Yamaha RX-A6A, zweitgrößtes Aventage-Modell, mit neuem Design, verbesserten Endstufen und YPAO, XLR-Anschlüssen und erstmals Auro-3D (per Update). 2.599 euro (Foto: R. Vogt)
Yamaha RX-A6A, zweitgrößtes Aventage-Modell, mit neuem Design, verbesserten Endstufen und YPAO, XLR-Anschlüssen und erstmals Auro-3D (per Update). 2.599 euro (Foto: R. Vogt)

Test: Yamaha RX-A6A – AV-Receiver mit Highend-Ambitionen

So langsam kommt Yamaha mit seiner komplett überarbeiteten Aventage Serie in Schwung. Über Verfügbarkeiten kann man in diesen Zeiten ja nur mutmaßen. Aber als plötzlich das Angebot vom hiesigen Vertrieb kam, haben wir natürlich sofort zugesagt und uns den Yamaha RX-A6A ins LowBeats Kino bestellt. Denn der bietet in Sachen Anschlüsse und Processing bereits Vollausstattung inklusive professioneller XLR-Anschlüsse und neun Endstufen.

Yamaha RX-A6A: klare Linien, aufgeräumtes Layout mit dezentem Display (Foto: R. Vogt)
Yamaha RX-A6A: klare Linien, aufgeräumtes Layout mit dezentem Display (Foto: R. Vogt)

Rein äußerlich sieht der Sechser dem bereits getesteten Benjamin der Aventage Serie Yamaha RX-A2A sehr ähnlich. Der gefiel in Sachen Ausstattung und Klangeindruck schon ausgesprochen gut. Doch sein Look and Feel entfachte wegen der üppigen Kunststoffteile einen kleinen Shitstorm auf Social Media: So ein Plastikbomber sei des Namens Aventage nicht würdig, heißt es dort.

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Yamaha RX-A6A (Foto: R. Vogt)
Front und Deckel des Yamaha RX-A6A tragen Blenden aus Kunststoff, alles tipp-topp verarbeitet (Foto: R. Vogt)
Über 20kg: das mehrfach versteifte Stahlgehäuse mit fünftem Fuß zur Vibrationsdämpfung (Foto: R. Vogt)
Über 20 Kilo: das mehrfach versteifte Stahlgehäuse mit fünftem Fuß zur Vibrationsdämpfung (Foto: R. Vogt)
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In der Tat ist es wohl eher ungewöhnlich ein komplexes und robustes Metallgehäuse mit einer Kunststoffblende zu versehen: Doch hinter der dezent spiegelnden Front sitzt ein Mehrkammern-Stahlgehäuse mit vielfachen Versteifungen und Querstreben. Auch der fünfte Fuß dient der höheren Stabilität: Er hilft die Mechanik zu beruhigen und Mikrofonie-Effekte zu mindern. Dass er überraschend weit vorne unter dem Gehäuse sitzt, liegt an der Position des Trafos, den es zu stützen gilt.

Ausstattung & Features des Yamaha RX-A6A

Auch der RX-A6A trägt nun sein Display oben rechts und zeigt es nur, wenn er in Betrieb ist. Das Matrixdisplay ist gut ablesbar und dimmbar. Ich persönlich finde es fast ein bisschen klein, die wichtigsten Dinge wie Lautstärke lassen sich aber auch aus der Distanz noch gut erkennen, weil sie im Moment des Verstellens vergrößert werden.

Das Matrixdisplay: Ausgeschaltet unsichtbar, im Betrieb dimmbar (Foto: R. Vogt)
Das Matrixdisplay: Ausgeschaltet unsichtbar, im Betrieb dimmbar (Foto: R. Vogt)

Die Steuerung am Gerät gelingt mit dem kleinen Dreh/Drückregler und den Sensortasten gut. Angenehm auch, dass Yamaha immer noch eine vollformatige Klinkenbuchse für Kopfhörer verbaut. Aber auch Bluetooth-Kopfhörer klassen sich direkt verwenden. Praktisch: MusicCast 50 und MusicCast 20 Lautsprecher und sogar der MusicCast SUB 100 Subwoofer lassen sich drahtlos anbinden.

