Rega System One
Rega hat aus den jeweils kleinsten Komponenten seines Programms eine echt schnuckelige Anlage geformt: das Rega System One für 1.600 Euro (Foto: Rega)

Die audiophile Anlage: Rega Io + Rega Kyte + Rega RP1 = Rega System One

Ob als Erstanlage für Einsteiger, Zweitanlage für den Hobbyraum oder Drittanlage für die Wochenendresidenz: Das Rega System One ist ein preiswertes, ausbaufähiges Komplettset für Plattenhörer, bestehend aus Plattenspieler, Verstärker und Lautsprechern. Entstehen in einer solchen Kette besondere Klang-Synergien? Was ist das schwächste Glied? Und wohin führt der Upgrade-Pfad? LowBeats liefert die Antworten.

Um es vorwegzunehmen: Das Rega System One enthält nichts, was nicht vorher schon separat erhältlich gewesen wäre. Es unterstreicht aber zwei Sachverhalte: Erstens, dass Rega, seit Jahrzehnten Vollsortimenter mit brillanten Entwicklern und vorbildlicher Fertigungstiefe, ruhig auch für seine Verstärker und Boxen wahrgenommen werden sollte und nicht immer nur für seine Plattenspieler. Und zweitens, dass es trotz der allem HiFi zugrundeliegenden, herstellerübergreifenden Kompatibilität eben doch noch Vorteile bringen kann, wenn man Komponenten kombiniert, die nicht nur technisch-grundsätzlich, sondern auch philosophisch-klanglich zueinander passen.

Solche Synergien erwarten wir auch und gerade vom System One, dessen Hersteller sich schon immer durch eine besonders schnörkellose Konstruktionsphilosophie und deren stringente Verfolgung hervorgetan hat. Das knappe Budget – jede Komponente ist die jeweils preiswerteste im Rega-Katalog – zwingt dabei zu Kompromissen. Aber die sagen womöglich mehr über die Arbeitsweise der Südengländer aus als die teureren Edellösungen: das System One, ein dreifach gebranntes Rega-Destillat.

Die System-One-spezifischen Teile an dieser Anlage beschränken sich auf ein Faltblatt, das den Zusammenbau der drei Komponenten skizziert, einen Satz ganz normaler Lautsprecherkabel sowie einen gemeinsamen Umkarton in den Dimensionen 50 x 45 x 70 cm. Darin befinden sich: Der Vollverstärker Io, der Plattenspieler Planar 1 sowie ein Pärchen des Regallautsprechers Kyte. Damit fällt die erste Rega-Komplettanlage in eine meiner Lieblings-HiFi-Kategorien: Anlagen, die der Besitzer oder die Besitzerin ganz easy alleine und in einer Fahrt von A nach B bewegen kann.

Rega System One Verpackung
So landet das System One vor der Haustür: Ein großer, aber handhabbarer und postversandfähiger Karton enthält die komplette Anlage (Foto: B. Rietschel)

Für die Steigerung „mit dem Fahrrad“ disqualifiziert sich das Rega System One indes, wegen seines ungünstigen Packmaßes. In den Einzelkartons wäre das wohl gegangen: Boxen auf dem Gepäckträger, Amp im Rucksack, Plattenspieler hochkant auf der Stange. Nur haben die Briten leider ausgerechnet auf den Originalkarton des Spielers verzeichnet. Der Planar 1 sitzt in den gewohnten Styroporschalen zwar absolut sicher an seinem Platz im Gemeinschaftskarton, ist aber ohne diesen nicht wirklich reise- oder gar versandfähig. Das ist die einzige wirklich unsinnige Entscheidung am System One – nicht primär wegen des Special-Interest-Themas Zweirad-Portabilität. Sondern weil gerade der Spieler am dringlichsten auf seine eigene Verpackung angewiesen wäre, sollte das britische Powertrio dereinst, in unbestimmter Zukunft, sich auflösen und künstlerisch getrennte Wege gehen wollen.

Rega System One Verpackung
Die Kiste und ihr Inhalt: Lautsprecher und Verstärker behalten ihre Originalkartons, der Plattenspieler komischerweise nicht (Foto: B. Rietschel)

Anders als bei typischen „echten“ Komplettsystemen ist so eine spätere Auflösung bei Rega durchaus realistisch. Plattenspieler Planar 1, Lautsprecher Kyte und Verstärker Io sind, jeder für sich, vollwertige HiFi-Komponenten, die sich auch im Separatverkauf behaupten. Und die sich so konsequent auf ihre jeweilige Grundfunktion konzentrieren, dass sie auch nicht mehr nennenswert altern.

