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Die Mitglieder der Goldring 2000er Serie
Die fünf Mitglieder der Goldring 2000er Familie fein aufgereiht. Die Preise der sogenannten Moving Iron Abtaster liegen zwischen 180 (Goldring 2100) und 530 Euro für das Goldring 2500 (Foto:: H. Biermann)

Übersicht Goldring 2000er Serie – 5 MI Abtaster

Im Analogen ticken die Uhren langsamer als in allen anderen HiFi-Bereichen. So auch bei Goldring: Das britische Unternehmen mit deutschen Wurzeln (die Firma wurde 1906 in Berlin gegründet) hat seine neuesten Tonabnehmer im Jahr 2009 vorgestellt: Es ist die Goldring 2000er Serie, die bis heute sozusagen die hochklassigen Arbeitspferde stellt. Goldring ist seit vielen Jahren unter dem Dach des britischen Audio-Konzerns Amour Home Electronics untergekommen und entwickelt seine Tonabnehmer auch nicht mehr komplett selbst: Die Modelle der Goldring 2000er Serie kommen vom japanischen Spezialisten Nogaoka – was in jedem Fall für sehr hohe Qualität steht. LowBeats Messlabor-Spezialist Peter Schüller untersuchte mit der ihm eigenen Gründlichkeit alle Abtaster der 2000er Serie. Hier ist sein Bericht.

Insgesamt sind die Tonabnehmer nicht nur hochwertig sondern auch preislich attraktiv und die Abstufungen zwischen den einzelnen Modellen so moderat, dass LowBeats einen Familienvergleich für sinnvoll hielt. Die fünf Modelle dieser Serie liegen zwischen 180 Euro (Goldring 2100) und 530 Euro (Goldring 2500) und ähneln damit den ebenfalls schon getesteten Abtaster-Familien von Ortofon (2M) und Rega. Im Vergleich zu den älteren, ähnlich teuren 1000er Modellen ist der Korpus der Goldring 2000er Serie rundlich geformt (was den Einbau nicht einfacher macht). Es handelt sich bei ihnen um Tonabnehmer, die nach dem so genannten Moving Iron (MI) Prinzip arbeiten.

Obwohl das MI-Prinzip dem klassischen Moving Magnet (MM) sehr ähnlich ist, man beispielsweise auch den Nadelträger austauschen  kann, gibt es doch einige elementare Unterschiede. Es wird bei den MI-Systemen kein Magnet am Ende des Nadelträgers bewegt, sondern ein magnetisierbares Metallröhrchen aus einer Eisen-Nickel-Legierung namens Permalloy.

Der stets erforderliche Magnet, ohne den keine Signalspannung induziert werden kann, sitzt wie die Spule stattdessen im Gehäuse und magnetisiert das Metallröhrchen indirekt – mit dem Vorteil, dass die Nadel keinen “schweren” Magneten bewegen muss. Der im Gehäuse sitzende Magnet darf dagegen groß sein und gleicht dadurch den Nachteil der weniger direkten magnetischen Induktion der im Gehäuse sitzenden Induktionsspulen aus. Dadurch erreicht die Ausgangsspannung locker das übliche Niveau von MM-Abtastern; die Abtaster der Goldring 2000er Serie sind also bestens geeignet für die (meist etwas simpler ausgeführten) Phonostufen moderner und älterer Vor- und Vollverstärker.

Erreicht wird dies bei der 2000er Serie auch durch Spulen mit hohen Windungszahlen und entsprechend hoher Induktivität. Dies gilt es beim Betrieb dieser Tonabnehmer zu beachten, denn sie reagieren dadurch empfindlich auf die Kapazitäten des Kabels und des Verstärker-Eingangs: Im Zusammenspiel mit der Induktivität des Tonabnehmers ergibt sich ein elektrischer Schwingkreis, der bei der Resonanzfrequenz eine deutliche Amplitudenanhebung bewirkt. Goldring empfiehlt hier für die Modelle der Goldring 2000er Serie eine Lastkapazität von 100 bis 200 Pikofarad.

Dieser Wert ist aber schwer zu erreichen. Sowohl das Kabel als auch der Verstärker haben selten eine Kapazität von jeweils unter 150 Pikofarad. Das bedeutet: Weniger als 300 Pikofarad (zusammengenommen) sind in der Praxis also kaum zu finden…

LowBeats hat alle Tonabnehmer der 2000er Serie mit dem Rega P9 mit RB 1000 Tonarm gemessen, dessen Tonarm-Verkabelung mit rund 120 Pikofarad zu Buche schlägt. Der Messverstärker war auf sehr geringe 100pF eingestellt, was zusammengenommen schon etwas über der empfohlenen Maximalkapazität liegt. Was bei einer (fast zwangsweise) höheren kapazitiven Belastung passiert, haben wir exemplarisch beim 2500er untersucht –  siehe extra Diagramm.

