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T+As neue 200-Serie im Midi-Format sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch High-End in Reinkultur. Wir haben den DAC 200 und die Endstufe A 200 auf dem Prüfstand. (Foto: F. Borowski)

Test T+A DAC 200 und Endstufe A 200 – maximaler Musikspaß im Midi-Format, Made in Germany

Als ich Anfang 2020 auf den Norddeutschen HiFi-Tagen erstmals den T+A Kopfhörerverstärker HA 200 in Natura erblickte (Testbericht), war mein erster Gedanke Wow, der sieht wirklich fantastisch aus! Davon müsste es eine ganze Serie geben.“ Doch wahrscheinlich haben die T+A-Macher selbst schnell erkannt, dass sie mit dem HA 200 einen nicht nur technischen, sondern auch optischen Volltreffer gelandet haben. Da war die Entwicklung der 200er Serie in eben diesem Design eine schnell beschlossene Sache – und der LowBeats Test des T+A DAC 200 plus der passenden Endstufe A 200 eine Selbstverständlichkeit.

Die neue T+A 200-Serie schließt in gewisser Weise die Lücke durch die seit einiger Zeit nicht mehr erhältliche 8er-Serie, ohne deren offizielle Nachfolge anzutreten. Mit dem eingesetzten technischen Aufwand ist die neue Serie höher positioniert, was sich auch im Preis widerspiegelt. Jedenfalls hat T+A damit wieder eine Serie aus relativ kompakten (32 × 34 cm Stellfläche) Einzelkomponenten im Angebot. Die Preise sind wie folgt:

  • A 200 3.790 Euro
  • MP 200 4.390 Euro
  • DAC 200 5.490 Euro
  • HA 200 6.600 Euro
  • HDMI-Bord (opt.) 400 Euro

Kenner wissen, dass die neue Serie 200 keineswegs aus dem Nichts kommt, sondern ihre Wurzeln weit in die Vergangenheit reichen: Sie soll sich an der Designsprache der legendären M-Anlage aus dem Jahr 1993 orientieren. Ähnlichkeiten zur Komplettanlage 820 M sind in der Tat unverkennbar, doch irgendwie wirken die neuen 200er-Komponenten optisch noch mal deutlich ausgewogener.

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TA M-Serie 820
Das Vorbild der neuen 200-Serie: Die M-Anlage 820 aus den 90ern (Foto: T+A)
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Und hier die neue 200-Serie, ohne den Kopfhörerverstärker HA 200 (Fotos: T+A)
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Vom „Familienbegründer“ HA 200 abgesehen besteht die T+A-Serie 200 aus drei neuen Mitgliedern: Dem Multi Source Player MP 200, der Wandler-Vorstufe mit Kopfhöreranschluss DAC-200 und der Stereo-Endstufe A 200. Die beiden Letzteren hatten nun ihr Stelldichein auf dem LowBeats Prüfstand. 

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Die neue Serie 200 bestehend aus dem MP 200 Multiplayer und dem hier getesteten DAC 200 und der Endstufe A 200 (Foto: T+A)

T+A DAC 200 und A 200 im Rampenlicht

Als Schaltzentrum fungiert der DAC 200, der auf den ersten Blick vom Kopfhörerverstärker HA 200 kaum zu unterschieden ist. Hier die beiden im Vergleich:

T+A DAC200 und HA200
Who is who? Der neue DAC 200 (oben) übernimmt das grandiose Design des HA 200 fast 1:1. Einschließlich der hübschen Zeigerinstrumente. (Fotos: T+A)

Der DAC 200 ist aber nicht als hochspezialisierter DAC mit Kopfhörerverstärker ausgelegt, sondern eher als klassische DAC-Vorstufe, die auch über einen hochwertigen Kopfhörerausgang mit symmetrischem 4,4 mm Pentaconn-Anschluss verfügt. Selbe Funktionen, andere Prioritäten – sozusagen.