Wer heute ein System One kauft und in zehn Jahren beschließt, den Spieler aufzurüsten, kann mit seinem alten Planar einen jungen HiFi-Enthusiasten glücklich machen, ohne Wenn und Aber. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass puristische Plattenspieler dann irgendwie völlig anders aussehen. Oder dramatisch besser geworden sind. Genauso wird es beim Io sein, der jetzt schon in einer Tradition steht, die weit in die Geschichte des Studenten-High-End zurückreicht – zu Geräten wie dem Mission Cyrus 1, dem Naim Nait 1, Creek 4330, Musical Fidelity A-1 oder auch Regas eigenem Brio 1. Ungeachtet ihres inzwischen womöglich erreichten Wohlstands begegnen Audiophile solchen erschwinglichen Amps bis heute mit Respekt – oft auch in dem Wissen, dass das Glücksgefühl, der ersten richtig guten eigenen Anlage zu lauschen, sich später auch mit High-End-Budget nicht mehr imitieren lässt.

Rega System One
Praxisfreundlich und zeitlos: Das Rega System One ist technisch ausgereift und so aufs Wesentliche reduziert, dass es fast nicht mehr altern kann. Digitalfreunde erweitern es mit einem DAC oder Streamer – auch das kann fantastisch klingen (Foto: Rega)

Der Verstärker des Rega System One: der Io

Den Rega Io haben wir – anders als die Boxen und den Spieler – bereits ausführlich getestet. Weshalb wir ihn hier nur kurz nochmal vorstellen: Ein kompakter Vollverstärker im rundherum geschlossenen Alugehäuse, der Anschlüsse für ein Paar Boxen, Kopfhörer sowie drei Quellen bietet. Wobei einer der drei Eingänge ein MM-Phonoeingang ist, der weit besser spielt als in dieser Preisklasse sonst üblich.

Die Verstärkerschaltung des Rega Io entspricht weitgehend der des größeren Brio, muss aber aber auf noch engerem Raum unterkommen. Als Kühlkörper dient der Geräteboden. Bei höheren Dauerlautstärken erwärmt sich von dort ausgehend das gesamte Gehäuse sehr deutlich, aber nicht problematisch.

Rega Io innen
Ungefähr mittig im Bild unter den beiden Blechwinkeln die Sanken-Endtransistoren – jeweils mit einem vierten Anschlussbeinchen für ihre integrierten Thermofühler (Foto: B. Rietschel)

Der Io ist fernbedienbar und kommt serienmäßig mit den klanglichen Genen seines großen Bruders Brio. Dem er schaltungstechnisch auch nahezu gleicht und eigentlich nur leistungsmäßig etwas unterlegen ist: 2 x 30 Watt an 8Ω und knapp das Doppelte an 4Ω – das reicht immer noch für alle musikalischen Aufgaben, solange man beim Lautsprecherkauf nicht völlig beratungsresistent ist. Für eine ausführliche Huldigung der klanglichen Fähigkeiten des Io verweise ich gerne auf meinen Originaltext hier auf LowBeats.

Rega Io Anschlüsse
Ein Phono- und zwei Line-Eingänge, das war‘s: Der Io hat höchstwertige Zuspieler verdient, typischerweise einen Plattenspieler und einen DAC oder Streamer, der sich um die gesamte digitale Welt kümmert. Dann hat man sogar noch einen Input Reserve (Foto: Rega)

Zusammenfassend würde ich den Klang als extrem lebendig, fast röhrenartig transparent und eher drahtig-dynamisch als füllig-weich oder gar laid back bezeichnen. Also so, wie man sich seit jeher einen Rega-Amp vorstellt, nur ohne die manchmal lästige Zickigkeit älterer Generationen im Wechselspiel mit dem Lautsprecher: An hochohmigen, wenig komplexen Lasten ein geschmeidig eloquenter Dr. Jekyll, konnte zum Beispiel der alte Brio aus den 90ern unversehens zu einem rau bellenden Mr. Hyde mutieren, wenn der Lautsprecher ihm nicht weit genug entgegenkam.

Wer das noch in Erinnerung hat, möge sich dringend mal einen Io ausleihen – und dann staunen, wie unerschrocken und ausgeglichen der kleine Rega auch durchaus anspruchsvolle Schallwandler antreibt. Ohne dabei freilich auf die Rega-typisch direkte, tänzelnd agile Dynamik zu verzichten, die andere Amps im Vergleich stets etwas lethargisch und runtergepitcht wirken lässt.

