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Soundsmith Aida
Das Aida war innerhalb des Familientests der Favorit der Tester. Das High-Output-MI kostet 2.500 Euro (Foto: P. Schüller)

Test Soundsmith Aida – der feine Klang

Das Soundsmith Aida ist mit seinen 2.500 Euro schon vergleichsweise teuer – und dennoch im Soundsmith Kosmos noch einer der günstigeren Abtaster. Wie alle Schwester-Modelle wird das Soundsmith Aida in den USA per Hand gefertigt und gehört zu der noch seltenen Spezies der Moving Iron – siehe auch Übersichtsbeitrag Soundsmith Familientest. Diese MI-Abtaster bringen im Falle der High-Output-Serie von Soundsmith recht hohe Ausgangsspannungen an die Klemmen; beim Soundsmith Aida beläuft diese sich auf 2,5 mV; damit ist quasi jeder MM-Eingang (beziehungsweise jede MM-Phonostufe) gut zu betreiben. Wie auch bei vielen anderen MI-Modellen schafft es Soundsmith, beim Aida auf beiden Kanälen die annähernd gleiche Spannung zu erzeugen. Ein gutes Zeichen.

Die Messwerte des Soundsmith Aida:

Tiefenresonanz (lateral): 8,5Hz
Empfohlene Armmasse: mittelleicht
Systemgewicht ohne/mit Schrauben: 6,1/7,1g
Empfohlene Auflagekraft: 14mN
Abtastfähigkeit bei 315Hz (DIN 45549): 70ym (14mN)
Harmonische Verzerrungen (k2&k3, 300Hz, 0dB) L/R: 1,2/1,2%
Differenztonverzerrungen (1800/2200Hz) L/R: 0,54/0,49%
Hochton-Impulsverzerrungen (10kHz-Burst) L/R: 0,26/0,32%
Systemimpedanz L/R: 161/164mH; 790/795 Ohm
Ausgangsspannung L/R  2,5/2,5mV)

2017-10-Soundsmith-Aida-Frequenzgang_Uebersprechen
Soundsmith Aida Frequenzgang & Übersprechen (Messung: P. Schüller)

Die LowBeats Messungen weisen das Soundsmith Aida als ausgewogen-feines Top-Tonabnehmersystem aus. Es ist zwar nicht ganz so breitbandig wie das The Voice, zeigt jedoch einen sanft und resonanzfrei abfallenden Verlauf. Das Übersprechverhalten ist erfreulich gering, aber kanalungleich. Die Tiefenabtastfähigkeit ist trotz der niedrigen empfohlenen Auflagekraft von 14 mN noch gut. Die Harmonischen Verzerrungen sind vergleichsweise hoch, die Differenzton- und Hochton-Impulsverzerrungen dagegen recht gering. Alle Messkurven hier in der Slideshow:

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2017-10-Soundsmith-Aida-Tiefenresonanz
Soundsmith Aida Tiefenresonanz (Messung: P. Schüller)
2017-10-Soundsmith-Aida-Intermodulation
Soundsmith Aida Klirr & Intermodulation (Messung: P. Schüller)
2017-10-Soundsmith-Aida-Differzenztonverzerrung
Soundsmith Aida Differenztonverzerrung (Messung: P. Schüller)
2017-10-Soundsmith-Aida-Impulsverzerrungen
Soundsmith Aida Impulsverzerrungen (Messung: P. Schüller)
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Dass diese Messwerte bei den meisten Lesern mehr Fragezeichen setzen als Antworten bringen, ist klar. Für alle, die wissen wollen, was wir hier treiben, hat LowBeats Analog-Experte Peter Schüller seinen ausführlichen Hintergrundbeitrag zu den Tonabnehmer-Messungen bei LowBeats Tests verfasst.

Da der Systemkörper und das Moving-Iron-Prinzip ja bei allen Modellen das Gleiche ist, besteht der größte Unterschied zwischen den Abtastern der Soundsmith Familie im Aufbau der Abtasteinheit.

Die Abtasteinheit des Soundsmith Aida
Die Abtasteinheit des Soundsmith Aida (Foto: P. Schüller)

Während OtelloCarmen Mk II und Zephyr III sich doch relativ stark im Aufbau von Diamant, Diamant-Schliff und Nadelträger ähneln, ist das Soundsmith Aida tatsächlich erkennbar anders bestückt. Sein „nackter“ Diamant sitzt auf einem Nadelträger aus Rubin (OtelloCarmen Mk II und Zephyr III: Aluminium) und hat mit seinem OCL- (Optimized Contour Contact Line-) Nadelschliff eine runde Spitze mit einem Durchmesser von 0,1 Millimeter. Seine Effektive Bewegte Masse liegt bei 0,30 Milligramm – nur unwesentlich mehr als beim Spitzenreiter des Familien-Vergleichs: dem Zephyr III mit 0,28 Milligramm. Aber sind diese mikroskopisch kleinen Unterschiede, etwa zum Zephyr III, wirklich ausreichend für einen erkennbar anderen Klang?

