Technics SA-C600 Cover
Der Technics SA-C600 ist ein Streaming-Verstärker mit vielen Talenten. Er ist kompakt, klingt gut und kostet mit knapp 1.000 Euro nicht die Welt. Ein überzeugendes Angebot (Foto: Technics)

Test Netzwerk-Receiver Technics SA-C600 CD: Premiumklasse für unter 1.000 Euro?

Mit der voranschreitenden Miniaturisierung und Optimierung von Bauteilen für Netzwerk-Audio und Streaming sowie stetig verbesserten Class-D Verstärkerkonzepten kommen immer mehr preiswerte Alleskönner auf den Markt. Ein kompakter und leistungsfähiger Streaming-Receiver mit eingebautem CD-Laufwerk und UKW/DAB-Tuner für knapp 1.000 Euro, wie der hier vorgestellte Technics SA-C600, wäre vor wenigen Jahren in dieser Form kaum vorstellbar gewesen. Aber kann der kleine Quasi-All-In-One-Player auch den von seinen Erschaffern proklamierten Premium-Anspruch erfüllen? LowBeats hat’s getestet.

Technics. Für jemanden wie mich, der sich schon in jungen Jahren nach der Schule ständig in HiFi-Läden rumgedrückt hat, um so faszinierende wie unerreichbare Träume wie die Technics Endstufe SE-A1 zu bewundern (siehe dazu auch unsere Reportage zur Technics-Historie), hat dieser Markenname noch heute einen Klang wie Donnerhall. Aber wie in der verlinkten Technics-Story zu lesen, hat das Tochterunternehmen von Panasonic wechselhafte Zeiten durchlebt. Eine Zeitlang war Technics praktisch tot.

Technics_SE-A1
Technics ist mit seinen knapp über 55 Lenzen unter den großen japanischen HiFi-Anbietern mit der Jüngste. Und doch gibt es wohl kaum eine Marke, die derart viele ikonische Produkte (wie hier auf dem Bild die SE-A1) herausbrachte… (Foto: AudioScope)

Seit Wiederbelebung der Marke im Jahr 2015 gehört der Name Technics allerdings wieder fest zum Wortschatz eingefleischter HiFi-Fans. Damals wie heute sind es vor allem die Produkte der „Reference Class“, wie der faszinierende Schallplatten-Direkttriebler SL-1000R oder Endstufenboliden wie die SE-R1, mit denen die Japaner ihren legendären Ruf pflegen.

Eben dieser Ruf soll natürlich auch in die deutlich bezahlbareren Geräte Serien der „Grand Class“ und „Premium Class“ abstrahlen. In Letzterer finden sich dabei auch Komponenten, die sehr viel mehr auf Lifestyle denn auf klassische HiFi-Formensprache setzen – wie der hier getestete CD-Netzwerk-Receiver SA-C600. Dafür hat Technics auch ein passendes Paar Lautsprecher mit Koaxialtreibern im Programm (SB-C600, 999 Euro/Paar). Aber die ließen wir außenvor und kombinierten lieber unsere eigenen Favoriten zu dem hübschen Alleskönner.

Der Technics SA-C600

Streamingverstärker sind die eierlegenden Wollmilchsäue unter den modernen HiFi-Komponenten. Geräte wie der Lyngdorf TDAI-1120 oder der Cambridge Audio EVO 75/150 sind besonders gelungene Beispiele dieser Gattung. Sie vereinen alle wichtigen Funktionen in einem Gehäuse und brauchen nur noch passive Lautsprecher zur Vervollständigung einer HiFi-Anlage. Doch auch unter ihnen gibt es Ausstattungsunterschiede. Der Technics SA-C600 gehört zu den am umfangreichsten ausgestatteten Vertretern dieser Art. Und das zu einem sehr attraktiven Preis von 999 Euro.

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Technics SA-C600 Front 1
Technics SA-C600: Ein echter Alleskönner (Foto: F. Borowski)
Technics SA-C600 Front 3
Unter dem runden Deckel werkelt ein CD-Laufwerk (Foto: F. Borowski)
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Radio (DAB+ und FM), CD-Spieler, Phono-MM-Anschluss, Digitaleingänge, analoger Line-In, Streaming, Raumklang-Anpassung, Endstufen… Alles an Bord! Auch eine gut ausgestattete Fernbedienung gehört zum Lieferumfang des kleinen Technics.