Die Lautsprecher des Rega System One: die Kyte

Mit der Kyte müsste der Io ohnehin leichtes Spiel haben. Die Rega-Box – Paarpreis 650 Euro – ist die jüngste Interpretation eines altbewährten Lautsprecherkonzepts: Schon die erste Kyte aus den 90er Jahren arbeitete mit einem 12,5 Zentimeter kleinen Tieftöner und dem damals maximal unpopulären Membranmaterial Papier. Der Treiber wurde über die Jahre verfeinert und verbessert, die Fertigung komplett ins eigene Haus geholt, aber die Eckdaten bleiben die gleichen: Fünf Zoll Durchmesser, relativ flacher Konus aus leichtem, steifem, resonanzarmem Papier, kleine, aber vierlagig gewickelte, hoch effiziente Schwingspule mit verstärkerfreundlichen 6Ω Impedanz sowie im Zentrum des Treibers ein feststehender Hartgummi-Phaseplug statt der üblichen, mitschwingenden Staubschutzkappe.

Rega Kyte Tweeter
Eigengewächse: Tiefmittel- und Hochtöner der Kyte sind das Ergebnis langjähriger Treiber-Evolution. Im Bass arbeitet eine Membran aus beschichtetem Papier, den Hochton strahlt eine Seidenkalotte ab (Foto: Rega)

Ein feiner, blitzschneller Tiefmitteltöner, der vor allem am oberen Rand seines Einsatzbereichs keine Konkurrenz fürchten muss und über die Jahre zahlreichen Rega-Boxenmodellen zu präzise artikuliertem, temporeich groovendem Bass verholfen hat. Der kleine Pappkonus ginge fast als Breitbänder durch, übergibt die Hochtonarbeit aber einem hoch qualifizierten Mitstreiter: dem ebenfalls Rega-eigenen ZRR-Hochtöner, einer kleinen, luftgekühlten Gewebekalotte.

ZRR steht für Zero Rear Reflection: Der Antrieb des Hochtöners besitzt einen raffiniert konstruierten, hohlen Polkern, der rückwärtig abgestrahlten Schall sehr effektiv schluckt. Das soll Verfärbungen durch verzögert an der Rückseite der Kalotte eintreffende Reflexionen deutlich vermindern. Tatsächlich klingt der Hochton der Kyte angenehm fein, frei und auf unaufdringliche Weise lebendig. Und erinnert in seiner duftigen Offenheit an die kleinen Scan Speak-Kalotten D2010, die zum Beispiel auch meine jahrzehntelang genutzte Boxengefährtin Naim SBL mitbrachte.

Rega Kyte vorn und hinten
Leicht und schnell, aber nicht hell: Die Rega Kyte steht klanglich auf der tempo- und timingverliebten Seite der britischen Lautsprechertradition. Das lässt sie in großen, stark bedämpften Hörstudios etwas schlank klingen, dafür bei wandnahem Betrieb in realen Wohnräumen umso ausgewogener (Foto: Rega)

Gussgehäuse aus Phenolharz: Nicht schön, aber extrem zweckmäßig

Das Kyte-Gehäuse sieht etwas gewöhnungsbedürftig aus: Es besteht aus einer mattschwarzen Kunststoff-Spritzguss-Wanne, die in etwa so glamourös, aber auch so widerstandsfähig daherkommt wie der hintere Stoßfänger des VW Passat B3 Stufenheck aus den frühen 90ern. Vergleichbaren Nutzfahrzeug-Charme gab es bislang eher im PA-Bereich, wo rauhe Handhabung normal und ein günstiges Verhältnis aus Gewicht, Volumen und Festigkeit entscheidend ist. Rega verwendet für den Kyte-Korpus aber nicht das übliche ABS, sondern ein knochenhartes Phenolharz-Duroplast, das, einmal polymerisiert, durch nichts mehr aus der Form zu bringen ist – wie Uralt-Lichtschalter und Steckdosen aus diesem Material zeigen.

Das Gehäuse ist im Vergleich zu einem Holz-Äquivalent sehr dünnwandig, reagiert auf Klopfen aber nur mit einem staubtrockenen „Tack“, neben dem sich so manche Holzbox lebendig wie ein Xylophon verhält. Die akustische Neutralität der Rega-Behausung beruht nicht nur auf der Härte des Kunststoffs, sondern auch auf ihrem unerwartet aufwändigen Innenleben: Seitenwände, Boden und Deckel sind mit Keramikfliesen aufgedoppelt und diese mit Streben quer durchs Gehäuse miteinander verspannt. Da bewegt sich beim Klopfen nicht mehr viel, und auch beim Musikhören, egal in welcher Lautstärke, hat man Mühe, an den Gehäusewänden noch Vibrationen zu ertasten. Womit die Kyte-Kabinette unterm Strich mehr „Rega“ sind als es irgendein Holzverhau je sein könnte: Leicht, steif, verlustarm – in Southend-on-Sea ist das die Design-Dreifaltigkeit. Es würde mich nicht wundern, bald auch teurere, größere Schallwandler nach diesem Rezept zu sehen.

