Test Rega Planar 6: bester Plattenspieler unter 2.000 Euro?

Wir sind verwirrt. Hatten wir doch mühsam und durch Erfahrung gelernt, dass ein Plattenspieler möglichst schwer und wuchtig daherkommen soll. Rega will uns einer ganz anderen Wahrheit belehren. Der Rega Planar 6 bringt nur 5,2 Kilogramm auf die Waage. Wer ihn das erste Mal einrichtet, staunt nicht schlecht. Die zentrale Bodenplatte ist ein Leichtgewicht. Ein Kern von geschäumtem Polyurethan wird von zwei steifen Laminatscheiben umschlossen. Leichter geht es kaum.

Rega Planar 6 die Bodenplatte
Die Bodenplatte des Planar 6: Ober- und Unterteil bestehen aus einem Hochdruck-Laminat; der Leerraum dazwischen ist mit einem besonders leichtem, aber sehr festem und dämpfendem PU-Schaum gefüllt (Foto: H. Biermann)

Dieses neue HPL-Laminat ist extrem steif und hat eine zum Lackieren perfekte Oberfläche. Es gibt das Chassis des Rega Planar 6 erst einmal in einem mattgrauen Polaris-Finish, dessen schwarze Randverkleidung hochglanzpoliert ist. Und wie üblich bei Rega verleiht ein gelochtes Aluminium-Stück zwischen Lager und Tonarm-Sockel zusätzliche Stabilität.

Welche Logik steckt dahinter? Rega ist überzeugt, dass sich klangschädigende Schwingungen über einen unterschiedlichen Materialmix ableiten lassen. Je verschiedener die Eigenresonanzen, desto unangreifbarer die Gesamtkombination.

So stellt Rega der leichten Bodenplatte einen bewusst schweren Plattenteller aus Glas gegenüber. Auch dieser selbst wird aus zwei unterschiedlichen Schichten gefertigt: eine klare Ebene liegt über einer mattierten Basis.

Rega Planar 6 Plattenteller 1
Der Plattenteller besteht aus zwei unterschiedlich resonierenden Schichten: eine ist heller, eine dunkler (Foto: H. Biermann)

Das Glas rotiert über einem Subteller aus massivem, gedrehten Aluminium. Das Lager selbst besteht aus Bronze. Die Kraft des Motors wird über einen Rundriemen übertragen.

Das Messinglager ist neu, sehr reibungsarm und sogar zum Patent angemeldet. Auch das Antriebs-Pulley ist komplett neu entwickelt. Und der schicke, weiße Riemen, den Rega bislang nur als Upgrade verkauft hat, ist beim Rega Planar 6 Standard.

Rega hat zu seiner Plattenspieler-Produktion einen netten Film gedreht, wie sie ihre Modelle bauen – nämlich alles per Hand. Der Film ist sehenswert.

Eine weitere Umsetzung des Ideals unterschiedlicher Kraftverteilung bietet der Tonarm RB330. Er ist die konsequente Weiterentwicklung des (auch von vielen Mitbewerbern weltweit genutzten) RB300.

Der neue RB 330 ist in seiner Wandstärke unterschiedlich geschmiedet. Nach vorn wird er leicht, hinten am Lager liegt die höchste Dichte. Er wird bei Rega handgefertigt und ist mit einem speziellen Gegengewicht aus Edelstahl versehen.

Der RB 330 ist übrigens auch einzeln zu haben: dann kostet er 580 Euro. Nur, um einmal eine Idee zu vermitteln.

Rega Planar 6 Motorsteuerung 1
Der Tonarm RB330 wurde deutlich weiterentwickelt: Bessere Lager und eine sehr viel bessere Anti-Skating-Funktion erheben den RB330 über das Gros der Klasse (Foto: H. Biermann)

Was den Rega Planar 6 ebenfalls so attraktiv macht: Er kommt komplett daher – Rega liefert ihn mit dem externem Netzteil Neo PSU und der deutsche Rega Vertrieb TAD packte in unserem Fall den neuen Rega MC-Abtaster Ania obendrauf. Die richtige Kombination ist essentiell für den besseren Klang.

Die Wundertaten eines guten Netzteils wissen Vinyl-Kenner ebenfalls zu schätzen. Der komplette Klang kann sich hier verändern. Das Neo PSU gibt es auch separat; dann gruppiert Rega es mit 380 Euro ein.