Technisch basiert der Herforder Nachwuchs auf der hauseigenen „Modularen High End Architektur“ (MHA) und erbt viel Technik aus der T+A-Topserie HV. Dank dieser Gene verdaut beispielsweise der DAC 200 DSD 1024 und PCM 768-Dateien mittels einer aufwändigen, komplett selbst entwickelten Wandlersektion. Dabei soll die Einmaligkeit der T+A True-1-Bit Technologie im DAC 200 und anderen Wandlern des Unternehmens nicht zu kurz kommen.

Gerade diese Sektion geht weit über das hinaus, was oft als „selbst entwickelter Wandler“ (auf Basis standardisierter ICs) tituliert wird. T+A Technikleiter Lothar Wiemann sagt dazu: „Unsere völlig diskrete True-1-Bit Technologie ist schon einmalig und meines Wissens auch die Einzige, die derzeit in der Lage ist, ein DSD Signal völlig unverfälscht und bitgenau zu wandeln.“

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Erster Blick nach dem Auspacken: Wun-der-schön! Und wahlweise auch in Silber erhältlich (Foto: F. Borowski)
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Eine typische T+A-Front, aber jetzt mit den tollen neuen Zeigerinstrumenten veredelt (Foto: F. Borowski)
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Seitenansicht: Die Endstufe A 200 kommt mit vergleichsweise kleinen Kühlrippen aus und ist lüfterlos (Foto: F. Borowski)
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Natürlich bietet der DAC 200 zahlreiche Anschlussmöglichkeiten für Zuspieler aller Art. Auf digitaler Ebene nimmt er Signale via USB, S/PDIF (optisch und elektrisch), AES/EBU, sowie optional HDMI an. Für analoge Zuspieler steht ein (unsymmetrischer) Cinch-Eingang bereit. Per Cinch- und XLR-Ausgang nimmt der DAC 200 Verbindung zu Endstufen oder Aktivlautsprechern auf.

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Die Rückseite des DAC 200 (Foto: T+A)

Die Stereo Endstufe A200 bietet trotz ihrer kompakten Maße beträchtliche Ausgangsleistung: 2x 125 W an 8 und 2x 250 W an 4 Ohm treiben problemlos die meisten Lautsprecher dieses Planeten. Natürlich arbeitet auch dieser Verstärker von T+A mit der hauseigenen HV-Schaltungstechnik in der Spannungsverstärkerstufe. Diese sorgt mit hoher Betriebsspannung für eine besonders lineare Wiedergabe und hohe Dynamik. 

Die Leistungsstufe basiert auf der – auch aus anderen Verstärkern wie NAD bekannten – Eigentakt-Schaltung von Purifi. Das ist eine Class-D-Variante, die kurz gesagt deren Nachteile wie Schaltverzerrungen vermeidet. T+A hat für diese aus Dänemark stammende Technologie eine Entwicklerlizenz. Die Herforder müssen also kein Modul von der Stange einsetzen, sondern konnten die Schaltung komplett für den eigenen Bedarf optimieren. Dadurch konnte auch auf Verbindungen über Multikontakt-Steckbrücken verzichtet werden, die viele zusätzliche und sich über die Zeit verändernde Übergangswiderstände mit sich bringt. Und natürlich kommt auch ein Spezial-Netzteil zum Einsatz: Eines, das genau auf die Ansprüche der Schaltung entwickelt wurde – ein sehr laststabiles Hochfrequenz-Sinus-Netzteil.

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Die Rückseite des A 200 (Foto: T+A)

Das Ganze wird in der A 200 mit der hauseigenen Hochvolt-Technologie aus der HV-Serie kombiniert, deren Schaltung mit einer deutlich höheren Spannung arbeitet als gemeinhin im HiFi üblich. Das erhöht die Dynamik.

