Beyerdynamic DT 900 Pro X vs DT 700 Pro X
Der geschlossene DT 700 Pro X soll laut Beyerdynamic beim „Recording & Monitoring“ seine Vorteile haben, während der DT 900 ProX für das „Mixing & Mastering“ konzipiert wurde. Beide kosten 248 Euro und beide waren bei LowBeats im Test (Foto: H. Biermann)

Doppel-Test: HiFi-/ Studio-Kopfhörer Beyerdynamic DT 900 Pro X + DT 700 Pro X

Schon seit fast 100 Jahren entwickelt und produziert der Heilbronner Audio-Spezialist Beyerdynamic bestes Studio- und HiFi-Equipment für den gesamten Globus – vor allem professionelle Mikrofone und Kopfhörer. Der seit Jahren anhaltende Kopfhörer-Boom spielt den Heilbronnern dabei in die Karten, denn auf diesem Feld bewegen sie sich spielsicherer als fast alle anderen Mitbewerber am Markt. Ihre neuesten Over-Ear-Kreationen untermauern diese These: Der offene Beyerdynamic DT 900 Pro X und der geschlossene DT 700 Pro X (beide kosten je 248 Euro) wurden eigentlich für den Studio-Einsatz ersonnen. Eigentlich. Denn einer der beiden ist auch für den audiophilen Musikliebhaber ein klanglicher Volltreffer

Die Studio- und HiFi-Manufaktur Beyerdynamic wirft sich seit kurzem in neue Schale – die internationale Agentur Edelman sorgt für frischen, dynamischen Outfit-Wind der Traditionsmarke. Inhaltlich stehen die Heilbronner bodenständig seit beinahe 100 Jahren für exzellente, innovative Audiotechnik. Zig MusikerInnen und Studioprofis weltweit vertrauen auf die Marke aus Baden-Württemberg, so beispielsweise Steve Albini (Nirvana, Page/Plant, PJ Harvey) oder das Producer Network, eine Community von Musikproduzenten, die auch auf YouTube-Tutorials anbieten.

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Beyerdynamic DT 700 Pro X
Der alte Beyerdynamic-Style im neuen Design: hier der geschlossene DT 700 Pro X …
Beyerdynamic DT 900 Pro X
… und hier der DT 900 Pro mit „offenen“ Gehäusekapseln (Foto: Beyerdynamic)
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Die beiden neuen Modelle sind unter der frischen Rubrik „Creator“ einordnet. Da nicht nur wegen der Corona-Lockdowns immer mehr Zeitgenossen selbst Musik machen möchten – ein logischer Schritt – wurden nochmals zwei Unterrubriken gebildet: Während sich der DT 700 Pro X als geschlossenes Modell auf „Recording & Monitoring“ fokussieren soll, konzipierten die Heilbronner den offenen DT 900 Pro X fürs „Mixing & Mastering“. Musikbegeisterten HiFi-Freunden können diese Kategorien erst mal egal sein – haben aber in der Praxis Auswirkungen. Dazu später mehr.

Beide Modelle bereichern die ohnehin bereits große Familie an „Pro“-Hörern, dessen vielleicht bekanntestes Mitglied der hervorragende DT 1990 Pro ist. Den Frischlingen gemeinsam ist der neue „Stellar.45“-Treiber, den Beyerdynamic im eigenen Hause entwickelt hat und auch vor Ort fertigt. Von der neu konstruierten, dreischichtigen Membran mit ihren hochtemperaturbeständigen, thermoplastischen Kunststoffen („PEEK“) verspricht man sich in Heilbronn langlebigere Materialstabilität. Und von dem Neodym-Magnet in Kombination mit der sehr leichten, kupferlegierten Schwingspule einen guten Kompromiss zwischen elektrischer Leitfähigkeit und geringem Gewicht.