Dem Motor wird via Neo PSU saubere Sinus-Energie zugeführt, ein eigenes DSP bereitet den Stromfluss auf. Der Vorteil für die Faulen unter uns: Man muss nicht aufwendig den Plattenteller lüften und den Riemen umlegen, wenn man die Drehzahl ändern will, ein einfacher Knopfdruck auf das PSU-Netzteil genügt.

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Rega Planar 6 Motorsteuerung 1
Die Motorsteuerung Neo PSU. Das rote Licht signalisiert 33 Umdrehungen pro Minute (Foto: H. Biermann)
Rega Planar 6 Motorsteuerung 1
Die Motorsteuerung des Rega Planar 6. Die grüne Schrift bedeutet: 45 Umdrehungen pro Minute (Foto: H. Biermann)
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Diese Neo PSU Motorsteuerung dürfte wohl der größte klangliche Vorteil des Rega Planar 6 gegenüber dem kleineren Bruder Planar 3 (800 Euro) sein. Sie nutzt den Digital Signal Processing Generator des „großen“ RP10, der mit einem hochstabilen Quartz arbeitet und daher sehr genau ist. Dank der Quartz-Steuerung kann sie die eingestellte Geschwindigkeit exakt halten.

Der eingebaute DSP-Generator soll auch eine nahezu perfekte, sinusförmige Wellenform erzeugen. Zusammen mit dem eingebauten Treiberverstärker entsteht hier also ein eigenes kleines Kraftwerk, das eine annähernd perfekte 24V-Wechselstrom-Spannung mit weniger als 0,15% Verzerrungen erzeugt.

Selbst bei größeren Schwankungen der Netzspannung kann der Motor also völlig unbehelligt seine Arbeit tun.  Jedes Neo PSU wird per Hand auf den jeweiligen Planar 6 eingestellt. Damit ist eine optimale Laufruhe garantiert. Besser geht es eigentlich nicht.

Aber der Rega Planar 6 ist ein Gentleman von der Sohle bis zum Scheitel. Das MC-System mit dem Namen Ania schnitt im LowBeats Test ebenfalls sehr gut ab und ist im Verbund ein Schnäppchen: Gemeinsam kostet der vollständige P6 1.800 Euro, allein liegt das Ania bei 650 Euro, der Planar 6 bei 1.300 Euro.

Und hier können sich auch jene freuen, die nicht die höheren Weihen des Tonabnehmer-Einbaus beherrschen: Das System wird nach Rega-Art mit drei Schrauben befestigt. Deshalb passt die Geometrie ohne weiteres Experimentieren.

Rega Planar 6 Motorsteuerung 1
Das hauseigene MC-System Ania passt von seinen technischen Werten sehr gut in den RB 330 Arm des Planar 6. Die Rega typische Dreipunkt-Montage erleichtert den Einbau erheblich (Foto: H. Biermann)

Der Rega Planar 6 im Hörtest

Klanglich freuten wir uns. Die vielen unterschiedlichen Material-Kombinationen sorgten für einen weitgehend unangreifbaren Sound. Sind andere Plattenspieler die Gewichtheber im vinylen Olympiawettkampf, so ist der Rega Planar 6 der Sprinter.

Alles gelang ihm in unserem Test schnell und unangestrengt. Wunderbar, wieviel feindynamische Informationen er aus der Rille holte. Beispielsweise in César Francks wunderbarer d-moll-Symphonie. Herbert von Karajan leitet das Orchestre de Paris, die EMI hat das Ganze in bester Vinyl-Qualität gepresst.

Es wird laut, sehr laut. Nicht viele Tonabnehmer können diese furiose Pracht wiedergeben. Doch das Ania am Rega P6 nimmt es wie eine Fingerübung. Das hatte herrliche Brillanz.

Da sage noch einmal einer, eine LP sei in der Dynamik einer CD unterlegen. Dazu das feine Flirren der Streicher. Der frühe Karajan war ein Meisterdirigent – diese Fülle am Wohllaut konnte kein anderer Dirigent zu seiner Zeit erreichen. Und notabene: Diese Fülle an Wohllaut ist ein eigen Ding des Rega Planar 6.

