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Mit dem CMA Fifteen bietet Questyle einen kompromisslosen und klanglich überragenden DAC/Kopfhörerverstärker für 2.500 Euro (Foto: Questyle)

Test Questyle CMA Fifteen DAC und Kopfhörerverstärker – Flaggschiff mit Current-Mode-Technologie

Questyle-Entwickler Jason Wang hat sich durch seine sehr konsequente Art der Perfektionierung etablierter Technologien in der Szene einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Mit dem neuen DAC/Kopfhörerverstärker CMA Fifteen bringt er nun eine weitere Steigerung des Questyle-Prinzips in den Handel. Bei seinem neuen Hightech-Flaggschiff kommen nicht nur Kopfhörer-Enthusiasten auf ihre Kosten. LowBeats verrät, was der State-Of-The-Art-Questyle noch besser kann und zeigt die Unterschiede zum kleineren Modell Twelve auf.

Viele Wege führen nach Rom, lautet ein bekanntes Sprichwort. Das Prinzip trifft auch auf die Signalverarbeitung im Bereich Musikwiedergabe zu. Welcher Weg, oder welches Schaltungskonzept am Ende das Beste ist, um das Musiksignal so perfekt wie möglich von der Quelle bis zu den Lautsprechern zu bringen, endet nicht selten in sehr theoretischen bis philosophischen Vorträgen.

Beispiel Verstärkung: Vielen gilt das Class-A-Verstärkerprinzip aufgrund nicht vorhandener Übernahmeverzerrungen zwischen den Halbwellen als der klangliche Königsweg, ist aber energietechnisch sehr ineffizient. Gerade Schaltverstärker nach dem Class-D-Prinzip stehen demgegenüber im Ruf, wenig musikalisch zu sein. Trotz meist überlegener Messwerte und höchster Energieeffizienz. Viele Jahre war dieses „Vorurteil“ mit den eigenen Ohren auch leicht nachzuvollziehen. Doch kontinuierliche Weiterentwicklungen im Bereich Class-D, sowie neue Erkenntnisse über die zahlreichen Einflüsse innerhalb einer Schaltung lassen die Grenzen verschwimmen. Einige der besten mir bekannten Class-D-Amps, wie der Aavik I-580 (Testbericht) nehmen es selbst mit den feinsten und teuersten Class-A-Boliden auf und sind dabei viel kompakter, leistungsstärker und Energieeffizienter.

Ähnlich sieht es auch bei anderen Fragen des Schaltungsdesigns aus. Es gibt immer wieder Entwickler/Hersteller, die mit einem ganz besonderen Schaltungskniff quasi den Stein der Weisen gefunden haben wollen. So wie Questyle, die schon seit langem in ihren DAC/Kopfhörerverstärkern auf die sogenannte Stromverstärkung (Current Mode Amplification, kurz CMA) setzen.

Was daran so besonders ist, möchte ich hier gar nicht von Anfang an ausführen, denn das hat mein lieber Kollege und LowBeats Technik-Spezialist Jürgen Schröder schon in aller Ausführlichkeit und viel kompetenter getan, als ich an dieser Stelle könnte. Technik-Interessierte werfen daher bitte auch gerne einen Blick in Jürgens Test des Questyle CMA600i. Oder in einen seiner vielen anderen Questyle-Berichte auf LowBeats. Der Questyle CMA Fifteen erlaubt mir, eine andere Perspektive auf die Komponenten des chinesischen High-End-Herstellers einzubringen: die von oben.

Manche sagen mir nach, ich hätte ein besonderes Talent dafür, praktische Schwächen in Audio- und anderen Technikprodukten aufzudecken. Drück mir irgendein technisches Ding in die Hand, und zwei Minuten später sage ich dir, was damit nicht stimmt, beziehungsweise wo es kleine Schwachpunkte in der Benutzerpraxis hat. Nicht, weil ich gezielt nach dem Haar in der Suppe suche, sondern weil ich einfach über Dinge stolpere, die anderen oft nicht auffallen. Tatsächlich bin ich auch diesmal kurz gestrauchelt. Doch keine Sorge: der Questyle CMA Fifteen verdient unbedingt Ihre Aufmerksamkeit – jedenfalls, wenn Sie auf der Suche nach einem wirklich großartigen DAC, Kopfhörer- und Vorverstärker sind, der eben noch bezahlbar ist.