Noch eine Besonderheit: Die Purifi-Technik ermöglicht einen extrem hohen Dämpfungsfaktor, was im Prinzip der Basskontrolle zugutekommt. Das Ergebnis hängt aber in hohem Maße von den angeschlossenen Boxen ab. Manche Modelle klingen konstruktionsbedingt mit geringerem Dämpfungsfaktor der Endstufe harmonischer. Die A 200 bietet aus diesem Grund eine Umschaltung auf einen verringerten Dämpfungsfaktor über die Taste „DF LO“ ohne damit die Gegenkopplung zu beeinträchtigen. Auch das ist eine T+A-Innovation. Der Nutzer kann so selbst per Tastendruck ermitteln, welche Einstellung mit den eigenen Boxen besser gefällt. Wie genau diese Absenkung des Dämpfungsfaktors funktioniert, wollte Noch-Entwicklungsleiter Lothar Wiemann auf Nachfrage aber lieber nicht enthüllen – Betriebsgeheimnis.

Die 200-Serie in der Praxis: wahre Multitalente

Die Verkabelung und Inbetriebnahme des Duos DAC 200/A 200 ist trotz der zahlreichen Anschlussoptionen kein Buch mit sieben Siegeln. T+A-Neulinge sollten zunächst einen Blick auf die „E2 LINK“-Buchsen werfen. Über das mitgelieferte handelsüblich RJ45 Ethernetkabel erfolgt die Kommunikation zwischen DAC und Endstufe, um die Komponenten mit nur einem Tastendruck ein- und ausschalten zu können. Wird auch der MP 200 als Dritter im Bunde eingesetzt, sollte dieser über „SYS IN“ und zusätzlich „USB SYS“ verbunden werden, so die Empfehlung von T+A. Der E2-Link ist beim MP 200 nicht erforderlich.

Das analoge Ausgangssignal des DAC 200 kann wahlweise unsymmetrisch über Cinch oder symmetrisch via XLR an die Endstufe A 200 (oder andere) übertragen werden. Ich habe mich für XLR entschieden. Die Endstufe A 200 verfügt zusätzlich über einen XLR-Ausgang für den Anschluss eines weiteren A 200 Endverstärkers, z. B. für den Bi-Amping-Betrieb. Das funktioniert aber nur, wenn auch die Vorstufe symmetrisch an der A 200 angeschlossen ist. Gebrückter Betrieb ist nicht möglich.

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Rückansicht: Für die Verbindung zwischen DAC und Endstufe ist XLR die erste Wahl. Das RJ45-Kabel dient hier als Steuerleitung zwischen den Komponenten. (Foto: F. Borowski)

Für die Lautsprecher hat der A 200 zwei Stereo-Terminals mit insgesamt acht Buchsen für zwei Paar Lautsprecher (A und B) im Angebot. Zum Schluss die Stromversorgung: Wie bei T+A schon lange üblich und löblich: Die Kaltgerätebuchsen für die Netzkabel sind mit einer Phasenmarkierung versehen (der weiße Punkt links neben den Buchsen).

Die Vorzüge des optionalen HDMI-Boards

Für 400 Euro Aufpreis ist ein (werksseitig zu installierendes) Board mit drei HDMI-Anschlüssen erhältlich. Etwa für Blu-ray-Player (HDMI IN 1 und 2) und TV (Buchse „OUT (ARC)“) für CEC-Steuersignale und Ton. 

Das HDMI-Board ist nicht einfach dem Trend für eine einfache Tonanbindung des Fernsehers geschuldet. Das geht über die HDMI-ARC-Buchse zwar auch, aber wichtiger sind eigentlich die beiden ersten HDMI-Buchsen. Diese dienen – ganz nach dem audiophilen Konzept des Wandlers und seiner DSD-Fähigkeiten – einerseits zum Anschluss von SACD-Playern und HDCD-fähigen Blu-ray-Playern zur optimalen Nutzung der einzigartigen T+A 1-Bit Wandlertechnik. Andererseits können hierüber auch Quellen wie Chromecast-Player oder Apple TV angeschlossen werden, die nur HDMI als audiofähigen Digitalausgang besitzen. 

Eine weitere lobenswerte und nachahmenswerte Lösung: Die CEC-Unterstützung (Steuersignale via HDMI) kann im DAC 200 in drei Stufen konfiguriert werden: aus, nur Lautstärke, Lautstärke plus Quellenumschaltung. Damit kann beeinflusst werden, inwieweit der TV Kontrolle über den DAC haben soll. Ungewollte Reaktionen des DAC lassen sich damit recht zuverlässig ausschließen.