11.2 Kanäle verwaltet der Yamaha RX-A6A, neun 150W Endstufen feuern die Boxen an (Foto: R. Vogt)
11.2 Kanäle verwaltet der Yamaha RX-A6A, neun 150-Watt-Endstufen feuern die Boxen an (Foto: R. Vogt)

Der Blick auf die Rückseite zeigt beruhigend, dass die Ingenieure Umsteiger von älteren Receivern und Liebhaber von Playern und Konsolen aus der guten, alten analogen Zeit nicht vergessen haben. Immerhin einen letzten Component- und zwei FBAS-Video-Eingänge gibt es noch. Dazu ausreichend Stereo-Hochpegeleingänge sowie Phono-MM (beides in Cinch). Endgültig ad acta gelegt scheint – nicht nur bei Yamaha – ein analoger Mehrkanal-Eingang.

Professioneller XLR-Eingang und Stereo-Vorverstärker-Ausgang (Foto: R. Vogt)
Professioneller XLR-Eingang und Stereo-Vorverstärker-Ausgang (Foto: R. Vogt)

Neu bei den Receivern sind symmetrische (Stereo-) Ein- und Ausgänge. Das unterstreicht nicht nur den audiophilen Anspruch: Es ermöglicht auch lange Kabel zu verwenden, um entweder Aktivlautsprecher oder nahe der Frontlautsprecher positionierte, höherwertige Endstufen zu verwenden.

Was die digitale Seite angeht, so sind im Heimkino klar die HDMI-Anschlüsse Dreh- und Angelpunkt. Sieben Ein- und drei Ausgänge sollten für alle Belange reichen. Alle Buchsen bieten bis 40Gbps Bandbreite für bis zu 8K/60p oder 4K/120p. Das komfortable eARC empfängt Atmos und Co. vom TV mit seinen Streaming-Apps.

Auch die neuesten Standards zur flexiblen Bildübertragung moderner Spielekonsolen mit ALLM, VRR, QMS und QFT sind mit aktualisierter Firmware möglich. Apropos Firmware: Um den Jahreswechsel 2021 / 2022 soll das Update verfügbar werden, das neben Dolby Atmos und DTS:X erstmals bei Yamaha Auro-3D integriert. Damit gibt es seit dem Wegfall von „Dolby Prologic II Music“ erstmals wieder einen echt guten Upmixer für Musikwiedergabe an Bord. Leider stand das Auro-Update noch nicht zum Test zur Verfügung, aber wir wissen ja von diversen Geräten was vor allem der Upmixer (Auro-Matic) kann.

Einmessen und Konfigurieren

Yamaha CX-A5100 YPAO
Die YPAO-Einmessung mit Mikrofon auf der Messschablone (Bild: R. Vogt)

Traditionell finden sich bei den Japanern natürlich auch die bekannten Cinema-DSP Modi, die abermals verfeinert und an aktuelle Lautsprecherkonfigurationen angepasst wurden.

Das gilt genauso für das YPAO-Einmessverfahren. Essenziell dabei ist die Schablone für die vier Mikrofonpositionen, die eine gleichschenkelige Pyramide bilden müssen. Aus dem Zeitversatz der vier Positionen kann YPAO – ähnlich wie das Einmessverfahren bei Trinnov – die Richtungen und realen Positionen der Lautsprecher im Raum und an der Decke ermitteln und entsprechend berücksichtigen, was primär bei den Objekt-basierten Decodern wie Dolby Atmos und DTS:X zum Tragen kommt.

