F. Borowski)
Vorwärts Zurück

Wer also einen Focal Utopia, Elear, Clear, Elegia oder Stellia sein Eigen nennt, findet hierfür im Menü spezielle Verstärker-Presets. Auch hierzu sind die Auskünfte des Herstellers bislang etwas dünn. Auf meine Anfrage bekam ich lediglich die Antwort, dass der Dämpfungsfaktor auf das jeweilige Kopfhörermodell optimiert wird. Demnach kommt also keine Frequenzanpassung zum Einsatz. Um zu klären, wie sich die unterschiedlichen Modi auswirken, kommen wir nun zum Wesentlichen:

Focal Stellia + Focal Arche im Hörtest

Zu Beginn habe ich den Stellia ausgiebig am iPhone 6 (noch mit Klinkenausgang) und am Mac über einen Meridian Explorer² gehört, was auch dem Umstand geschuldet war, dass der Arche erst sehr viel später zum Test eintraf.

Dieses Kapitel lässt sich schnell abhaken. Am iPhone wirkt die Wiedergabe flach und blutleer. Man erkennt zwar das Potential des Kopfhörers, kann es aber nicht freilegen. Schon deutlich besser klingt es am Meridian Explorer², der über USB an meinem Mac angeschlossen ist und Musik von Audirvana empfängt. Mehr Dynamik, feinere Details, bessere Substanz – aber noch immer kein Klang, der meinen von Kopfhörern wie dem LB Acoustics My Sphere oder dem Sonoma M1 verwöhnten Ohren irgendwie beeindrucken konnte.

Das ändert sich schlagartig nach der Verbindung mit dem Focal Arche. Schon mit den allerersten Takten gibt sich der Stellia plötzlich um Welten natürlicher. Das Klangbild hat über den Arche – egal ob symmetrisch oder unsymmetrisch angeschlossen – zwar noch immer die selbe Signatur, klingt aber weitaus dynamischer und ausgewogener. Es ist der entscheidende Schritt von gewöhnlichem HiFi hin zu High-End-Audio.

Das Tolle dabei: Der Stellia wirkt trotz geschlossener Hörkapseln stets ungeheuer luftig und … ähh, nun ja… offen! Es ist den Focal-Ingenieuren tatsächlich gelungen, dieses häufig unterbewusste Gefühl des eingekapselt-Seins nahezu vollständig aus dem Stellia heraus zu operieren. Da war es umso spannender, wie sich der Stellia gegen den nochmal 1.000 Euro teureren Utopia schlagen würde.

Um es kurz zu machen: Die Sensation blieb aus und der Respektabstand gewahrt. Und zwar deutlich. So gut Focal die Abstimmung des Stellia auch gelungen ist, der Utopia spielt noch eine Liga höher. Erstaunlicherweise fällt mir zuerst auf, dass der Utopia im Bass etwas prominenter und gefälliger spielt. Normalerweise sind es eher geschlossene Kopfhörer, die im Bass etwas fülliger sind.

Das ist vor allem darauf zurück zu führen, dass geschlossene Hörer häufiger mobil und in lauterer Umgebung eingesetzt werden. Um tieffrequenten Außenschall, der nur schlecht abgeschirmt werden kann, zu übertönen, sind diese Art Kopfhörer daher meist etwas basslastiger abgestimmt. Nicht so der Stellia, der sich angenehm neutral gibt – aber ohne dabei dünn oder kraftlos zu wirken. Nur ist eben der Utopia im Tiefton noch etwas zupackender – und dabei trotzdem traumhaft sauber. Mit bassbetonten Kopfhörern der Einsteiger- und Konsumerklasse lässt sich das nicht vergleichen. Dazwischen liegen Welten.

Was mich störte, waren leichte Kabelgeräusche bei Berührung. Kein Beinbruch, doch sollte das Problem in dieser Preisklasse besser gelöst sein. Immerhin haben wir es hier mit einem der besten geschlossenen Hörer am Markt zu tun.

Der DAC/Kopfhörerverstärker Arche erweist sich bei alledem als perfekter Spielpartner für die beiden mir vorliegenden Focal Kopfhörer. Und er ist ein hervorragender Beweis dafür, wie wichtig eine hochwertige Ausgangsstufe für den Klang von Kopfhörern ist.

