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Nubert nuPro A-600
Aktivlautsprecher Nubert nuPro A-600; Paarpreis 1.970 Euro (Foto: Nubert)

Test: Aktivlautsprecher Nubert nuPro A-600

Sieht man mal von den beiden Soundbars nuPro AS-250 und nuPro AS-450 ab, ist die nagelneue Nubert nuPro A-600 die bislang größte Nicht-Standbox der nuPro Aktivboxen Familie des Lautsprecher-Spezialisten aus Schwäbisch Gmünd. Vom Wesen her ein Kompaktlautsprecher, ist dieser Begriff angesichts ihrer stattlichen Abmessungen von 27 x 60 x 32 Zentimetern (BxHxT) allerdings nicht mehr ganz passend – im Profi-Jargon würde man die nuPro A-600 eher als Midfield-Monitor bezeichnen.

Obwohl sie sich im schwarzen oder weißen Schleiflack-Outfit optisch eher zivil gibt, ist ihr Einsatz im Tonstudiobereich in der Produktbeschreibung sogar ausdrücklich vorgesehen – Grund genug für LowBeats, ihre professionellen Fähigkeiten im Folgenden näher zu beleuchten.

Der Familienname „nuPro“ bedeutet im Nubert-Jargon allerdings nicht reinrassig professionell, sondern steht zunächst mal für flexibel einsetzbare Multimedia-Aktivlautsprecher mit universellen Anschlussmöglichkeiten.

Da macht auch die Nubert nuPro A-600 keine Ausnahme: Dank analoger und digitaler Eingänge kann sie sich mit allen möglichen Programmquellen verbinden – vorzugsweise jedoch mit solchen aus der HiFi-Welt, denn analoge, symmetrische XLR-Eingänge sind ebensowenig vorgesehen wie ein digitaler, symmetrischer AES-3-Anschluss.

Zum Verbinden mit symmetrischem, analogem Equipment bietet Nubert immerhin spezielle XLR-auf-Cinch-Adapter als Zubehör an, welche die XLR-Kontakte 2 und 3 herausführen: So steht die volle Signalspannung der Quelle zur Verfügung und auch der übliche, Klirrfaktor-steigernde Kurzschluss von Kontakt 3 gegen Masse ist nicht erforderlich.

Möglich ist diese „quasi-symmetrische“ Lösung, weil die Analogeingänge der nuPro A-600 keinen festen Massebezug haben, sondern „floatend“ arbeiten – was übrigens auch beim Anschluss langer Signalkabel mit RCA-Steckern Vorteile bietet.

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Nubert nuPro A-600 Terminal
Das Anschlussterminal der Nubert nuPro A-600 bietet die im HiFi-Bereich üblichen Eingänge für analoge und digitale Tonquellen (Foto: J. Schröder)
Nubert nuPro A-600 nuFunk-Modul
Das optionale Funk-Modul EU-1 ermöglicht der nuPro A-600 auch drahtlosen Betrieb mit analogen oder digitalen Tonquellen. Zur Stromversorgung externer Funkmodule ist die nuPro A-600 mit einer separaten USB-Buspower-Buchse ausgestattet (Foto: J. Schröder)
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Um es HiFi-Anwendern leichter zu machen, besitzt der Analogeingang der nuPro A-600 eine selbsttätig umschaltende Eingangsstufe (Auto Gain), sodass der A/D-Wandlerchip auch bei unterschiedlich lauten Tonquellen stets im optimalen Arbeitsbereich betrieben wird.

Wer seine Monitore beispielsweise nach Bob Katz’ K-System kalibriert betreiben möchte, kann die Auto-Gain-Einrichtung jedoch auch abschalten – in diesem Falle beträgt die Eingangsempfindlichkeit für Vollaussteuerung Rundfunk-übliche +6dBu (1,55V).

Nubert nuPro A-600: Konsequent digital

Für einen Aktivlautsprecher mit digitalen Eingängen wie der nuPro A-600 liegt es nahe, die Signalverarbeitung in Frequenzweiche und Entzerrung ebenfalls auf digitaler Ebene durchzuführen.

Genau so macht es die A-600 – und zwar ungewöhnlich konsequent einschließlich ihrer Lautsprecher-Endstufen: Die drei Class-D-Schaltverstärker mit Nennleistungen von jeweils 70 Watt für Mitteltöner und Hochtöner sowie 200 Watt fürs Basschassis werden quasi direkt aus dem digitalen Signalprozessor (DSP) gespeist, der neben Filterung und Entzerrung auch für die Lautstärke-Einstellung zuständig ist.

Vorteil dieses Konzepts ist die praktisch rauschfreie Arbeitsweise: In der Tat kann man sich den einzelnen Chassis der nuPro A-600 bis auf wenige Millimeter nähern, ohne störendes Räuscheln wahrzunehmen.

Weil der DSP mit fixen Filterkoeffizienten arbeitet, erfolgt die digitale Signalverarbeitung mit fester, interner Abtastfrequenz von 96 Kilohertz.