Die Systemfernbedienung

Bevor wir das System starten, noch ein Blick auf die jeweils beim DAC 200 und MP 200 mitgelieferte Systemfernbedienung. Der handliche IR-Sender mit Alu-Gehäuse bietet Tasten für die Eingangswahl, Lautstärke, Mute, Menüsteuerung und weitere Features. Wird nur der DAC 200 eingesetzt, sind einige Tasten ohne Funktion. Diese sind für den MP 200 vorgesehen. 

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Die schicke und handliche Systemfernbedienung (Foto: F. Borowski)

Etwas umständlich gestaltet sich der Wechsel der internen Knopfzelle der Fernbedienung, wenn die nach ein paar Jahren leer ist. Dafür müssen an der Unterkante zwei Inbus-Schrauben entfernt werden, wofür T+A sogar extra einen Inbus-Schlüssel mitliefert; ein kleiner Akku und Aufladung via USB-C wäre sicher die modernere Lösung gewesen. Da solche Standards immer mal wieder wechseln (bei USB-C wohl nicht so schnell) ist die gute alte Knopfzelle aber die langzeittauglichere Lösung. Schließlich sind diese Geräte wie dafür geschaffen, an die Kinder und Enkel vererbt zu werden.

Klick… Klack… Auf Zack!

Relais. Viele. Bei T+A gehört das satte Klicken der kleinen Schaltelemente seit jeher zum guten Ton. Sei es beim Ein- und Ausschalten, der Quellenwahl oder dem Umschalten der Ausgänge, oder noch eindringlicher bei der hochpräzisen Lautstärkeregelung mit ihrem diskreten Widerstandsnetzwerk. Der Dreh an dem satten Alu-Knopf an der Front klingt wie ein zu schnell laufender und im Pegel verstärkter Sekundenzeiger. Tick-Tack-Tick-Tack-Tick… Das hat schon einen ganz eigenen Charme. Diese Art der Lautstärkeregelung hat auch im untersten Regelbereich absolute Kanalgleichheit und unterliegt keinen Alterungserscheinungen durch Korrosion, wie bei herkömmlichen Potis.

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Im Hintergrund: Der Silent Angel Rhein Z1 (Roon Core) und darüber in Schwarz der Melco S100 Switch. (Foto: F. Borowski)

Im Gegensatz zu früheren Lautstärkereglern, wie ursprünglich beim PA 2500 R , hat T+A inzwischen die Steuerungslogik dahinter optimiert. Musste man beim PA 2500 R (mit der ersten Firmware) noch wie irre am Knopf schrauben, um größere Pegelwege zu überbrücken, wird jetzt zwischen einem langsamen und schnellen Dreh unterschieden. Bei Letzterem werden größere Sprünge gemacht, so dass mit einem flotten 90-Grad-Dreh deutlich lauter oder leiser gestellt werden kann. Die „Übersetzung“ der Regelung ist sehr gut gelungen.

Überhaupt ist die ganze Bedienung der 200-Serie ein wahrer Genuss. Die Tasten und Knöpfe sind wie eh und je bei T+A von hervorragender haptischer Qualität mit deutlichem Druckpunkt beziehungsweise satter Rasterung. Dazu sind die Gehäuse fantastisch verarbeitet und von hoher Anfassqualität.

Beim Endverstärker A 200 ist nicht viel einzustellen. Neben der Wahl der aktiven Lautsprecherausgänge (A oder B oder A+B) muss nur noch die für die eigenen Boxen bessere Einstellung des Dämpfungsfaktors gefunden werden, wie weiter oben beschrieben. Und es gibt einen deaktivierbaren „Energiesparmodus“, der das Gerät nach 30 Minuten ohne Signal in Standby schaltet. Erwähnenswert ist noch, dass die lüfterlose Class-D-Endstufe mit vergleichsweise kleinen seitlichen Kühlkörpern auskommt, das Gerät dabei aber selbst bei hohen Pegeln kaum mehr als handwarm wird. Tatsächlich wird der DAC 200 im normalen Betrieb sogar etwas wärmer als die Endstufe. Der Stromverbrauch hält sich dank der hohen Effizienz der Schaltung ebenfalls in Grenzen. In Standby sind es übrigens bei beiden Komponenten EU-konform weniger als 0,5 W.