Weiterhin stehen nun endlich viel feinere Abstufungen bei den Einsatzfrequenzen der parametrischen Equalizer zur Verfügung – was dem YPAO ermöglicht, Raummoden exakt zu kompensieren und was beim manuellen Korrigieren (endlich) weniger Kompromisse erfordert.

Yamaha RX-A6A in der "AV Setup Guide" App (Foto: R. Vogt)
Yamaha RX-A6A in der „AV Setup Guide“ App (Foto: R. Vogt)

Am übersichtlichsten zu konfigurieren und einzumessen ist der RX-A6A (wie alle aktuellen Yamaha Receiver) mit der „AV Setup Guide“ App. Die erkennt im Netzwerk den Receiver und führt den User dann Schritt für Schritt durch das Prozedere mit dem Anschließen der Geräte, Einrichten der wichtigsten Funktionen und das Einmessen per YPAO. Die App spricht klares Deutsch mit knappen, gut verständlichen Sätzen und anschaulichen Grafiken. Damit erreicht man flott – und auch ohne Wichtiges zu vergessen – ein solides Grundsetup.

Wer in die Feinheiten der Konfigurationen einsteigen möchte oder muss, der findet diese in einem extrem detaillierten und dennoch übersichtlichen (englisch sprachigen) Web-Menü. Dazu muss man einfach in einem Webbrowser die Netzwerkadresse des Receivers und dahinter „/setup“ eintippen und schon geht es los. Das ist aber (abgesehen von der Übersichtseite für den täglichen Gebrauch) derart umfangreich, dass es wenig fruchtbar wäre, das in Fotos und langen Texten zu beschreiben. Daher habe ich das als kleines Filmchen gedreht. Bitte schön:

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Im Alltag werden viele Anwender sicher einfach die MusicCast App verwenden. Denn auch mit dieser lassen sich neben allem, was mit Streaming und Multiroom zusammenhängt, die Quellen und Surroundmodi anwählen und die Lautstärke regeln. Zudem ist die App mit ihren Layouts an Tablets und Smartphones angepasst und daher gerade am Telefon praktischer als das Webinterface.

Wie immer bei MusicCast lassen sich alle nur erdenklichen Formate lokal abspielen – je nach Fähigkeiten der Container mit bis zu PCM 384kHz Abtastrate und DSD bis 11,2MHz, Online-Streaming bis 48kHz und 24Bit, bei Qobuz bis 192kHz. Das ist abhängig vom Dienst. Durch MusicCast stehen auch Chromecast, AirPlay, Sprachsteuerung und weitere Funktionen zur Verfügung.

Groß aber noch handlich: die Fernbedienung mit geprägter, beleuchteter Folientastatur (Foto: R. Vogt)
Groß aber noch handlich: die Fernbedienung mit geprägter, beleuchteter Folientastatur (Foto: R. Vogt)

Im Gegensatz zu früheren Gerätegenerationen besann sich Yamaha auch wieder auf ein aufgeräumtes Fernbedienungslayout, was ich sehr begrüße. Pfiffig: Die Oberfläche ist eine durchgehende Folie, was den Handgeber vor verschütteten Getränken schützt und die Reinigung erleichtert. Trotzdem fühlt sich die Fernbedienung wertig an und die verschieden geprägten Tasten erlauben ein dezentes haptisches Arbeiten. Zusätzlich ist die Beschriftung diskret beleuchtet.

Praxis & Hörtest

Yamahas eigenständiges Bedienkonzept mit den Szenen ist zwar auf den ersten Blick den Quick-Tasten von Denon ähnlich, umfasst aber wesentlich tiefer gehende Einstellungen. Hat man den Aventage-Brummer erst einmal sorgfältig mit YPAO eingemessen und sich die wichtigsten Quellen und Modi in „Scenes“ zusammengestellt, braucht man tatsächlich nur noch die Scene auswählen und die Lautstärke einzustellen. Alles andere geht quasi von alleine.