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Beyerdynamic DT 900 Pro X Membran
Der sogenannte Stellar.45-Treiber sitzt sowohl im offenen Beyerdynamic DT 900 Pro X als auch im geschlossenen DT 700 Pro X (Foto: Beyerdynamic)
Beyerdynamic DT 700 Pro X Explosion
Der Aufbau einer Ohrkapsel: Der Stellar.45 Treiber hat nach hinten eine Art Gehäuse, das im Falle des DT 900 Pro X ventiliert ist. Nach vorn sitzen noch Zwischenschichten zwischen Treiber und Ohr. Für den passenden Abstand sorgen dann die Ohrmuscheln. Auffällig: Auf das derzeit moderne Schrägstellen der Treiber verzichtet Beyerdynamik komplett (Grafik: Beyerdynamik)
Beyerdynamic DT 700 Pro X Membran
Um ihn vor Berührungen zu schützen, ist dem Stellar.45 eine dämpfenden Gewebeschicht vorgespannt (Foto: C. Dick)
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Denn weil der Draht der Schwingspule bei gleichem Gewicht länger ausfallen kann als jene der DT-Classics-Modelle, wird mehr Hub ermöglicht – was wiederum zu einem größeren Kennschalldruckpegel und einen höheren Lautstärkepegel führt. Die von LowBeats gemessenen Maximalpegel sind jedenfalls jenseits von Gut & Böse und liegen mit 106 (DT 700 Pro) beziehungsweise 107 Dezibel (DT 900 Pro) sehr hoch.

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LowBeats Messung Beyerdynamic DT 700 Pro X: Maximalpegel
Der DT 700 Pro kommt auf maximal 106 dB. Nicht übel für einen Kopfhörer (Messung: J. Schröder)
LowBeats Messung Beyerdynamic DT 900 Pro X: Maximalpegel
Allerdings wird er von dem DT 900 Pro X noch leicht überflügelt: Der kommt auf 107 dB Maximalpegel (Messung: J. Schröder)
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Ebenfalls exzellent ist die Kanalgleichheit der beiden, wobei das Testmodell des DT 900 Pro X hier geradezu den Vogel abschoss: Eine höhere Kanalgleichheit hatten wir bei LowBeats noch nicht messen können.

Was die Messungen zur Kanalgleichheit ebenfalls zeigen, ist die leicht unterschiedliche, tonale Abstimmung der beiden. Tatsächlich läuft der offene DT 900 Pro X um einiges linearer als sein geschlossener Pedant. Kein Wunder, denn geschlossene Modelle haben immer sehr viel mehr mit Kapsel-Resonanzen zu kämpfen, die gedämpft werden müssen. Nicht ausgeschlossen, dass die höhere Informationsdichte des DT 900 Pro X auch von der größeren Resonanzarmut rührt …

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LowBeats Messung Beyerdynamic DT 700 Pro X: Kanalgleichheit
Der DT 700 Pro X zeigt kleinere Toleranzen zwischen linkem und rechten Kanal (Messung: J. Schröder)
LowBeats Messung Beyerdynamic DT 900 Pro X: Kanalgleichheit
Extreme Kanalgleichheit: beim DT 900 Pro X zeigt sich der hohe Studio-Anspruch der Heilbronner (Messung: J. Schröder)
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Haptik & Ausstattung

Die Heilbronner setzen auf eine robuste Federstahl-Bügelkonstruktion, glasfaserverstärkte Kunststoffteile und softe Velours-Ohrpolster sowie ein Kopfband aus Memory-Schaum. Für diese Preisklasse wirkt das durchaus beeindruckend wertig und robust. Sollten die beiden mal im Studio-Alltag oder zu Hause auf den harten Boden fallen, ist kein Schaden zu befürchten. Zudem sorgen die Zutaten für ein sehr angenehmes Traggefühl – die beiden Pros sind gut einstellbar und sitzen dann ergonomisch prima auf dem Kopf. Damit sind sie für längere Studio- und HiFi-Sessions bestens gerüstet – worauf auch ihr vergleichsweise geringes Gewicht von knapp 350 Gramm (ohne Kabel) hinweist.

Der Rahmen ist aus schlagfestem Kunststoff, der auch so manchen Sturz klaglos übersteht. Die Ohrpolster sind angenehm weich und selbst bei Hitze nicht unangenehm (Foto: Beyerdynamic)

Ebenfalls schön: Beiden Hörern liegen zwei unterschiedlich lange Kabel bei (drei Meter und 1,8 Meter), die sich kinderleicht mit einem Klick der 3-pol-Mini-XLR-Stecker an der linken Hörmuschel anstöpseln lassen. Am anderen Ende der Leinen warten Klinkenstecker (3,5/6,35-mm, schraubbar). Sehr praktisch für die unterschiedlichen Anforderungen von Home- oder Mobil-Sessions. Praxisnah sind mit 48 Ohm auch die Impedanzwerte. Damit harmonieren die beiden gut mit den oft schwachbrüstigen Ausgängen von Laptop, Smartphone & Co.