Bleibt nur noch zu klären, wie sich die unterschiedlichen Verstärker-Modi und Kopfhörer-Presets auswirken. Diese lassen sich während des Betriebs über das Menü umschalten, was vollkommen ohne Unterbrechung oder auch nur den geringsten Knackser abläuft. Allerdings tue ich mich mit der Einordnung ehrlich gesagt etwas schwer. Zwischen „Voltage“ und „Hybrid“ ist zumindest noch ein kleiner Lautstärkeunterschied vernehmbar. Die verschiedenen Presets für die unterschiedlichen Modelle fördern dagegen so gut wie keine unmittelbar wahrnehmbaren Abweichungen zutage. Ob ich den Stellia nun mit seinem oder dem Preset für den Utopia spiele – es macht keinen nennenswerten Unterschied. Jedenfalls nicht sofort. Bei längerem Hören fällt eine etwas bessere Kontrolle im Bassbereich auf. Dramatisch ist das nicht, aber eom schönes Feintuning.

Fazit: Offen für neue Erfahrungen mit geschlossenen Kopfhörern?

Focal hat (wie auch Sennheiser mit seinem HD 820) Erstaunliches geschafft und einen geschlossenen Over Ear Hörer fast auf das Niveau der offenen Top-Hörer gehievt. Der Stellia reiht sich damit nahtlos in Focals durchweg überzeugendes Kopfhörer-Line-up ein: oberhalb des Clear (offen) und Elegia (geschlossen), aber unterhalb des Utopia (offen). Er ist ein in jeder Hinsicht musikalischer Vertreter seiner Spezies, der mit den irritierenden Eigenarten, die geschlossene Kopfhörer gemeinhin zeigen, weitgehend Schluss macht und zu stundenlangen, entspannenden Hör-Sessions einlädt.

Dem Utopia als derzeitigem Familienoberhaupt in Focals Kopfhörer-Range kann er aber nicht das Wasser abgraben. Das Spitzenmodell ist weiterhin ein würdiger Fahnenträger für Kopfhörer in offener Bauweise.  Aber: Wer einen Kopfhörer sucht, mit dem man seinen Partner im Wohnzimmer nicht stört und man sich selbst ein wenig von den Geräuschen in der Umgebung abschirmen will, ist mit dem Stellia besser beraten. Zwar eignet er sich rein technisch gesehen als auch von der Bauart her für den Mobilbetrieb, aber ohne hochklassigen Mobil-DAC und stabile Ausgangsstufe bleibt er klanglich weit hinter seinen Möglichkeiten.

Deshalb sollte der geneigte Stellia-Kunde unbedingt auch einen guten DAC/Kopfhörerverstärker einkalkulieren. Hier emfiehlt sich der Focal Arche. Auch er ist nicht günstig, aber ein äußerst gelungener und vor allem vielseitig einsetzbarer Vertreter seiner Gattung. Er reizt die klanglichen Fähigkeiten der angeschlossenen Kopfhörers richtig aus. Und den Stellia treibt er zu absoluten Höchstleistungen.

Im Vergleich gehört:
Focal Utopia – der beste Kopfhörer der Welt?
Test Over-Ear-Kopfhörer Sennheiser HD 820 – der Geniestreich
Test ESL-Kopfhörer Sonoma M1: absolute Spitzenklasse
Test LB-acoustics MySphere: der „Hover Ear“-Kopfhörer

Mehr von Focal:
Test Over-Ear-Kopfhörer Focal Elegia – die geschlossene Alternative
Test Focal Kanta No2: Standbox mit Flachs + Beryllium
Test Focal Sib Evo DA 5.1.2 – Dolby Atmos für 1.200 Euro
Test Focal Sopra No1: mit Hightech zur Weltspitze
Focal Dimension: Bester Soundbar bis 1.000 Euro

Focal Stellia
2019/07
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Harmonischer Klang. Klingt fast so frei, wie ein offener Kopfhörer
Tolle Verarbeitung und Materialqualität mit frischem Design
Ausgezeichneter Tragekomfort
Leichte Kabelgeräusche

Vertrieb:
Focal Naim Deutschland
Hainbuchenweg 14–18
21224 Rosengarten
www.music-line.biz

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Focal Stellia: 3.000 Euro
Focal Arche: 2.500 Euro