Rega Kyte innen
Dünn, aber steif und akustisch neutral: Das ohnehin recht harte Phenolharzgehäuse ist intern mit Keramikfliesen beklebt, gegenüberliegende Wände mit Holzstreben verspannt (Zeichnung: Rega)

Aus Holz – beziehungsweise Faserplatte – besteht nur die vorn eingesetzte Schallwand mit den beiden darin verschraubten Treibern. Eine graue, seidenmatte Kunststoff-Kaschierung lässt deren Körbe und Schrauben diskret verschwinden und verhindert, dass neugierige Tester mal kurz den Bass ausbauen, um ins Innere zu spicken: Nach dem Öffnen muss die Blende vermutlich erneuert werden. Dass die Box über eine hochwertige Frequenzweiche verfügt, deren Spulen Rega sogar selbst wickelt, glauben wir auch so. Ebenso, dass nicht nur der letzte Zusammenbau in England erfolgt, sondern auch das Gehäuse bei einem Betrieb in UK gegossen wird. Man ahnt, dass die Vorlaufkosten für dieses Teil enorm gewesen sind – Gussformen dieser Größe kosten viel Geld. Aber dafür ist die Kyte einer der ganz wenigen Boxen ihrer Preisklasse, die komplett ohne Fernost-Fertigung auskommt. Lohnen kann sich das dennoch nur bei entsprechend hohen Stückzahlen – die wir der Kyte und dem System One von Herzen gönnen.

Eine selbstklebende Kunststoff-Folie maskiert die Befestigungsschrauben der Chassis und verleiht der Kyte-Schallwand eine einheitlich glatte Oberfläche. Sollte mal ein Treiber getauscht werden müssen, kommt nach dem Wechsel eine neue Folie drauf.

Dass die Gehäusewände nach hinten etwas zusammenlaufen, könnten die Briten problemlos als Design-Kniff gegen stehende Wellen verkaufen. Der Öffnungswinkel ist aber in erster Linie der Gusstechnik geschuldet: Mit exakt parallelen Wänden bekäme man so ein Werkstück nicht mehr aus der Form. Da auch ihr Boden schräg ist, steht die Box mit leicht nach hinten gewinkelter Schallwand. Wo das nicht sinnvoll ist (etwa im Regal oder anderen etwas höheren Platzierungen), stellen mitgelieferte, anschraubbare Plastikstützen die Boxen exakt vertikal. An dieselben Gewindebuchsen passen auch optionale stabile Stahlsockel, die der Kyte optimalen Stand auf Boxenständern und Ähnlichem verleihen sollen. Im Test haben wir darauf verzichtet und die Kyte einfach mit BluTack-Klebeknete auf den Ständern oder Möbeln fixiert.

Rega System One Ambiente
Schmuckes System: Dieses Werksfoto behilft sich mit vermutlich teuren Boxenständern. Die Kyte kann aber auch auf einem Sideboard oder Regal stehen. Nur auf dem selben Brett wie der Plattenspieler sollte die Box nicht aufgestellt sein (Foto: Rega)

Last but not least: Rega Planar 1

Die schönste Amp-Boxen-Kombi wäre aber nichts ohne eine erstklassige Quelle. Gerade bei Analog-Anlagen kann man die Bedeutung des Plattenspielers gar nicht überbewerten – muss hier angesichts des limitierten Budgets aber dennoch sparen. Dass Rega preiswerte Plattenspieler phantastisch klingen lassen kann, haben Millionen verkaufter Planar 2 und Planar 3 schon bewiesen. Seit einigen Jahren passt unter den Zweier auch noch das Einser-Modell, zunächst als RP-1 und inzwischen unter dem Namen Planar 1.

Rega Planar 1
Der Rega Planar 1 ist unsere Empfehlung bis 400 Euro – auch außerhalb des System One (Foto: Rega)

Wie alle Regas ist der P1 ein leichtgewichtiger, sportlich-straff auf dem Rack stehender Dreher mit starrem Chassis. Gegenüber dem P2 fällt zuerst der andere Teller auf: Unter der üblichen dünnen Filzmatte rotiert kein grünlich-klares Floatglas, sondern pechschwarzes Phenolharz. Das ist nicht so schön wie Glas, aber allemal edler und langzeitstabiler als Holzfaserwerkstoffe wie MDF oder HDF (das zeitweise auf dem P2 verwendet wurde), und wesentlich resonanzärmer als die dünnen Aludeckel, die auf Spielern aus chinesischen OEM-Quellen den Standard darstellen.