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Der Questyle CMA Fifteen besitzt ein sehr solides und super präzise gefertigtes Gehäuse (Foto: F. Borowski)

Der Questyle CMA Fifteen vorgestellt

Auch wenn wir es hier nicht mit einem Unternehmen zu tun haben, das eine jahrzehntelange Historie und Tradition vorzuweisen hat: Der CMA Fifteen ist für Kenner der Marke sofort als echter Questyle erkennbar. Relativ kompakt, mit 10 mm dicker Alu-Beplankung und rundum ausgezeichnetem Gehäusefinish, wirkt das Gerät ungeheuer hochwertig. Klar, mit 2.500 Euro ist der Fifteen auch nicht gerade ein Billig-DAC. Doch seine Anmutung und Materialqualität wird in diesem Preisbereich nur von wenigen Konkurrenten erreicht. Ein echter Handschmeichler.

Die Front ist – ebenfalls Questyle-typisch – mit vielen Bohrungen für Kippschalter, LEDs, Kopfhöreranschlüsse und Lautstärkeregler versehen. Das vermittelt den Look einer Studio-Komponente, hat an dem schwarzen Gehäuse aber auch den Nachteil, dass die teils sehr kleinen Beschriftungen unter schlechtem Licht kaum bis gar nicht erkennbar sind. Viel zu prominent sind hingegen für meinen Geschmack die Logos für Current Mode Amplification, den im Inneren verbauten ESS-Chip und MQA. Aber Geschmacksachen bewerten wir ja nicht…

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Große Logos füllen eine der wenigen freien Flächen auf der Front. (Foto: F. Borowski)

Der sanft laufende Lautstärkeknopf ist mit einem motorisierten Alps-Poti verbunden. Zum Lieferumfang gehört nämlich auch eine IR-Fernbedienung. Neben der Lautstärke und Stummschaltung erlaubt diese die Kontrolle über die Eingangswahl, hat aber auch zahlreiche unbelegte Tasten. Zudem ist sie nicht sehr übersichtlich und passt mit ihrer Plastikanmutung so absolut gar nicht zu dem supersoliden Gehäuse des Fifteen. Aber besser als gar keine Fernbedienung ist sie allemal.

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Die mitgelieferte Fernbedienung ist ein rein funktionaler Bonus. Qualitativ passt sie nicht wirklich zum Fifteen. (Foto: F. Borowski)

Eine Besonderheit sind die drei Kopfhörerbuchsen. Eine für das aufstrebende Pentaconn-Format mit symmetrischem 4,4-mm-Stecker, eine symmetrische XLR4- und eine unsymmetrische 6,35-mm-Klinkenbuchse. Diese und den Rest der Bedienelemente teilt sich der Fifteen mit dem Modell Twelve (Testbericht), von dem er auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden ist, wenn da nicht die großen Logo-Aufdrucke wären.

Auch die vier Schalter zur Kopfhörer-Gain-Anpassung auf der Unterseite kennen wir bereits vom Twelve. Wesentliche Unterschiede kommen erst beim Blick auf die Rückseite zum Vorschein.

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Questyle CMA 15 Rückseite
Die Anschlüsse an der Rückseite (Foto: F. Borowski)
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Die Gain-Umschalter an der Unterseite. Wichtig: Immer alle auf die gleiche Position stellen (Foto: F. Borowski)
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Drei Dinge stechen hier ins Auge. So besitzt der Fifteen im Gegensatz zum Twelve einen analogen Cinch-Eingang, was seine Vielseitigkeit deutlich erhöht. Bei den digitalen Anschlüssen entfällt der Digitalausgang. Dafür gibt es neben dem bekannten USB-B Audio-Eingang nun auch eine USB-C-Buchse. Damit kann der Fifteen unkompliziert an Computer oder Notebooks angeschlossen werden, die keine USB-A-Ports mehr haben. Oder – und das macht ihn umso flexibler – zum direkten Anschluss an ein iPad mit USB-C-Port oder Smartphones, die einen OTG-Anschluss (On-The-Go) unterstützen. Mein iPhone 11 mit USB-C-auf-Lightning-Kabel erkennt den Fifteen aber nicht als Ausgabegerät. 