Der DAC 200 ist eine wahre Spielwiese mit hohem Nerd-Faktor, ohne dabei diejenigen zu überfordern, die einfach nur mit ein, zwei Tastendrücken Musik genießen wollen. Ein Spielfeld mit Unterhaltungswert bieten die beiden aus dem Kopfhörerverstärker HA 200 bekannten Zeigerinstrumente im DAC 200. Die sehen nicht nur echt hübsch aus, sondern zeigen auch mehr als nur den aktuellen Ausgangspegel an. In folgendem Video (1:55 Min.) sehen Sie eine kurze Zusammenfassung der Funktionen:

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Nachtrag zum Video: Wie ich später herausfand, war die Taktabweichung meiner Quelle auf eine falsche Konfiguration im Trinnov zurückzuführen. Nachdem ich das korrigiert habe, lag die Taktgenauigkeit fast genau auf Null, so wie auch bei den anderen Quellen, die ich ausprobiert habe. Auf diese Weise hat mir dir Anzeige des T+A also einen wertvollen Hinweis gegeben, dass da etwas nicht ganz stimmt.

Mit dem aus anderen T+A-Geräten bekannten monochromen Display bietet der DAC 200 ein deutlich größeres Informationsfenster als der nicht mehr erhältliche DAC 8 DSD. Über die Taste „MENU“ an der Front oder einen langen Druck auf die Taste „F1“ der Fernbedienung gelangt man in die Systemeinstellungen. Diverse Parameter sind hier konfigurierbar. Etwa, welche Eingänge aktiv und ob der Pre-Out variabel oder fixed sein soll. Zusätzlich finden verspielte Naturen hier die Möglichkeit, die Helligkeit der Tasten-LEDs und die Farben der Zeigerbeleuchtung zu variieren. Hierzu wieder ein kurzes Video (2:38 Min.): 

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Der Kopfhörerverstärker im DAC 200

Ein sehr wichtiges Feature des DAC 200 ist sein Kopfhörerausgang. Dahinter verbirgt sich zwar nicht dieselbe aufwändige Schaltung wie in dem spezialisierten DAC/Kopfhörerverstärker HA 200, aber es handelt sich dennoch um eine diskret aufgebaute symmetrische Schaltung für hohe Klangansprüche mit Spitzenkopfhörern. Der Ausgang lässt sich über die daneben liegende Taste ein- und ausschalten. Im Kopfhörerbetrieb können die Lautsprecher wahlweise mitspielen, aber weil das nicht die Regel sein dürfte, muss zusätzlich der Pre OUT über die Taste „OUT“ deaktiviert werden, um die Lautsprecher stumm zu schalten. – Oder man deaktiviert den Lautsprecherausgang an der Endstufe.

Hierbei ist zu beachten, dass die Lautstärke zwischen dem Kopfhörer und den Lautsprechern bei gleichem Pegel sehr unterschiedlich sein kann. Der DAC 200 hat keine Anpassung für die Kopfhörerempfindlichkeit und der Pegel von Lautsprecher und Kopfhörer kann auch nicht getrennt eingestellt werden. So kann es passieren, dass nach dem Kopfhörergenuss und dem wieder Aktivieren des Pre OUT die Lautsprecher sehr laut eingestellt sind.

Sehr außergewöhnlich und mutig ist die Entscheidung, den DAC 200 ausschließlich mit einem symmetrischen 4,4 mm Pentaconn-Anschluss für Kopfhörer auszustatten. Da geschätzt 99% aller derzeit in Kundenhand befindlichen Kabel-Kopfhörer über 3,5 oder 6,35 mm Klinke verfügen dürften (einige wenige über 2,5 mm oder XLR), ist für deren Anschluss an den DAC 200 stets ein optionaler Adapter erforderlich. Dennoch finde ich die Entscheidung von T+A gut und richtig.