Für 400 Euro kennen wir keinen besseren Plattenspieler als den Rega Planar 1. Und auch wenig gleich gute: Der New Horizon 121 käme in Frage, mit besserem Laufwerk, dafür schwächerem Arm. In die Rega-Kette eingewechselt, brachte er keinen entscheidenden Vorteil. Das Chassis neuerer P1 ist nicht mehr hochglänzend wie zu Anfang, sondern seit 2020 schwarz oder weiß seidenmatt.

Rega RP1 von vorn
Blick unters Brett: Das Chassis des P1 besteht aus laminiertem MDF. Links ist auf der Unterseite der Ein-Ausschalter für den Motor montiert, in der Mitte lugt unten das Messing-Tellerlager heraus.  Der Spieler steht auf drei straffen, nicht verstellbaren Füßen mit gutem Grip, aber nur geringer Dämpfung (Foto: Rega)

Wer angesichts des „Plastiktellers“ übrigens Statik-Phänomene fürchtet, dürfte mit dem P1 eine Überraschung erleben: Kein einziges Mal musste ich beim Plattenwenden die Wollmatte von der Vinylscheibe pflücken, während das bei den größeren Glasteller-Regas regelmäßig passiert. Ein weiterer potenzieller Vorteil des Phenolharz-Tellers ist dessen präzise in der Herstellung festlegbare Oberfläche: An Rand und Unterseite spiegelglatt, trägt der Kunststoff unter der Matte eine griffig-raue Struktur, die sich mit dem Filz regelrecht verzahnt und für sehr guten Gripp sorgt.

Den GFK-Subteller mit eingepresster Stahl-Lagerwelle gibt es seit Anbeginn der Rega-Zeitrechnung, auch bei den Zweier- und Dreiermodellen. An Details feilen die Briten dennoch gelegentlich. So trägt das aktuelle Exemplar den Teller nur noch auch zwölf leicht erhabenen Zähnen statt auf einem durchgehenden Ring. Angetrieben wird der Subteller von der altbewährten Kombination aus Synchronmotor und kurzem Rundriemen. Der zwar aussieht wie ein normaler O-Ring, aber aus anderem Material und nach ungleich engeren Toleranzen eigens für Rega bei einem – logisch – britischen Gummispezialisten entsteht. Der Synchronmotor läuft mit 24 Volt Wechselstrom, die er aus einem Steckernetzteil bezieht.

Rega RP1 Pulley
Das Herz des Laufwerks: Der Innenteller des P1 besteht – wie der des P2 und P3 – aus faserverstärktem Kunststoff. Angetrieben wird er per Riemen von einem präzise gedrehten Alu-Pulley (Foto: Rega)

Weder zu schnell noch zu laut

Angesichts der vielen veralteten und verallgemeinernden „Infos“ zu den Rega-Spielern verdient dieser Absatz eine eigene Überschrift. Denn der aktuelle P1 mit serienmäßigem Steckernetzteil, Originalriemen und –Innenteller läuft weder zu schnell noch mit unbotmäßigem Motorgeräusch. Ich hatte in letzter Zeit mehrere Exemplare des Spielers hier, die alle bei laufender Wiedergabe (also mit Berücksichtigung des Nadelreibung) gerade mal ein Zehntel Prozent voreilten. Genauer läuft in der Preisklasse keiner auf Solltempo. Und das verlangt auch niemand. Genauso verhält es sich mit dem Laufgeräusch: Bei allen preiswerten Plattenspielern ist der Motor die Störquelle Nummer eins. Synchronmotoren vibrieren mit der Frequenz ihrer Antriebsspannung und deren Vielfachen (50, 100, 150 Hertz), DC-Motoren heulen und singen eher, etwa mit der Biegeschwingung ihrer schnell drehenden Achsen.

Entscheidend ist, dass diese Nebenprodukte sich nicht ins Musiksignal schleichen. Und das gelingt dem P1 durchaus eindrucksvoll. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Rega den Motor knallhart an die Zarge klebt, statt ihn irgendwie weich aufzuhängen. Im Test gelang es mir selbst mit sehr gut gepressten Platten nicht, im Rillenrauschen Reste von Motorvibrationen zu entdecken. Das ist unter 500 Euro alles andere als selbstverständlich. Noch aufschlussreicher ist es aber, die Nadel bei laufendem Teller nicht auf die Platte, sondern auf irgendein Objekt abzusenken, das neben dem Teller direkt auf der Zarge steht. Bei mir ist das ein Gelkissen-Nadelreiniger von DS Audio, den ich regelmäßig verwende. Dabei wird nicht nur die Nadel sauber, sondern auch alles hörbar, was der Motor an Störungen an die Zarge weitergibt – nun ohne gnädige Maskierung durch Vinylrauschen. Beim Planar 1 hörte ich zu meiner eigenen Verblüffung – nichts.