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Die zusätzliche USB-C-Buchse ist derzeit noch eine Seltenheit an DACs. Questyle geht hier mit gutem Beispiel voran (Foto: F. Borowski)
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Mittels USB-C kann der Fifteen u. a. direkt an kompatible iPads angeschlossen werden (Screenshot: F. Borowski)
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Der Analogeingang fehlt am kleineren Modell CMA Twelve. (Foto: F. Borowski)
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Die C-Buchse am Fifteen hat Priorität vor dem B-Anschluss. Wird hier ein kompatibles Gerät wie ein iPad Pro verbunden, ist die B-Buchse deaktiviert. 

Ohne angeschlossenes iPad kann das C-Kabel im Questyle eingesteckt bleiben und über die B-Buchse Musik gehört werden. Das macht die schnelle iPad-Verbindung zwischendurch einfacher, wenn man das Kabel nicht immer von der Rückseite abziehen muss. Übrigens, falls die Frage aufkommt: Ja, auf diese Weise kann Apple Music Lossless mit dem iPad und dem Questyle gehört werden.

Die dritte auffällige Abweichung zum Twelve: Statt eines 5 GHz-Moduls für eine proprietäre Funkverbindung setzt Questyle in seinem neuen Flaggschiff-KHV lieber auf ein Bluetooth-Modul mit LDAC-Unterstützung für drahtlose Zuspielung. Bluetooth ermöglicht zwar keine verlustfreie, bitperfekte Wiedergabe, doch die Praxistauglichkeit und damit die Einsatzvielfalt ist damit gewiss viel höher. 

Doch das sind nur die äußerlichen Unterschiede zum Twelve – richtig los geht es eigentlich erst unter der Haube. Hier setzt Questyle nämlich erstmals – wie auf der Front zu erkennen – auf einen ESS-Chip anstatt des bislang bevorzugten AKM. Kein geringerer als das ESS-Topmodell ES9038PRO werkelt im Fifteen. Dieser Chip ermöglicht die Wandlung von PCM mit bis zu 768 kHz Samplingrate und echte (native) DSD512-Verarbeitung. Wie anhand des Logos auf der Front zu erkennen, beherrscht der Fifteen auch MQA, und zwar als Full/Core-Decoder.

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Das Alps-Lautstärkepoti mit Motor zur Steuerung per Fernbedienung (Foto: F. Borowski)
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Das Bluetooth-Modul für drahtlose Verbindungen (Foto: F. Borowski)
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Die Hauptplatine mit der CMA-Schaltung (Foto: F. Borowski)
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Der Ringkerntransformator stammt vom kanadischen Spezialisten Plitron, der auch viele andere HiFi-Hersteller beliefert, wie beispielsweise Lumin. (Foto: F. Borowski)
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Und die Änderungen gehen noch tiefer. Womit ich doch noch mal kurz auf das Schaltungsdesign zu sprechen komme. Questyle hat sich gefragt: Wenn der Ausgang des DACs schon stromgeführt ist, warum verstärken wir das Signal nicht auch im Strommodus? Und genau das geschieht beim CMA Fifteen. Der ES9038PRO Current-Mode-DAC wird direkt mit vier Current-Mode-Verstärkern gekoppelt, die zusammen im vollständig symmetrischen Modus arbeiten, um eine „verlustfreie Reinheit“ auf Systemebene zu erreichen. Macht Sinn! Kurz zusammengefasst bietet Current Mode Amplification folgende Hauptvorteile: Es gibt keine Potenzialunterschiede, keine Kondensatoreffekte und es ergibt sich eine sehr viel höhere Bandbreite. Die Verzerrungswerte des Fifteen sind dadurch auch extrem niedrig und der Signal-/Rauschabstand ist enorm hoch.

Last but not least sei noch erwähnt, dass der Fifteen derzeit nur in Schwarz und nicht in der feschen goldenen Gehäusevariante anderer Questyle-Modelle erhältlich ist. Eine „Master“-Modellvariante mit Mainboard aus Keramik, wie beim Twelve und anderen, wird es nach Stand der Dinge vom Fifteen wohl nicht geben. Die Verfügbarkeit dieser speziellen Platinen hat sich, wie gemunkelt wird, wohl zerschlagen. Zumindest für den Moment.