Covert Art "Sgt Peppers" von den Beatles
Eines der originellsten Alben der Musikgeschichte neu remastert: Sgt. Pepper’s von den Beatles Unbedingt hörenswert! (Cover Amazon)

Wie hält es der P6 mit bassstarker Musik aus dem Pop/Rock-Umfeld? Für die Beantwortung dieser Frage schätze ich eine Neupressung, die schon heute Legende ist: Sgt. Pepper’s von den Beatles, im neuesten Mastering.

Der alte Mix war immer eine Spur behäbig. Vor allem die Bassläufe von Paul McCartney waren unterrepräsentiert. Nun hat Giles Martin, der Sohn des legendären Beatles-Produzenten George Martin, einen neuen Mix vorgestellt.

Das ist wirklich feinstes High-End. Am besten auf Vinyl zu genießen. Nun entfaltet der Bass richtige Wucht. Dazu ein Mix, der oft ins Psychedelische abgleitet, sehr komplex und fein in den dynamischen Werten.

All das wusste der Rega Planar 6 perfekt wiederzugeben. Allein die Aura, die er „Lucy in the Sky with Diamonds“ angedeihen ließ – das war ganz großes Klangkino.

Und nochmals Klassik: Sir Georg Solti treibt mit seinem Taktstock das London Philharmonic Orchestra in Elgars „Pomp and Circumstances“-Märsche. Wenn hier ein Plattenspieler zu träge, zu brav aufspielt, verliert die Musik ihren inneren Sinn.

Nicht so der P6, der wunderbar alle dynamischen Feinheiten zu staffeln verstand. Auch das Grobdynamische war da. Zur alternativen britischen Nationalhymne wollten wir uns aus den Sesseln erheben.

Selten haben in dieser Preisklasse die Streicher feiner geklungen, selten hatte das Blech mehr Druck aufgebaut. Ein Leichtgewicht unter den Plattenspielern, aber ein Machtwort im Markt der Vinyl-Dreher. Ganz großes Lob.

Um das alles einzuordnen: Zeitgleich hatten wir auch den Technics SL 1200GR sowie den Elac Miracord 90 im Test. Alle drei hatten bei den Testern ihre Fürsprecher und natürlich klangen sie auch durchaus unterschiedlich.

Hier lagen die Unterschiede zwar auch im Tonalen (der Rega mit dem Ania spielte etwas heller als die anderen beiden), aber die wesentlichen Unterschieden waren doch eher im Dynamik-Bereich auszumachen – wobei der Technics mit seiner erstaunlich gemütlichen Art etwas hinten anstand.

Elac und Rega lieferten sich ein herrliches, durchaus spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen, mit mal diesem und mal jenem Sieger.

Am Ende aber gefiel mir das Rega Paket am besten: feindynamisch kann es mehr als die anderen und es ist um 700 Euro günstiger als der ebenfalls sehr überzeugende Elac. Sollte ich das Klangerlebnis in Prozentpunkte fassen, würde es in etwa so ausfallen: Technics = 80%, Elac = 95%, Rega = 100%.

LowBeats Autor Andreas Günther im LowBeats Hörraum
LowBeats Autor Andreas Günther im LowBeats Hörraum mit dem Elac Miracord 90, dem Technics SL 1210 GR und dem Rega Planar 6 (Foto: H. Biermann)

Fazit Rega Planar 6

Der Rega Planar 6 gefiel uns mit den ersten Takten. Das war wunderbar dynamisch und stimmig. Großartig der Reichtum an Farben und dynamischen Details.

Dazu erstaunt und erfreut der Preis: Hier gibt es im Gesamtpaket ein klangentscheidendes Netzteil und einen superben MC-Tonabnehmer mit hinzu. Wer das unter audiophilen Gesichtspunkten beste Angebot bis 2.000 Euro sucht – hier wird er fündig.

Rega Planar 6
2017/12
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Lebendig-dynamisches Klangbild
Gute Abtastfähigkeit
Dreipunktbefestigung
Hochtonbetonung

Vertrieb:

TAD Audio Vertriebs GmbH
Rosenheimer Straße 33
83229 Aschau
www.tad-audiovertrieb.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Rega Planar 6 mit Rega Ania: 1.800 Euro

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Die Gegenspieler im Test:
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und
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