Rega RB110: Economy-Arm mit erstklassiger Performance

Beim Arm des P1 muss ich zugeben, dass ich ihn zuerst nicht mochte, als er auf den Markt kam. Fehlte ihm doch jene großartige Errungenschaft, die alle Arme seit den ursprünglichen Modellen RB300 (1983) und RB250 (1984) auszeichnete: Das durchgehende, samt Headshell einteilig gefertigte Armrohr – reinste Rega-Philosophie, verdichtet in einem einzigen Werkstück.

Der RB110 auf dem Planar 1 hat das nicht. Stattdessen schwenkt eine dreiteilige Klebekonstruktion, mit Lagerblock und großkalibrigem Rohr aus Alu sowie einer dickwandigen Kunststoff-Headshell. OK, das ist nicht ganz so edel und konsequent wie ein Gussrohr. Aber immerhin entsprechen Look, Funktion und Geometrie exakt den teureren Vorbildern, bis hin zum dritten Befestigungsloch für die hausgemachten Rega-Systeme. Das wohl meist ungenutzt bleiben wird, da das aktuell günstigste Dreipunkt-System – das Rega Exact 2 – bereits so teuer ist wie der ganze Spieler.

Rega RB110
Klassearm für kleines Geld: der Rega RB110 (Foto: Rega)

Verloren geht dem RB110 die Einstellmöglichkeit für das magnetische Antiskating. Das hätte mich vor ein paar Jahren noch in Entrüstung versetzt. Zahlreiche Versuche mit unterschiedlichen Systemen – auch, aber nicht nur im Rahmen dieses Tests – haben mich milder gestimmt: Der voreingestellte und nicht ohne Bastelei veränderbare Wert stimmt haargenau – sowohl mit dem serienmäßigen Abtaster, als auch mit allen realistischen Upgrades. Wer exotische Line-Contact-Schliffe mit besonders weicher Aufhängung montieren will, bräuchte vermutlich eine Korrektur nach unten, streng genommen aber einen ganz anderen, viel teureren Plattenspieler.

Hörtest: Rega pur

Das faszinierende am System One ist aber doch gerade, wie einfach man zu einem enorm straffen, tonal stimmigen und zugleich hochdynamischen Klang kommen kann: Das System im P1 ist vorjustiert, die Auflagekraft dafür (20mN) stimmt punktgenau, wenn man das Gegengewicht nach dem Auspacken einfach bis zum Anschlag auf den hinteren Ausleger des Tonarms schiebt. Praktischerweise wiegen alle potenziellen Upgrade-Systeme mehr als das serienmäßige Rega Carbon, das nur 5 Gramm Eigengewicht hat: Wir haben das Audio-Technica VM95E probiert (6g), das Goldring E3 (6,9g) und das Ortofon 2M Red (7,2g), die sich allesamt sauber ausbalancieren lassen. Schwerere Systeme (Audio-Technica 700er-Serie, 8g; Grado Timbre-Serie, 9g) wären auch kein Problem, kommen für den P1 aber meist schon preislich nicht in Frage.

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Rega RP1 mit Goldring
Mild und dezent: Das Goldring E3 lässt den Charakter der Rega-Kette etwas zurückhaltender und zugleich breitbandiger wirken. Die schöne, weite Abbildung dürfte Klassikhörern besonders gefallen (Foto: B. Rietschel)
Rega RP1 mit Ortofon
Im roten Bereich: Das Ortofon 2M Red vollbringt im Rega-Arm Höchstleistungen. Es klingt präsent, dynamisch, sehr sauber und detailliert (Foto: B. Rietschel)
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Komplett in Serienzustand spielt die Rega-Kette enorm griffig, packend direkt und dynamisch. Gerade der Dynamik-Punkt wird mit typischer Testmusik leicht einseitig beleuchtet: Das Kunststück besteht nicht darin, mit audiophilem Audio-Porn eindrucksvoll zu klingen – das können selbst lumpige Schlackerarm-Chinadreher mit „1000 Watt“-Kaufhaus-Anlagen. Sondern auch dichten, schwer durchdringlichen Alltagsproduktionen ein Maximum an Struktur und jenen Details abzugewinnen, die die Musik lebendig werden lassen. Je mehr man x-beliebige LPs aus dem Regal zieht und einfach wirken lässt, desto überlegener wirkt die Rega-Kette – was ganz primär an ihrem Plattenspieler liegt.