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Beyerdynamic DT 900 Pro X Kabel
Verschieden lange Kabel an deren einem Ende ein schraubbarer Klinkenstecker (3,5/6,35mm) sitzt, rundet das Paket ab (Foto: C. Dick)
Beyerdynamic DT 900 Pro X Anschluss
Mit einem Klick sitzt das Kabel sicher im Hörer. Zum Lösen muss man den kleinen Knopf drücken, (Foto: C. Dick)
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So klingen Beyerdynamic DT 900 Pro X + 700 Pro X

Zunächst einmal formierte sich das Vergleichs-Aufgebot rund um den LowBeats Referenz Kopfhörerverstärker HA 200 von T+A. Als Standard dieser Klasse ziehen wir seit Neuerem immer den planaren Hifiman HE 400SE heran. Er ist für sein Geld (ursprünglich 170 Euro) absolut unschlagbar. Hinzu gesellten sich der Philips Fidelio X3, der iBasso SR2 und – da hatte ich echt Glück – ein Beyerdynamic DT 770 Pro (dynamisch-geschlossen, damals ca. 160 Euro), den ich noch in meinem Fundus hatte.

Beyerdynamic DT 900 Pro X vs DT 700 Pro X
Beyerdynamic DT 900 Pro X und DT 700 Pro X am HA 200 von T+A im LowBeats Wohnhörraum (Foto: H. Biermann)

Den Anfang machte die wunderbare Schweizer Singer-Songwriterin Sophie Hunger. Die Aufnahmen ihrer Home-Session „Royal Albert Home“ begeistern mit Schmelz im Stimmbereich und gleichzeitig Druck und Präzision in puncto Drums und Percussion. Der ältere DT 770 Pro machte seine Sache ordentlich, musste aber gegenüber seinen jüngeren Geschwistern in allen relevanten Punkten leichte Abstriche hinnehmen. Allen Unkenrufe zum Trotz: Es gibt einen Fortschritt im HiFi und hier ist er gut hörbar.

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Es wurde aber auch schnell klar, dass der geschlossene DT 700 Pro X es mit seinem leichten Faible für Helligkeit manchmal allzu pingelig mit Details nahm. Obwohl er etwas mehr Bass nach vorn schob, vollzog er die Musikarbeit in eher kühler Buchhaltermanier. Für „Recording & Monitoring“ im Studiobereich – wie von Beyerdynamic ja gedacht – mag er damit richtig am Platz sein. Innerhalb des Testerteams fand er damit nur wenige Freunde. Was ein bisschen ungerecht ist, denn der DT 700 Pro X ist alles andere als ein schlechter Hörer. Aber das Bessere ist nun einmal des Guten Feind.

Und das Bessere lauerte nicht nur in Form des Hifiman 400 SE, des Philips Fidelio X, sondern auch in Form des fast baugleichen und gleichteuren DT 900 Pro X. Bei „The Ship Song“, eine Coverversionen von Nick Cave, die der Experimental-Popper Flaming Lips und Sängerin Nell zelebrieren, unterstrich der DT 900 Pro X sein ganzes Können: ein prima Raumgefühl sowie eine erstaunlich plastische Darstellung. Und was mir besonders gut gefiel: Der Beyerdynamic schenkt sich hier jegliche (moderne) Bassüberhöhung. Seine Wiedergabe lebt von agilen, trockenen Drums, sonoren Vocals und präzis-lebendigen Details. Der Philips, der als „reiner“ HiFi-Hörer konzipiert wurde, wirkt hier sonorer, runder, vielleicht schöner, aber längst nicht so authentisch auf den Punkt.

Westcoast-Barde Jackson Browne hat vor einiger Zeit mit Let The Rhythym Lead ein spannendes Musikprojekt auf Haiti begleitet. „Lapé, Lammou“ zündet dabei ein rhythmisches wie klangliches Feuerwerk mit vielen Vocals und Percussion-Einlagen. Diese Musik ist geradezu ein Festtagsschmaus für den DT 900 Pro X: Packend, knackig, schnell und farbecht inszenierte er hier jedes Instrument mit einer Präzision, die mich des Öfteren vom Stuhl riss. Der Philips war hier dynamik-mäßig schon ausgestiegen. Der enorm quirlige Hifiman bot zwar etwas mehr Auflösung, doch weder die Präzision des Heilbronners noch dessen mitreißende Dynamik und Vehemenz.