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Für Kopfhörer steht am DAC 200 eine symmetrische Pentaconn-Buchse bereit (Foto: F. Borowski)

Pentaconn hat diverse Vorteile. Neben der symmetrischen Verbindungsmöglichkeit, mit getrennten Masseleitungen für beide Kanäle bietet die zugehörige Buchse eine viel höhere Kontaktsicherheit als die bislang üblichen Klinkenbuchsen. Der Stecker ist mit 4,4 mm Durchmesser und einer Länge von 20 mm klein genug, um auch an Mobilgeräten Verwendung zu finden und zugleich sehr stabil. Optisch ist die Buchse in der Front des DAC 200 zudem eine viel dezentere Lösung, als 6,35 mm Klinke oder gar der für einen XLR4-Stecker nötige riesige Krater. Schon jetzt setzen immer mehr Kopfhörer- und Elektronikhersteller bei Neugeräten auf Pentaconn, sodass sich dieser Anschluss hoffentlich schnell auf breiter Front durchsetzen wird.

Alles in Allem ist die Anschlussvielfalt der T+A-Komponenten großartig. Es gibt nur zwei kleine Einschränkungen. Erstens: Es ist nur ein analoger Line IN vorhanden und Plattenspieler können nur über eine separate Phonovorstufe angeschlossen werden. Zweitens: Einen dedizierten LFE-Ausgang für Subwoofer gibt es nicht. Aktive Subs können zwar parallel zu der XLR-Verbindung für die Endstufe per Stereo-Cinch am „Analog OUT 2“ angeschlossen werden, wobei der Sub aber einen möglichst hochohmigen Eingang (ca. 10 kOhm) haben sollte. Ansonsten wird die symmetrische Störsicherheit des XLR-Ausgangs durch die zusätzliche Verbindung reduziert.

Der Hörtest: Veni, Midi, Vici!

„Ich kam, sah und siegte“ lautet das geflügelte Wort des Julius Cäsar. Lateinisch: veni, vidi, vici. Nach dem was die im Midi-Format konzipierten 200er-Komponenten von T+A im Klangtest ablieferten, lag das Wortspiel in der Kapitelüberschrift auf der Hand.

Gehört habe ich den DAC 200 und A 200 in zwei sehr unterschiedlichen Ketten. Einmal in meiner Wohnrauminstallation, angeschlossen an die Børresen 02 SSE Standlautsprecher, und danach in einer Nahfeldinstallation an meinem Desktop mit den Wilson Audio TuneTot.

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Wohnraum: Mit dem Trinnov Amethyst als Quellenlieferant spielte das T+A-Duo an den Børresen 02 SSE traumhaft gut (Foto: F. Borowski)

Als Quelle diente in beiden Fällen der Silent Angel Rhein Z1 als Roon Core und Server. Die Netzwerkverteilung erfolgte über den Melco S100 Switch. Den Streaming-Part übernahm im Wohnraum-Setup der geniale Trinnov Amethyst mit seiner unerreicht guten Raumkorrektur, angeschlossen am DAC 200 mittels Wireworld Platinum Starlight 8 Digitalkabel (siehe Beschreibung innerhalb dieses Testberichtes). Am Desktop habe ich den DAC 200 von meinem Mac und Roon per USB (über einen iFi Audio micro iUSB 3.0) mit Musik versorgt. In beiden Testumgebungen kam die Musik teils online von Qobuz, und teils von einer lokal am Z1 angeschlossenen SSD.

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Ultimatives Desktop-HiFi: DAC 200 und A 200 im Verbund mit den Wilson Audio TuneTot im Nahfeld (Foto: F. Borowski)

Erwartungsgemäß hatte die kleine, aber stämmige T+A-Endstufe mit keinem der angeschlossenen Schallwandler irgendwelche Probleme. Ganz im Gegenteil. Die A 200 harmonierte sowohl mit den 2,5-Wege Standlautsprechern von Børresen als auch den kompakten Wilsons phänomenal gut – und auf den Schlag hörbar besser als die meisten (Streaming-) Amps, die ich letzter Zeit auf dem Prüfstand hatte.