Die Rega-Lautsprecher klingen im Bass eher schlank, was umso weniger überrascht, je mehr man mit der Marke vertraut ist: Auch bisherige Regas – Boxen bauen die Briten seit 1980 – zogen präzisen, artikulierten Bass mit definierter Tonhöhe stets wuchtigem One-Note-Gewummer vor. Die Lautsprecher sind zudem fast immer auch für wandnahen Betrieb konzipiert. Die Kyte klingt folglich in vielen Räumen genau an jenen Positionen ausgewogen und druckvoll, wo Mitbewerber schon dick und schwammig werden. Mit Blick auf die typischen Aufstellszenarien einer erschwinglichen (Einsteiger-) Anlage ist das eine goldrichtige Abstimmung. Nur wenn man es wirklich übertreibt mit der Wandnähe (in meinen Versuchen weniger als eine Handbreit zur Rückwand), leidet die plastische, griffige Abbildung unnötig stark, ohne dass der Bass noch nennenswert profitiert.

Rega System One
Praxisfreundlich und zeitlos: Das Rega System One ist technisch ausgereift und so aufs Wesentliche reduziert, dass es fast nicht mehr altern kann. Digitalfreunde erweitern es mit einem DAC oder Streamer – auch das kann fantastisch klingen (Foto: Rega)

Mit etwas Aufstell-Sorgfalt bekommt man aus der Kyte auch in etwas größeren Räumen einen satten, ausreichend großvolumigen Klang heraus – begleitet von monitorartiger Klarheit, präzisem Timing und einer nicht besonders weiträumigen, dafür aber plastisch-greifbar vor die Boxenebene projizierten Abbildung. Steigert man bei bassreicher Musik die Lautstärke, streichen Verstärker und Box ab einem bestimmten Punkt nahezu einvernehmlich die Segel: Nominell verträgt die Kyte noch etwas mehr Musikleistung, als der Io liefern kann. Der dicke Pass INT25 reizt diese Reserven aus, bringt bei hohen Pegeln mehr Punch im Bass und klingt insgesamt viel natürlicher – kostet aber auch das 15-fache und vernascht soviel Strom, dass man im Winter die Zentralheizung im Hörraum nicht mehr braucht. Io und Kyte wollen und sollten nicht Party-PA spielen (das gilt aber für fast alle HiFi-Kompaktboxen), sind aber beim Abrocken im Alltag überhaupt nicht zimperlich. Und schaffen es, die Luftgitarren-Inzidenz im Hörraum nachhaltiger zu steigern als so manche deutlich größere Kombi.

Wir haben natürlich auch versucht, Teile der Rega-Kette mit guten anderen Komponenten zu ersetzen. Eine B&W 607 S2 AE etwa klingt an Stelle der Kyte deutlich fülliger im Grundton, aber tonal letztlich nicht korrekter und dynamisch distanzierter. Den superben Atoll IN50 Signature hatte ich ja schon beim Test des Io eingewechselt. Er hat einen ähnlichen Effekt wie die B&W und lässt eine entspannte Milde in den Klang einziehen. Kann man machen, wenn das gewünscht ist – stimmiger und energiereicher bleibt‘s aber mit dem Io, der dem Atoll zudem einen hervorragend klingenden Phonoeingang voraushat.

Das System One ist stimmig, rund und gut, mit klar „englischer“ Betonung von Dynamik, Timing und Tempo. Damit kann man lange begeistert hören, genau so, wie es aus dem Karton kommt. Upgrades lohnen sich dennoch – und zwar beim Tonabnehmer. Das serienmäßige Rega Carbon ist ein recht dunkel klingendes System mit kräftigem Bass und – dank sphärischer Nadel – eher zurückhaltender Hochtonauflösung. Das hat durchaus auch gute Seiten: Die Höhen separieren sich auch bei kritischen Platten nie vom Rest der Musik, bleiben stets stimmig integriert und unaufdringlich. Eine Eigenschaft, die ich schlagartig ein wenig vermisste, als ich versuchshalber das Audio-Technica VM530EN montierte. Auch wenn das mit seinem nackten elliptischen Diamanten genauso schlagartig für viel reichere Klangfarben und lebendigere Details sorgte – so richtig geschmeidig, selbstverständlich und sauber wollte es obenrum nicht spielen. Der schnörkellos-konzentrierte Rega-Slam litt eher darunter, statt zu profitieren.