Auch in der Klassik-Abteilung bildete der 900er Instrumente wie das Cello von Sol Gabetta kraftvoll-körperhaft ab und leuchtete den Raum sehr realistisch aus. Dass der iBasso SR2 den Höhenflug des DT 900 Pro X mit einer noch etwas körperhafteren und seidigeren Wiedergabe beendet, ist kein Plädoyer gegen den Heilbronner. Es gab etliche Stimmen, die die dynamische Gangart des Heilbronners trotzdem vorzogen. Und immerhin kostet der iBasso – gegenüber dem Hörer aus dem Studiobereich – mit 570 Euro mehr als doppelt so viel …

Fazit Beyerdynamic DT 900 Pro X + DT 700 Pro X

Da sich DT 900 Pro X und DT 700 Pro X ja nur im Kapsel-Konzept (geschlossen versus offen) unterscheiden, sonst aber mit sehr ähnlichen Voraussetzungen an den Start gingen, war die Sache natürlich spannend. Aber sie endete erwartungsgemäß: Die geschlossene Bauform hat – natürlich – bei der Hintergrundgeräusche-Unterdrückung deutliche Vorteile, weshalb diesbezüglich ihre Praxisnote deutlich besser ausfällt. Klanglich aber bleiben die geschlossenen Modelle so gut wie immer zweiter Sieger.

So auch hier: Während der DT 700 Pro X nur einer von vielen guten Kopfhörern dieser Preisklasse ist, gibt Beyerdynamic in dieser Klasse mit seinem DT 900 Pro X sogar den Ton an: Mit solider Verarbeitung und feinem, präzisem, ausgewogenem Klang, der für „nur“ rund 250 Euro ungemein viel Erleben und authentischen Musikspaß bereitet. Und zwar bei „Creatives“ im Studio ebenso wie bei anspruchsvollen Aufsteigern im HiFi-Bereich. Und wer in beiden Welten zuhause ist, darf sich dementsprechend doppelt freuen…

DT700PrX_Anzeige

DT700PrX_Sterne
Gut auflösendes, präzises, eher helles Klangbild
Sehr gute akustische Abschirmung von Außengeräuschen
Mobiltaugliche Impedanz, hoher Wirkungsgrad, hoher Maximalpegel
Robuste Mechanik und tolle Verarbeitungsqualität

Vertrieb:
beyerdynamic GmbH & Co. KG
Theresienstr. 8
74072 Heilbronn
www.beyerdynamic.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
beyerdynamic DT 900 Pro X: 248 Euro

beyerdynamic DT 900 Pro X
2022/06
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Gut auflösendes, neutrales, ausgewogen-souveränes Klangbild
Mobiltaugliche Impedanz, hoher Wirkungsgrad, hoher Maximalpegel
Robuste Mechanik und tolle Verarbeitungsqualität
 Sehr gute Preis-/Leistungs-Relation

Vertrieb:
beyerdynamic GmbH & Co. KG
Theresienstr. 8
74072 Heilbronn
www.beyerdynamic.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
beyerdynamic DT 900 Pro X: 248 Euro

Technische Daten

Beyerdynamic DT 900 Pro X / 700 Pro X
KonzeptOver Ear Kopfhörer, stationär. Offene Bauform (DT 900 Pro X), geschlossen (DT 700 Pro X)
Wandler:45 mm dynamischer Breitband-Treiber
Ausstattung:2 Anschlusskabel: 3 oder 1,8 Meter, abnehmbar, mit 3-pol-Mini-XLR/ und Klinkenstecker
Impedanz:
50 Ohm (beide)
Maximalpegel:107 dB (DT 900 Pro X), 106 dB (DT 700 Pro X)
Gewicht:348 Gramm (DT 900 Pro X), 350 Gramm (DT 700 Pro X)
Alle technischen Daten

Mit- und Gegenspieler:

Kombitest Kopfhörer mit -Amp: T+A Solitaire P und HA 200
Test Philips Fidelio X3 – so geht Kopfhörer
Test Over-Ear-Hörer HiFiman HE400se – Planartechnik zum Taschengeldpreis

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Autor: Claus Dick

Musikfachmann seit Jahrzehnten, aber immer auch HiFi-Fan. Er findet zielsicher die best-klingenden Aufnahmen, die besten Remasterings und macht immer gern die Reportagen vor Ort.