Das Questyle Topmodell in der Praxis

Der CMA Fifteen ist kein Streamer, sondern für die Nutzung an Computern und anderen digitalen Quellen vorgesehen. Sein Anschluss und die Bedienung gestalten sich daher traditionell einfach. Quelle anschließen, Ausgänge verbinden, Netzkabel einstecken und den Kippschalter links an der Front umlegen. Power on! Wartezeit durch einen Bootvorgang gibt es hier nicht. 

Aber der Fifteen ist dankbar für eine gewisse Aufwärmzeit. Im Betrieb steigt seine Temperatur an der Oberseite gemessen immerhin auf über 30° C (im High-BIAS-Modus), und wird damit wärmer, als die von mir im Test angeschlossene Endstufe T+A A 200 (Testbericht).

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Im Test musste sich der Fifteen mit dem mehr als doppelt so teuren DAC 200 von T+A messen (Foto: F. Borowski)

Bevor ich mich mit seiner Kernkompetenz als Kopfhörerverstärker befasste, habe ich den Questyle erst mal als Vorverstärker an der T+A-Endstufe und den Wilson Audio TuneTot (Testbericht) in meinem Nahfeld-Setup getestet. Dank symmetrischer Konstruktion beider Komponenten setzte ich auf eine entsprechende XLR-Leitung als Verbindung. Und MANN klingt das gut!

Zuvor muss ich hier aber von einer kleinen, praktischen Einschränkung berichten. Mein üblicher Stolperer, wenn man so will. Elektrisch spricht nichts gegen diese Verbindung aus Questyle und T+A A 200. Aber der Fifteen ist etwas zu „laut“. Soll heißen, der Regelweg des Lautstärkeknopfes ist eingeschränkt, weil schon etwa bei 10-Uhr-Stellung ein sehr hoher Pegel erreicht ist. Umgekehrt bedeutet das, für sehr geringe Pegel muss der Regler nahe an seinem linken Anschlag eingestellt sein. Und Schleifbahn-Potis, egal wie gut sie sind, haben nun mal in diesem Bereich die höchste Kanal-Ungleichheit.

Im Gegensatz zu den Kopfhörerausgängen des Fifteen, ist der Vorstufenausgang leider nicht mittels Gain-Schalter weiter abzuschwächen. Man kann ihn über einen Schalter an der Rückseite nur noch lauter von 14dBu auf studio-typische 20dBu einstellen. Kurz gesagt: Die Ausgangsspannung des Fifteen ist für den Pro-Audio-Bereich in Ordnung, aber für manche HiFi-Endstufen (wie die T+A) eindeutig zu hoch, was zu der geringen Lautstärkespreizung führt. Hier muss man bei der Endstufenwahl etwas genauer hinschauen…

Die Analogausgänge lassen sich zwischen Festpegel und geregelt umschalten. Außerdem können sie für Studioanwendungen auf 20dBu umgeschaltet werden. (Foto: F. Borowski)

Davon abgesehen gibt es die Möglichkeit, die Ausgänge auf Festpegel umzuschalten, um den Fifteen als reinen DAC etwa an analogen Vollverstärkern mit eigener Lautstärkeregelung zu nutzen.

Die Umschaltung zwischen dem Vorstufen- und den frontseitigen Kopfhörerausgängen erfolgt über den „Function“-Kipphebel. Die Beschriftung „DAC <> HP AMP“ finde ich dabei etwas irreführend, denn stellt man ihn auf letztere Position, arbeitet das Gerät ja dennoch als DAC. Noch so ein kleiner Stolperer.