Äußerlich ist der SA-C600 leicht mit den von Technics bekannten Tischlautsprechern „OTTAVA“ wie dem SC-C70 MK II zu verwechseln. Aber Lautsprecher sind hier nicht eingebaut. Dafür verfügt der C600 über eine volldigitale Stereo-Endstufe mit der hauseigenen JENO-Engine (Jitter Elimination and Noise-Shaping Optimization). Über die rückseitig angebrachten Lautsprecherterminals stellt diese 2 x 60 Watt an 4 Ohm zur Verfügung. Das reicht für die meisten Passivlautsprecher vollkommen aus – es sei denn, man hat sich in besonders unempfindliche Speaker verguckt. Der Punkt ist, dass hier nahezu freie Lautsprecherwahl besteht. Das macht den C600 angenehm vielseitig.

Das Gehäuse mit dem Maßen 340 x 90 x 341 mm (B x H x T) passt auf jedes Lowboard oder Regal und sieht unauffällig und zugleich modern aus. Die Materialauswahl gibt aber erste Hinweise darauf, wo der Hersteller einem straffen Kostenplan folgen musste. Front und Seitenteile bestehen aus Plastik, ebenso wie die Lüftungsschlitze an der hinteren Oberseite. Nur der Zierdeckel ist aus Aluminium. In dessen Zentrum prangt ein seitwärts per Finger schwenkbares Abdeckglas für das integrierte CD-Toploader-Laufwerk.

Yep! CDs verlieren zwar wegen des Streaming-Siegeszuges immer mehr an Bedeutung, doch die Regale und Schränke der Verbraucher sind nach wie vor prall gefüllt mit den Silberscheiben. Selbst ich, der ich schon seit vielen Jahren voll auf Wiedergabe von Festspeichern und Online-Streaming setze, bin damit noch gut ausgestattet. Eine nette Gelegenheit, einige dieser Schätze mal wieder in Rotation zu versetzen – was beim C600 durch den (getönten) Glasdeckel auch wunderbar zu beobachten ist.

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Technics SA-C600 Laser
Die Lasereinheit des Technics SA-C600 (Foto: F. Borowski)
Technics SA-C600 CD spinning
Und sie dreht sich doch! (Foto: F. Borowski)
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Der SA-C600 ist sehr kommunikationsfreudig. Per Kabel nimmt er analoge wie digitale Signale von verschiedensten externen Quellen entgegen. An der Front steht zusätzlich ein USB-Port für Festplatten oder Sticks zur Verfügung. Mit dem Netzwerk verbindet er sich per LAN (100 Base-TX / 10 Base-T) oder WLAN (802.11 a/b/g/n/ac). Und Bluetooth ist natürlich ebenfalls an Bord. Bemerkenswert hieran ist nur, dass Technics anscheinend nur das von Apple bevorzugte AAC-Protokoll für höhere Bluetooth-Qualität unterstützt. Von den verschiedenen aptX-Varianten ist in der Beschreibung keine Rede. Für die Praxis bedeutet das: wenn Ihr Bluetooth-Quellengerät kein AAC unterstützt, kann nur im Basisprotokoll SBC gesendet werden, was klanglich die schlechteste Bluetooth-Variante ist.

Noch mehr Anschlüsse: Auch an die Nutzer von Kopfhörern hat Technics gedacht und an der Front eine 3,5-mm-Buchse bereitgestellt. Bassfans kommen dank eines Subwoofer-Anschlusses auf ihre Kosten. Nur eines fehlt in der Aufzählung: HDMI ARC für Tonübertragung und Steuerung vom Fernseher ist nicht vorhanden. Aus meiner Sicht ist das kein Drama, solange eine Toslink-Buchse vorhanden ist. Und das ist der Fall.

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Technics SA-C600 back
Alle wichtigen Anschlüsse vorhanden. Außer HDMI (Foto: Technics)
Technics SA-C600 Kopfhörer
Ein USB-Port an der Front und der Kopfhörerausgang (Foto: F. Borowski)
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Der Technics Tausendsassa in der Praxis

Es gab mal Zeiten, in denen die Einrichtung eines netzwerkfähigen Audiogerätes zu einem wahren Albtraum für Nicht-IT-Spezialisten werden konnte. Die sind zum Glück vorbei. Auch wenn die drahtlose Verbindung per WLAN verlockend und meistens auch unproblematisch ist: die einfachste und zuverlässigste Verbindung mit dem heimischen Internet-Router ist immer noch das gute, alte LAN-Kabel.