Der Frequenzgang des Goldring 2500 mit unterschiedlichen Abschlusskapazitäten
Der Frequenzgang des Goldring 2500 mit unterschiedlichen Abschlusskapazitäten (Messsungen: P. Schüller)

Es stellte sich heraus, dass die in den Frequenzgängen auffallende Höhenbetonung nicht allein der elektrischen Resonanz geschuldet, sondern hauptsächlich mechanischer Natur ist. Hier wirkt die an der Nadel wirksame Masse mit der Federwirkung des Vinyls und der Nachgiebigkeit des Nadelträgers zusammen.

Leicht erhöhte Kapazitäten, wie die grüne Kurve im gespreizten Extra-Diagramm zeigt, sind noch tolerierbar. Sie bewirken zwar eine leichte Absenkung der Resonanzspitze, anderseits aber eine Betonung des Brillanzbereichs. Das dürfte sich klanglich nachteiliger auswirken, als die Resonanzspitze im Superhochtonbereich – je höher die Lastkapazität, um so deutlicher. Das gilt übrigens für alle Tonabnehmer der Goldring 2000er Serie.

Was ebenfalls für alle fünf Modelle gilt, ist deren hervorragende Tiefenabtastfähigkeit, die selbst die höchsten – in der Praxis bestenfalls bei Maxisingles vorkommenden – Amplituden verzerrungsfrei abzutasten im Stande sind. Diese Ergebnisse haben wir mit der Standard-Auflagekraft von 20 Millinewton (entspricht einem Auflagegewicht von 2 Gramm) ermittelt.

An der hervorragenden Abtastfähigkeit der Goldring 2000er Serie dürfte auch die sehr hohe Nadelnachgiebigkeit dieser Tonabnehmer ihren Anteil haben. Das zeigt sich bei der Messung der Tiefenresonanz, die sich aus der Nadelnachgiebigkeit einerseits und der effektiven Masse des Tonarms plus System andererseits ergibt. Aufgrund dieser hohen Nadelnachgiebigkeit können die Goldrings getrost bei Auflagegewichten ab 1,5 Gramm (Goldring empfielt 1,75 Gramm) gefahren werden.

Etwas knifflig bei diesen Tonabnehmern ist dagegen deren Justage im Tonarm, denn es gibt fast nur gerundete Kanten. Die optimalen “Null-Radien” bei 66 Millimeter innen und 120 Millimeter außen zu finden, ist knifflig, aber mittels Justage-Lehre, Bleistiftmine, Spiegel und Lupe zu schaffen.

Aus messtechnischer Sicht am besten gefallen hat hier das 2400er, weil es neben ausgewogenen Messwerten auch noch die geringsten Impulsverzerrungen aufweist. Klanglich haben uns alle Abtaster der Goldring 2000er Serie gefallen. Aber natürlich gibt es auch hier Gute und Bessere.

Wie üblich bei Tonabnehmern, hat LowBeats auch die Modelle der Goldring 2000er Serie in seinem Sound-Archiv namens Klang Orakel aufgenommen. Gutes Equipment vorausgesetzt (ein guter Kopfhörer-Verstärker und ein Kopfhörer der 300 Euro-Klasse sollten es mindestens sein), kann man im Klang Orakel Tonabnehmer online alle klanglichen Ergebnisse einfach (und so oft man will!) nachvollziehen.

Die Oberfläche des LowBeats Klang Orakel
Die Oberfläche des LowBeats Klang Orakels Tonabnehmer. Alle Modelle sind mit dem gleichen Stück und mit gleichem Pegel aufgenommen. Hier kann man alle Tonabnehmer beliebig oft gegeneinander hören.

Und hier noch einmal alle wichtigen Details der fünf Goldring 2000er Modelle auf einen Blick (zu den Einzeltests auf den Modell-Namen klicken):

 Modell Goldring 2100 Goldring 2200 Goldring 2300 Goldring 2400 Goldring 2500
 Tiefenresonanz 7,2 Hertz 6,5 Hertz 7,5 Hertz 9,0 Hertz 7,1 Hertz
 Systemgewicht 7,4 Gramm 7,5 Gramm 7,6 Gramm  9,0 Gramm  8,8 Gramm
 Ausgangsspannung (L/R) 8,3/9,0 mV 6,0/6,2 mV 7,0/7,6 mV 6,1/6,2 mV 5,6/6,1 mV
 Tonarm-Empfehlung leichter Tonarm  leichter Tonarm  leichter Tonarm mittelschwerer Arm  leichter Tonarm
 Preis 180 Euro 260 Euro 330 Euro 440 Euro 530 Euro
Die Einzeltests der Goldring 2000er Serie:

Goldring 2100: der MI Einsteiger-Abtaster
Goldring 2200:MI-Abtaster mit viel Verve
Goldring 3100: die feine Eleganz
Goldring 2400: überragende Abtastung
Goldring 2500: die hohe Klang-Kultur

Mehr Informationen zu Goldring Tonabnehmern auf der Website von Transrotor.

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Autor: Special Guest