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Der Function-Hebel schaltet zwischen Vorstufen- und Kopfhörerausgängen um (Foto: F. Borowski)

Der Schalter daneben mit der Bezeichnung „BIAS Control“ sorgt dafür, dass die Ausgangsstufen unabhängig von der angeschlossenen Last in Stellung „High“ im verzerrungsarmen Class-A-Betrieb arbeiten, statt gleitend im AB-Betrieb. BIAS High bedeutet einen höheren Stromverbrauch, aber bei einem gemessenen Unterschied von etwa drei bis maximal vier Watt gibt es eigentlich keinen ernsthaften Grund, den High-Bias-Modus nicht dauerhaft zu nutzen. Um genau zu sein: Der Verbrauch im Betrieb liegt bei „Standard“-BIAS um 16-17 Watt, mit High-BIAS bei knapp unter 20W. Ist der Power-Schalter auf Off, sind es 0W. Einen Standby-Modus gibt es nicht.

Was ambitionierte Kopfhörerfans möglicherweise vermissen werden, ist eine Crossfeed-Schaltung. Zumindest Roon-Nutzer können diese aber über die DSP-Features in der Roon-App auf digitaler Ebene realisieren.

Klangtest: It’s a Match!

Wenn Sie diesen Test bis hier hin gelesen haben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Ihnen der Questyle CMA Fifteen äußerlich sehr gut gefällt. Glück gehabt! Denn auch klanglich weiß dieser DAC/Kopfhörer-/Vorverstärker absolut zu überzeugen.

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Im Test kamen hauptsächlich der Fostex TH909 und der Focal Clear Mg zum Einsatz (Foto: F. Borowski)

Das Speaker-Setup habe ich oben ja schon erwähnt. Für den Kopfhörertest nutzte ich ein halbes Dutzend verschiedene Over-Ears unterschiedlichster Preisklassen, hauptsächlich aber den hier getesteten Fostex TH909. Der besticht mit einer für dynamische Kopfhörer überragend guten Klarheit und Brillanz mit hyper-präziser und dabei tiefreichender Basswiedergabe, ist aber im Hochtonbereich manchmal etwas … überambitioniert. Sprich, er kann schon mal etwas spitz und anstrengend klingen. Als Gegenpol kam der Focal Clear MG zum Einsatz, ein ca. 1.700 Euro teurer offener Over-Ear, der ein völlig anderes Klangbild als der Fostex liefert. Nämlich viel sanfter, vergebender, mit wärmeren Mitten und niemals nervigen Höhen, dafür aber nicht ganz so sauberen Bässen und nicht so glockenklar.

Der CMA Fifteen weiß die Qualitäten dieser beiden Kopfhörer ultimativ gut herauszuschälen. An keinem anderen Kopfhörerverstärker habe ich die unterschiedlichen Charaktere dieser Hörer bislang so gut analysieren können. Dabei zeigt sich nicht nur, wie unglaublich präzise der Fifteen zu Werke geht, sondern auch, wie feinfühlig er mit dem kostbaren Gut Musik zu Werke geht. Nicht umsonst haben andere Questyle-Komponenten in der LowBeats Zentrale lange Zeit als Arbeitsreferenzen gedient, und tun es noch heute.

Mir fehlte bei diesem Test leider ein direkter Vergleich mit einem seiner Vorgänger. So kann ich Ihnen nicht berichten, ob und welche Konsequenzen der Wechsel von AKM- zu ESS-DAC-Chips mit sich bringt. Ich höre hier nur das durchweg überzeugende Gesamtbild des Fifteen. Als Konkurrenz musste er sich dem T+A DAC 200 stellen. Der Herforder setzt eigentlich etwas andere Prioritäten, mehr in Richtung Vorstufe. Aber sein integrierter Kopfhörerverstärker, für den nur ein Pentaconn-Anschluss zur Verfügung steht, ist alles andere als eine billige Dreingabe.

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Questyle CMA 15_09 Buchsen
Alle wichtigen Kopfhöreranschlüsse vorhanden: Pentaconn, 6,35mm Klinke und XLR4. (Foto: F. Borowski)
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Einzelne LEDs für Samplingrate, Modus und Eingang. (Foto: F. Borowski)
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In Anbetracht des Preisunterschiedes (CMA Fifteen = €2.500, DAC 200 = €5.490) dürfte die Sache zumindest für absolute Kopfhörerfans klar sein. Der Fifteen hält in allen Belangen locker mit dem DAC 200 mit und bietet darüber hinaus für meinen Geschmack sogar noch etwas mehr natürlichen Schmelz in der Musik – ein Träumchen!