Zugegeben: Das T+A-Gespann ist mit zusammen 9.280 Euro (ohne den MP 200 Multi Player als Streamer) preislich weit oberhalb solcher Geräte, wie dem Cambridge Audio EVO 150 oder dem Lyngdorf TDAI 1120 angesiedelt. Aber das machte sich auch ohne direkten Vergleich sofort im Klangbild bemerkbar. Das hier spielt sich in einer viel höheren Liga ab.

Wie Sie vielleicht wissen, schätze ich keine ausufernden Detailbeschreibungen von isolierten Musikerfahrungen mit diesem oder jenem Titel. Ich halte es für zielführender, lieber einen Gesamteindruck zu vermitteln. Bei den beiden T+A-Testprobanden ist mir vor allem ihre Klarheit und Ehrlichkeit mit jeder Art von Musikmaterial in besonders positiver Weise aufgefallen – ohne auch nur das kleinste Haar in der Suppe finden zu können.

Überzeugend war beispielsweise die Darbietung der Herforder an den Børresens in Bezug auf die Ruhe im Klangbild, gepaart mit einer nonchalanten Art, den Speakern auch bei geringen Pegeln ein beeindruckendes Tieftonfundament zu entlocken. Das ging zwar nicht ganz so weit wie mit meinen aktuellen (und noch mal erheblich kostspieligeren) Referenzen Aavik I-580 (Vollverstärker) und D-280 (DAC), lag aber weit vor allem, was ich bisher in der Preisklasse um 10.000 Euro gehört habe.

Was T+A möglicherweise nicht so gerne hört: Mir gefiel die 200er-Kombi in Sachen Dynamik und musikalischem Fluss sogar uneingeschränkt besser, als der weiter oben schon erwähnte (rein analoge) Vollverstärker PA 2500 R, der preislich auf fast gleichem Niveau liegt, gepaart mit einem Wandler auf dem Niveau des T+A DAC 8 DSD.

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TA 200 Display 3
Das Display zeigt im normalen Modus neben dem gewählten Eingang und der erkannten Taktfrequenz einen Lautstärkebalken und weitere Details (Foto: F. Borowski)
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Einstellung der Links/Rechts-Balance (Foto F. Borowski)
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Der DAC 200 bietet zur Klanganpassung vier Upsampling-Typen und zwei Modi ohne Upsampling, wenn die Quelle das übernimmt (Foto: F. Borowski)
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Die Systembandbreite am Ausgang kann mittels Tiefpassfilter auf 60 kHz verringert werden, was für den Anschluss weniger breitbandiger Verstärker sinnvoll ist (Foto: F. Borowski)
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An den kleinen und unbestechlichen Wilson TuneTot im Nahfeld verfestigte sich dieser Eindruck. Nie zuvor habe ich die kompakten Edel-Speaker so lebendig und mitreißend an meinem Arbeitsplatz spielen hören. Zugegeben: Für den Desktop sind die beiden T+A trotz Midi-Format vielleicht schon etwas zu wuchtig. Aber es passt durchaus und ist nicht nur aus klanglicher Sicht eine wahre Freude, den DAC 200 stets in Griffweite vor sich zu haben, seine haptischen Freuden zu genießen und die riesige Anschlussvielfalt nutzen zu können. Was für ein fantastisches HiFi-Werkzeug!

Das gilt auch für den Musikgenuss über Kopfhörer, nur dass der DAC 200 hierfür keine unterschiedlichen Buchsen wie der HA 200 bietet und keine ganz so hoch spezialisierte Ausgangsstufe für Kopfhörer einsetzt. Dennoch klingt der DAC 200 mit Spitzenkopfhörern äußerst überzeugend. Wer bei Kopfhörern All-In gehen will, greift zum HA 200.