Die Inbetriebnahme des C600 erfolgt damit so: LAN-Kabel verbinden, Stromkabel anschließen, Taste NWP (Network Player) auf der Fernbedienung zum Einschalten drücken und den Anweisungen in der zugehörigen „Technics Audio Center“-App für iOS oder Android folgen. Je nach Umgebung kommt natürlich noch der Anschluss weiterer Geräte wie TV oder Plattenspieler, sowie Bluetooth-Pairing hinzu. Alles kein Hexenwerk.

Großes Lob auch dafür, dass Technics nicht sämtliche Steuerfunktionen der App überlässt. Sowohl über die Fernbedienung als auch über Touchsteuerung am unteren Displayrand sind die wichtigsten Funktionen direkt zugänglich. Einschließlich zweier Tasten für die Lautstärke an der Oberseite.

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Technics SA-C600 Remote
Die genau auf den C600 zugeschnittene Fernbedienung bietet Zugriff auf nahezu alle Funktionen. (Foto: F. Borowski)
Technics SA-C600 Touch
Der untere Rand des Displays bietet „Sensortasten“. Heutzutage wohl eher als „Touch“-Bedienung ein Begriff (Foto: F. Borowski)
Technics SA-C600 Volume
Die Lautstärke kann am Gerät über diese Tasten an der Oberseite geregelt werden (Foto: F. Borowski)
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Die Netzwerk- bzw. Streamingfunktionen des C600 sind sehr umfangreich. Ob Musikwiedergabe von lokalen Datenträgern, per DLNA von einem Netzwerkspeicher oder Server (das kann auch eine FritzBox sein) oder per USB von einem Computer, Drahtloszuspielung per AirPlay 2, oder ChromeCast bis hin zu Online-Streming von verschiedenen Anbietern ist fast alles möglich. Zwei prominente Ausnahmen gibt es allerdings. Der von mir bevorzugte Anbieter Qobuz fehlt derzeit noch in der Liste. Direkt unterstützt werden derzeit Spotify (Connect), Amazon Music (derzeit noch nicht HD), Tidal, Deezer, sowie Podcasts. Roon-User können den C600 ebenfalls ansprechen, aber das geht momentan nur über das ChromeCast-Protokoll. Roon Ready ist in Arbeit.

Die Bedienung ist vor allem dank der umfangreich ausgestatteten Fernbedienung in kürzester Zeit erlernt. Auf die App muss damit nur für die gezielte Auswahl von Musik in Streamingdiensten oder der eigenen digitalen Musiksammlung zurückgegriffen werden. Die zugehörige App „Technics Audio Center“ ist dafür recht übersichtlich und klar, aber grafisch auch sehr einfach gestrickt.

Apple-User können den C600 übrigens auch in ihre Home-App integrieren und damit auch so nette Gimmicks nutzen, wie das automatische Stoppen der Wiedergabe, wenn das Haus verlassen wird.

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Technics App 1
Die derzeit von der Technics-App unterstützten Geräte des Herstellers (Screenshot: F. Borowski)
Technics App 2
Übersichtlich und grafisch minimalistisch: die Technics-App (Screenshot: F. Borowski)
Technics SA-C600 roon
Über Roon ist der C600 derzeit nur per Chromecast ansteuerbar (Screenshot: F. Borowski)
Home App und Technics
Auch in die Apple Home App ist der Technics integrierbar (Screenshot: F. Borowski)
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Alles in allem macht der Technics SA-C600 in der täglichen Nutzung eine sehr gute Figur.

Hörtest: Auf positive Art komplett unauffällig 

Gehört habe ich den Technics SA-C600 überwiegend mit den kompakten Lautsprechern GURU Q10, die speziell für die wandnahe Aufstellung konzipiert sind und über einen sehr ordentlichen Wirkungsgrad sowie erstaunlichen Tiefgang verfügen – siehe dazu auch unseren Test des kleineren GURU Junior. Preislich liegen die die Q10 mit rund 2.200 Euro zwar etwas oberhalb dessen, was Käufer des C600 wahrscheinlich in Betracht ziehen würden, aber diese Paarung funktioniert wirklich ausgezeichnet und komplettiert dank der wandnahem Aufstellung der Speaker das unauffällige Erscheinungsbild mit dem kompakten Technics.

Unterhalb dieser Preisklasse gibt es massenhaft geniale kleine Speaker, die ebenso gut zum C600 passen dürften. Neben den Hauseigenen SB-C600 wären auch die noch viel günstigeren Q Acoustics 3020i eine exzellente Wahl.