Das ist sehr familientauglich. Allerdings muss man sich zuvor die Mühe machen, die Speicher zu konfigurieren. Im Alltag stellte sich bei mir schnell heraus: Zum Experimentieren nehme ich am liebsten das iPad mit dem Web-Menü, zum schnellen Schalten zwischendurch die Fernbedienung und wenn Musik läuft, hat man die MusicCast-App sowieso offen, mit der sich alle wichtigen Parameter kontrollieren lassen.

Klanglich gefällt mir, was Yamaha mit der überarbeiteten Endstufen-Schaltung für mehr Bandbreite und bessere Impulswiedergabe erreicht hat. Das Klangbild wirkt kristallklar, konturiert und hat dennoch Körper und Kraft. Die knackige und dabei mühelos wirkende Attacke beim Einschwingen gibt dem Gehör auch ein gutes Timing, was der räumlichen Darstellung zugute kommt. Die Bühne wirkt, selbst in Stereo, schön homogen lückenlos; die Abbildung reicht von leicht vor den Lautsprechern bis tief dahinter. Und Kraft hat das 20-Kilo-Biest mehr als genug. Und zwar auch mit langanhaltenden Pegeln bei Konzerten-Mitschnitten oder Action-Filmen selbst bei wenig Nachbar-freundlichen Lautstärken.

Fazit: Ausstattungs-Riese mit klarem Sound und Kraft

Schon als zweitgrößter Receiver Yamahas zeigt der RX-A6A einen fast schon monströsen Funktionsumfang. Man darf sich bei den neuen großen Aventage-Modellen jedoch nicht von der schieren Zahl der verfügbaren Parameter erschlagen oder verwirren lassen. Statt alles stets manuell einzustellen, speichert man die einmal gefundenen Einstellungen ab – fertig. Und dann ist die Einstellung in allen Details mit einem Tastendruck wieder abrufbar.

Wer tiefer einsteigen möchte, kann hier so individuell und tiefgreifend Komfort und Klang beeinflussen, wie sonst nur bei Highend-Maschinen á la Trinnov. Ob das Feintuning der Digitaleingänge oder der nun (endlich) fein abgestufte Parametrische Equalizer, cleveres Bassmanagement, YPAO-Einmessung mit akustischer Erfassung der realen Lautsprecherpositionen: Das alles ergibt eine Flexibilität, die bei Receivern ihres Gleichen sucht.

Die neu entwickelte Verstärkerschaltung gefällt mit angenehm klarer Auflösung und Abbildung bei fein aufgelöster, weiträumiger Abbildung und beeindruckenden Kraftreserven. Mit dem kommenden Auro-3D per Update steht dann auch der aktuell beste Upmixer für Musik parat. Das ist schon ein sehr fettes Paket.

Yamaha RX-A6A
2021/12
Test-Ergebnis: 4,5
überragend
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Klarer, stressarmer Klang
XLR In/Out, feiner Parametr. EQ
Umfangreiches Webmenü, Setup-App
Displaysymbole teils sehr klein

Vertrieb:
Yamaha Music Europe GmbH
Siemensstraße 22-34
25462 Rellingen
Tel.: +49-4101-303-0
Yamaha-Homepage

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Yamaha RX-A6A: 2.599 Euro

Die technischen Daten des Yamaha RX-A6A

Yamaha RX-A6A
Endstufen9 x 150W an 8 Ohm
Preamp-Out11.2 & Zone2+3 Cinch, L+R XLR
TunerUKW, DAB+
PhonoMM
HDMI In/Out
7/3, alle 8K/60p, 4K/120p
Abessungen (BHT)
43,5 x 19,2 x 44,2 cm
Gewicht20,3 Kilo
Alle technischen Daten
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Autor: Raphael Vogt

Technischer Direktor bei LowBeats und einer der bekanntesten Heimkino-Experten der Republik. Sein besonderes Steckenpferd ist die perfekte Kalibrierung von Beamern.