Rega Io Ambiente
Gruppenbild mit Planar 2: Das Design der Rega-Komponenten polarisiert trotz (oder gerade wegen) seiner extremen Reduktion. Für dieses Bild haben wir den Planar 1 versuchshalber durch einen Planar 2 ersetzt: gleicher Look, 150 Euro teurer, besserer Arm und Teller. Klingt charakterlich – auch dank gleichem Serien-System – sehr ähnlich, aber etwas cleaner (Foto: B. Rietschel)

Trotz technischer Verwandtschaft – ganz anders tönte das Goldring E3, das im Rega-Arm sehr schön aussieht und eine mildere, distanziertere Diktion einbrachte. Es hat einen gefassten elliptischen Diamanten und tastet ebenfalls deutlich sauberer ab als das Carbon, ließ den P1 aber für meinen Geschmack tonal und dynamisch zu harmlos klingen.

Es gab in meinem Fundus aber auch zwei Systeme, die den anspringenden, griffigen Charakter des P1 noch unterstrichen, ihn zugleich aber mit seidigen Höhen und vollmundigem Mittelton veredelten und dem Klang eine entspannte Natürlichkeit verliehen: Das Nagaoka MP-100 kommt dem Serienzustand von der Grundbalance her recht nahe, bietet also den gleichen warm-sonoren Ton, nun aber in einer Luxusversion mit glatteren, edler changierenden Oberflächen. Ein System mit unaufgeregter Autorität, das wunderbar in den Rega passt.

Meine zweite Upgrade-Empfehlung überraschte mich im Hörtest selbst: Das Ortofon 2M Red ist sicher kein besonders origineller Tipp, aber es spielt im P1 einfach unheimlich dynamisch und sauber, mit genau der richtigen Dosis Feinauflösung. Differenzierte Klangfarben, körperhafte Abbildung – alles da. Nichts für Nonkonformisten, aber das macht nichts, weil das Ortofon – wie auch das etwas exotischere Nagaoka – die Rega-Kette genau in ihren Stärken unterstützt. Viel weiter würde ich die Upgraderei des Spielers nicht treiben. Einen Wandhalter honoriert der Spieler klanglich sehr deutlich. Es muss auch nicht zwingend der tolle, aber teure Rega Wall Mount sein. Ein Trip zum Baumarkt und vielleicht 50 Euro für Material (Konsolenwinkel, zwei Multiplex-Bretter, diverse Kleinteile) reichen auch schon für einen schönen Arbeitsplatz für den Spieler.

Fazit Rega System One

Das System One liefert für ein moderates Budget ein Maximum all jener Qualitäten, die Musik spannend, mitreißend und emotional berührend machen. Ich wüsste nicht, mit welcher Kombination man das noch toppen will, ohne erheblich mehr Geld auszugeben. Nicht ideal ist das System One sicherlich für Leute, die primär HipHop oder House hören. Auch wenn das immer noch erstaunlich gut geht, gibt es zum Preis der Kyte anderswo noch mehr Volumen, Membranfläche und folglich Tieftondruck. Und zum Preis des Io sicher auch Amps mit mehr Leistung, mehr Bling und mehr Ausstattung. Musik kommunizieren kann die Rega-Kette aber eindeutiger und intensiver als selbst deutlich teurere Anlagen. Das beantwortet vielleicht auch die Frage, warum das System One kaum billiger ist als die Summer der Komponenten-Einzelpreise: Klanglich gewinnt man mit dieser Kombi so viel, dass Rega auf Durchstreichpreise getrost verzichten kann.

Rega System One
2022/03
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Sehr dynamischer, sauber durchgezeichneter Klang
Einer der besten Plattenspieler und Vollverstärker ihrer Preisklasse
Platzsparend, anspruchslos und leicht in Betrieb zu nehmen
Eine vollwertige Einzelverpackung auch für den Plattenspieler wäre schön

Vertrieb:
TAD Audio Vertriebs GmbH
Rosenheimer Straße 33
83229 Aschau
www.tad-audiovertrieb.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Rega System One: 1.599 Euro

Mit- und Gegenspieler:

Test New Horizon 121: Einsteiger-Plattenspieler mit Top-Laufwerk
Test Vollverstärker Atoll IN 50 Signature: volle Klangpracht für 750 Euro
Erster Test: Kompaktbox B&W 607 S2 Anniversary Edition

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Autor: Bernhard Rietschel

Bernhard Rietschel ist gelebte HiFi-Kompetenz. Sein Urteil zu allen Geräten ist geprägt von enormer Kenntnis, doch beim Analogen macht ihm erst recht niemand etwas vor: mehr Analog-Laufwerke, Tonarme und Tonabnehmer hat keiner gehört.