Technics SA-C600+speaker
Die Auswahl an passenden Lautsprechern für den Technics SA-C600 ist riesig. Getestet wurde überwiegend mit den GURU Q10 (Hintergrund). (Foto: F. Borowski)

Der SA-C600 überzeugte mit einer ebenso neutralen, wie überraschend kraftvollen Spielart an den Q10. Von dezenter Hintergrundberieseulng bis zu Party-tauglichen Pegeln blieb das Klangbild stets kontrolliert, druckvoll und höchst transparent. Wenn es da etwas zu meckern gäbe, würde ich es ihnen verraten, aber da ist einfach nichts, was ich einem Gerät in dieser Preisklasse zur Last legen könnte. Man muss sich lediglich im Klaren darüber sein, dass die Ausgangsleistung des C600 nicht dazu geeignet ist, besonders anspruchsvolle, wirkungsgradschwache Speaker zu Höchstleistungen zu treiben.

Übrigens: Bei Online-Streaming und Zimmerlautstärke verbraucht der C600 gerade mal um die 13-15W. Im Standby (mit Aufweckmöglichkeit über das Netzwerk) sind es rund 1,5W.

Über die Funktion Space Tune bietet der kleine Technics-Alleskönner eine Möglichkeit zur Klanganpassung, wie man sie sonst nur in einigen Aktivlautsprechern oder selten auch in Passivlautsprechern findet. Space Tune ist keine Raumeinmessung, sondern eine Auswahl an Ortsfiltern, über die bestimmt werden kann, ob die Speaker frei, wandnah, in einer Raumecke oder einem Regal stehen. Zusätzlich gibt es eine Option zur manuellen Anpassung.

Solche Ortsfilter können hilfreich sein. Aber weil das Gerät weder die genauen Parameter der angeschlossenen Lautsprecher noch die tatsächlichen raumakustischen Bedingungen kennt, ist das immer auch ein bisschen Glücksspiel. Mit der GURU Q10, die speziell für wandnahe Aufstellung konzipiert ist, klang es demnach auch nur in der Space-Tune-Einstellung „Frei“ richtig gut, obwohl die Speaker nahe an der Rückwand standen. Hier ist einfach ein wenig Experimentierfreude des C-600-Besitzers gefragt.

Technics SA-C600 Remote 2

Fazit – Eine harte Nuss für die Konkurrenz

Ganz klar: In seiner Preisklasse nimmt der Technics SA-C600 eine Spitzenposition ein. Als direkter Konkurrent drängt sich vielleicht der Bluesound Powernode auf. Der kostet ebenfalls 999 Euro und bietet ein ähnliches Feature-Set, lässt im Vergleich zum Technics aber ein CD-Laufwerk, die Tuner-Funktionen, eine serienmäßige Fernbedienung und einige Anschlüsse (z. B. Phono) vermissen. Nur HDMI eARC hat der Powernode dem Technics voraus.

Auch in Sachen Klang und Bedienung gibt es am SA-C600 nichts zu nörgeln. Bei derart funktionsreichen Geräten gibt es zwar immer Dinge, die noch verbesserungsfähig wären, doch oft ist das auch eine Frage des persönlichen Bedarfs oder der Gewöhnung. Technics macht aus meiner Sicht mit dem C600 fast alles richtig und den Premium-Anspruch sehe ich durchaus als erfüllt an. Daher: Ein verdient hoher Ausschlag in der LowBeats-Wertung!

Technics SA-C600
2022/03
Test-Ergebnis: 4,7
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Riesiger Funktionsumfang
klingt neutral und kraftvoll
gute Bedienung
kein HDMI

Vertrieb:
Technics
Winsbergring 15
22525 Hamburg
www.technics.com

 

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Technics SA-C600: 999 Euro

Technische Daten

Technics SA-C600
Konzept:Streaming-Verstärker
Ausgangsleistung:2 x 60 Watt an 4 Ohm
BesonderheitenCD-Laufwerk, FM/DAB+-Radio
Anschlüsse:Analog: (Line/Phone) / Digital: Coax, Toslink, USB, LAN, WLAN, Bluetooth
Farben:Schwarz oder Silber
Gewicht:
4,8 kg
Abmessungen (B x H x T):34,0 × 9,4 × 34,1 cm
Alle technischen Daten
Mit- und Gegenspieler:

Test Streaming-Amp NuPrime Omnia A300: Kraftzwerg mit kleinen Schwächen
Test Waversa WminiHPA MK2: Kopfhörer-Amp mit Streaming und NAS-Funktion
Test T+A DAC 200 und Endstufe A 200 – maximaler Musikspaß im Midi-Format, Made in Germany

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Autor: Frank Borowski

LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.