Das Soundsmith Aida im Hörtest

Cover Art: Mahlers 5. Symphonie mit den Wiener Philharmonikern
Mahlers 5. Symphonie, eingespielt von Leonard Bernstein mit den Wiener Philharmonikern, ist ein herausragendes Werk. (Cover: Amazon)

Nein. Denn auch das Aida ist eindeutig ein Soundsmith: Es spielt wunderschön offen, natürlich und mit einem stabilen, nachdrücklichen Bass gesegnet. Doch das Aida ist feiner als die Geschwister. Die Streichinstrumente der Wiener Philharmoniker (in Mahlers 5. Symphonie) hatten mit ihm noch mehr Charme, das Holz klang noch natürlicher als mit dem schon exzellenten Zephyr III. Auch die Bläser hatten viel Kraft und funkelten dabei auch sehr schön.

Ich habe mit diesem Tonabnehmer richtig gern gehört, weil es auf eine sehr feine Art so natürlich und über viele Stunden fesselnd spielt.

Im Vergleich zum kleineren Zephyr III hat das Aida also nicht nur das gefälligere Spiel, es zeigt auch bei Bläsern oder Snaredrums etwas mehr Gripp und mehr Information. Dieses Aida zieht den Zuhörer in seinen Bann, weil es alles so mühelos und selbstverständlich darstellt.

Yello: Toy. Das Cover
Das 13. Album von Yello. Alle waren extrem gut aufgenommen, dieses ist vielleicht das Beste (Cover: Amazon)

Das gilt auch für den Bass. Der des Zephyr III ist ja schon exemplarisch gut, aber das Aida steht dem in nichts nach, sondern legt in den oberen Bassbereichen sogar noch eine Schippe an Durchzeichnung und Präzision zu. Das macht das Erleben von Bass-intensiven Aufnahmen wie der Toy von Yello noch beeindruckender. Wie präzise das Soundsmith Aida die feinen Tiefton-Schattierungen der Bass-Samples von Toy herausarbeitete, war schlichtweg große Klasse.

Aber das Aida beherrscht auch die Stimmenlagen bravourös. Bei New Lore, dem neuen Album des US-amerikanischen Singer Songwriters Sean Rowe arbeitet es die charakterhafte Eigenheit der Stimme oder auch die Obertöne der Gitarre („I´ll Follow Your Trail“) überragend gut heraus.

Das auch zum Vergleich mit dem ebenfalls exzellenten Rega Apheta2, das bei Gitarren oder Stimmen noch einen Hauch feiner, aber nicht derart natürlich und druckvoll wirkte.

Fazit Soundsmith Aida

Zugegeben: 2.500 Euro für einen Tonabnehmer sind eine Menge Geld. Aber ich habe mit dem Aida wirklich gern Musik gehört. Stundenlang. Und fast noch lieber als mit dem –zweifelsfrei noch präziseren und besseren The Voice. Das Aida vereint die Soundsmith-typischen Vorteile von großer Offenheit und Spielfreude mit einer sehr feinen, klangfarbenstarken Wiedergabe.

Das Soundsmith Aida ist nicht der beste Abtaster, auch nicht der mit der besten Preis/Leistungs-Relation, aber der sympathischste dieses Familien-Vergleichs.

Für alle, die wissen wollen, wie sehr sich das Aida klanglich von den Schwestermodellen Zephyr III und The Voice, oder auch beispielsweise vom Rega Apheta2 unterscheidet, empfehlen wir das LowBeats Klang Orakel. Hier kann sich jeder Interessierte online mit Hilfe eines guten Kopfhörers (und wenn’s geht: mit einem guten Kopfhörerverstärker) selbst einen Eindruck von der Klangqualität dieser Tonabnehmer verschaffen.

Die anderen Soundsmith MI High Output Tonabnehmer:
Soundsmith MI High Output: die Familientest-Übersicht
Test Soundsmith Otello: der Einstieg bei Soundsmith
Test Soundsmith Carmen Mk II: der Preis/Leistungs-Sieger

Test Soundsmith Zephyr III: MI-Abtaster auf neuestem Stand
Test Soundsmith UltimateX: unzerstörbarer Topklang
Test Soundsmith The Voice: absoluter Spitzenklang

Der Gegenspieler:
Test Rega Apheta: MC mit ungemein viel Feinsinn

Lesetipp:
Hintergrund: Tonabnehmer-Messungen bei LowBeats-Tests

Unbedingt ausprobieren:
Der Hörvergleich im LowBeats Klang Orakel Tonabnehmer

Soundsmith Aida
2017/10
Test-Ergebnis: 4,2
SEHR GUT
Bewertungen
k
Praxis
Messwerte

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Sehr offener, feiner, natürlicher Klang
Schöner, präziser Bass
Mäßige Abtastfähigkeit
Nicht eben günstig

Vertrieb:
G8 & friends GmbH
High Quality Distribution

Schwelmer Str. 8
40235 Düsseldorf
www.g8friends.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Soundsmith Aida: 2.500 Euro