Als Vorverstärker betrachtet kehrt sich das Bild um. Der T+A zieht dem Questyle mit einer etwas besseren Impulskontrolle und weiterer Klangbühne bei zugleich etwas höherer Abbildungsschärfe knapp davon. Außerdem bietet der T+A dank seiner mit Präzisionswiderständen realisierten Lautstärkeregelung auch bei niedrigsten Pegeln eine stabile Stereomitte. Von seinem Funktionsumfang mal ganz abgesehen. Doch was der „Fuffzehn“ hier an Musikalität und mitreißenden Klangfarben bietet, ist in seiner Preisklasse schon phänomenal.

Damit sind die beiden Kontrahenten gemäß ihrer Prioritäten und dem Preisunterschied bestens einsortiert und den meisten Herausforderern ihrer jeweiligen Klasse klar überlegen.

Nicht nur für die primär von mir genutzten Kopfhörer (die beide einen recht hohen Wirkungsgrad und relativ niedrige Impedanz aufweisen) habe ich die Gain-Schalter an der Unterseite auf „Low“ gestellt. Dennoch erschien mir der Regelweg des Lautstärkeknopfes noch als zu eingeengt. Über 12-Uhr-Stellung konnte ich selten gehen, ohne meine Trommelfelle zu gefährden. Mit dem 600-Ohm beyerdynamic T 1 (II) ging es etwas besser, aber auch damit beließ ich es bei Low Gain. Hier würde ich mir eine etwas größere Spreizung der Regelung für empfindlichere Kopfhörer wünschen. Und insbesondere auch für die Nutzung als Vorstufe. Siehe oben.

Fazit: ein Bilderbuch-Kopfhörerverstärker

Zugegeben: Die Spreizung der Lautstärkeregelung empfinde ich vor allem im Vorverstärkerbetrieb als zu gering. Die Ausgangsspannung ist zu sehr auf Profibedürfnisse denn auf HiFi ausgelegt. Auf die Gesamtbewertung wirkt sich das nur geringfügig aus, denn klanglich überzeugt der Questyle CMA Fifteen als Kopfhörerverstärker auf ganzer Linie. Das Konzept mit seinem integrierten DAC und der Schaltung mit konsequent durchgehender Stromverstärkung geht musikalisch voll auf. Kopfhörer-Enthusiasten werden diesen CMA Fifteen lieben.

Auch in Sachen Bedienung gefällt der „große“ Questyle mit seiner sympathisch schnörkellosen und unkomplizierten Art mit Kippschaltern und griffigem Drehregler. Dank der funktionalen Änderungen gegenüber dem Modell CMA Twelve – zusätzlicher Analogeingang, USB-C und Bluetooth – ist er außerdem noch vielseitiger geworden. Nicht zuletzt ist die Gehäusequalität allererste Sahne.

Questyle CMA Fifteen
2022/04
Test-Ergebnis: 4,6
Überragend
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Spitzen-Klang und -Verarbeitung
Variabler Gain (nur Kopfhörer) und Bias
Fixed und variable Analogausgänge, drei Kopfhöreranschlüsse
Ausgangsspannung für manche HiFi-Endstufen zu hoch

Vertrieb:
NT Global Distribution GmbH
Waller Heerstr. 104
28219 Bremen
https://nt-global.de/

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Questyle CMA Fifteen: 2.500 Euro

Technische Daten

Questyle CMA Fifteen
KonzeptDAC, Kopfhörerverstärker und Vorverstärker
Ausstattung:ES9038Pro DAC, IR-Fernbedienung
Besonderheiten:Internes Linearnetzteil, Current Mode Amplification, Unterstützung für PCM 768kHz und DSD512, umschaltbarer Bias, Gain-Anpassung, USB-C
Eingänge/Ausgänge:
Digital In: USB-B und -C, S/PDIF coax und optisch; Bluetooth. Analog In: Cinch. Analog Out: XLR, Cinch; Kopfhörer: 4,4mm und XLR4 symmetrisch, 6,35mm Klinke
Abmessungen
(B x H x T):
33,0 x 5,5 x 20,0 cm (ohne Buchsen)
Alle technischen Daten

Autor: Frank Borowski

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LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.