Fazit – technische Genialität und höchste Musikalität vereint

Falls Sie zwischen den Zeilen meines Berichts eine gewisse Begeisterung wahrgenommen haben, liegen Sie absolut richtig. Ich LIEBE dieses Gespann. Der T+A DAC 200 und die Endstufe A 200 sind genau die Sorte von intelligentem High-End-HiFi, für die ich mir in den Achtzigerjahren die Nase am Schaufenster des HiFi-Händlers plattgedrückt hätte.

Auch wenn Nasen-an-Schaufenster-drücken heute nicht mehr en vogue ist: Vielleicht trifft sich der heutige HiFi-Nachwuchs in 20, 30 Jahren ja mal im virtuellen Raum, um die coolsten HiFi-Geräte ihrer Jugend abzufeiern. Die T+A 200-Serie des Jahres 2021 ist dann höchstwahrscheinlich mit dabei.

Für diejenigen, die es sich hier und jetzt leisten können sei gesagt: Sie können Ihr Geld kaum besser in hochklassiges HiFi investieren. Sofern die sich stetig weiter entwickelnden Digitalstandards einem nicht unerwartet einen Strich durch die Rechnung machen, ist der DAC 200 eine sichere Bank auf viele Jahre – insbesondere auch für DSD-Fans. Der rein analoge aber ebenso hochmoderne Endverstärker A 200 sowieso. Und designtechnisch sind diese T+A-Schöpfungen schon jetzt zeitlose Klassiker. Komplettiert mit dem MP 200 Multi Player gehört dieses Midi-System unzweifelhaft zum Feinsten, was HiFi Made in Germany in dieser Preisklasse aktuell zu bieten hat.

Ein besseres Abschiedsgeschenk hätte T+A Entwicklungsleiter Lothar Wiemann uns und sich selbst zur Krönung seiner fast 40-jährigen Karriere kaum machen können.

Verzerrungsarmer Klang, feine, aber unaufdringliche Auflösung
Hohe Fertigungspräzision
Anpassbarer Dämpfungsfaktor
Gute Preis/Klang-Relation
T+A DAC 200
2021/12
Test-Ergebnis: 4,7
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Maxi-Klang im Midi-Format
riesiger Anschluss- und Funktionsumfang
Verarbeitung und Design
hochklassiger Kopfhörerverstärker integriert

Vertrieb:
T+A elektroakustik GmbH & Co. KG
Planckstraße 9–11
D-32052 Herford

T +49 (0) 5221-7676-0
F +49 (0) 5221-7676-76
www.ta-hifi.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
T+A DAC 200: 5.490 Euro
(mit HDMI-Board: 5.890 Euro)
T+A A 200: 3.790 Euro

Technische Daten

T+A DAC 200
Konzept:DAC-Vorstufe mit Kopfhörerverstärker
BesonderheitenDSD 1024 /PCM 768
Anschlüsse:digital (optisch/koaxial/AES/SYS/USB/[HDMI]), analog (L/R RCA), E2 Link
Farben:Schwarz oder Silber
Gewicht:
6,2 kg
Abmessungen (B x H x T):32 × 10 × 34 cm
Alle technischen Daten
T+A A 200
Konzept:Class-D Stereo Endverstärker
Ausgangsleistung:2x 250W @ 4 Ohm
BesonderheitenUmschaltbarer Dämpfungsfaktor
Anschlüsse:analog (L/R RCA/XLR), E2 Link
Farben:Schwarz oder Silber
Gewicht:
5 kg
Abmessungen (B x H x T):32 × 10 × 34 cm
Alle technischen Daten
Mit- und Gegenspieler:

Test Standbox Børresen 02 SSE: mehr Silber, mehr Musik?
Test Wilson Audio TuneTot – der ultimative High-End Monitor
Test Trinnov Amethyst: Digitale Traumvorstufe mit Profi-Einmessung
Test Melco S100: der audiophile Netzwerk-Switch
Test Music-Server Silent Angel Rhein Z1 – sichere Bank für Roon-Musik
Test Aavik I-580: Dieser Vollverstärker macht vieles anders – und klingt überirdisch gut

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Autor: Frank Borowski

LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.