Daher durchlaufen alle eingehenden Digitalsignale eine Abtastratenwandlung, wobei der koaxiale oder der optische S/P-DIF-Eingang der Nubert nuPro A-600 für PCM-Datenraten bis maximal 24bit / 96kHz spezifiziert sind.

Der USB-Eingang verarbeitet hingegen maximal 48 kHz, erfüllt dafür aber den Class-Compliant-Standard: Das erlaubt nicht nur treiberlosen Betrieb an Computern jeglicher Art, sondern auch mit Mobile Devices wie iPhone & Co via Apple’s Camera Connection Kit.

Ein weiterer Vorteil der digitalen, internen Signalverarbeitung bei der A-600 ist, dass die Kopplung von linkem und rechtem Lautsprecher ebenfalls verlustfrei auf digitaler Ebene stattfindet – was sogar Latenzzeit-kompensiert.

Im Pair-Modus erfolgt der Tonquellenanschluss stets an die linke Master-Box, die rechte erhält ihre Audiodaten einschließlich der Steuerbefehle per S/P-DIF-Leitung vom Master.

Dieses Master-Slave-Konzept im Pair-Modus gilt ebenso auch für das Lautsprecher-Setup und die allgemeinen Bedienungsfunktionen, wobei sich letztere auch per mitgeliefertem Infrarot-Commander ausführen lassen.

Wer die beiden Lautsprecher hingegen unabhängig voneinander betreiben möchte, kann hierfür im Setup-Menü den Single-Modus wählen.

Nubert nuPro A-600 Display
Alle Einstellungen einschließlich Setup lassen sich auch über das frontseitige Tastenfeld vornehmen. Die Rückmeldung erfolgt über ein gut lesbares, sehr helles Display, dass sich auch abschalten lässt (Foto: J. Schröder)

Auf die von echten Studiomonitoren gewohnten Ortsanpassungsfilter zur Anpassung an die akustische Umgebung verzichtet die Nubert nuPro A-600 weitestgehend – stattdessen besitzt sie Klangsteller, ausgeführt als Shelving-EQ für Bass- und Grundton-, sowie als spezieller Tilt-EQ für den Mittelhochtonbereich. Mit beiden lässt sich’s in der Praxis durchaus arbeiten, wie später noch ausführlicher beschrieben.

Nubert nuPro A-600: Akustisches Konzept

Wie man auf Anhieb erkennt, handelt es sich bei der Nubert nuPro A-600 um eine vollwertige Dreiwege-Konstruktion. Für den Bassbereich ist ein 22-Zentimeter-Chassis vorgesehen, während ein 12-Zentimeter-Treiber für die mittleren Lagen zuständig ist. Im Vergleich zu Zweiwege-Lautsprechern sorgt der separate Mitteltöner für deutlich geringere Intermodulationsverzerrungen speziell im Frequenzbereich zwischen 400 und 2500 Hertz.

Nubert nuPro A-600 rul nohp 102,6
Intermodulationsspektrum Nubert nuPro A-600 beim empfohlenen, oberen Schalldruckpegel (103dBspl/1m): Die hörbare Verzerrungsgrenze wird bei 800 Hz, im Bassbereich bei 150 Hz erreicht. (Diagramm: J. Schröder)

Beide Wandler verwenden Konusmembranen aus Polypropylen, das als äußerst gutmütig hinsichtlich seines Resonanzverhaltens gilt. Beim Hochtöner setzt die A-600 auf die schon in anderen Nubert-Boxen bewährte Ausführung mit einer Lochblech-geschützten 25-Millimeter-Seidengewebekalotte.

Der Tieftöner arbeitet Bassreflex-abgestimmt mit zwei rückseitig abstrahlenden Ports, die zur Vermeidung von Strömungsgeräuschen trompetenförmig ausgeführt sind.

Selbstverständlich steht dem Mitteltöner ein eigenes, geschlossenes Gehäusevolumen zur Verfügung, um klangliche Wechselwirkungen mit dem Tieftöner auszuschließen.

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Nuber nuPro A-600 midrange driver
Als Mitteltöner verwendet die Nubert nuPro A-600 einen 12-Zentimeter-Konustreiber mit Polypropylen-Membran. Dank der breiten Schallwand besitzt die A-600 bereits im Mitteltonbereich eine definierte Richtwirkung (Foto: J. Schröder)
Nubert nuPro A-600 tweeter
Der Hochtöner mit 25-Millimeter-Seidengewebekalotte ist mit einem schützenden Lochblech versehen. Auf einen schallbündelnden Waveguide wurde bei ihm bewußt verzichtet (Foto: J. Schröder)
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Es zeugt freilich von einer gehörigen Portion Mut, in Zeiten zunehmend „magersüchtiger“ Lautsprecherboxen – ein namhafter Brancheninsider spricht gar von „singenden Besenstielen“ – einen Lautsprecher im Format der nuPro A-600 auf den Markt zu bringen.

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