Marantz AV7706: Extrem gut ausgestatteter AV-Vorverstärker mit HEOS Streaming und HDMI 2.1. 2.499 Euro (Foto: R. Vogt)
Marantz AV7706: Extrem gut ausgestatteter AV-Vorverstärker mit HEOS Streaming und HDMI 2.1. 2.499 Euro (Foto: R. Vogt)

Test Marantz AV7706: Mehrkanal-AV-Vorverstärker mit HEOS

In der Diskussion um die optimale AV-Zentrale gibt es viele Argumente, die gegen Receiver und für Vorverstärker/Endstufen-Kombinationen sprechen – und umgekehrt. Gegen separate Komponenten sprechen der höhere Preis und ihr zusätzlicher Platzbedarf. Dafür sprechen in jedem Fall die klanglichen Vorteile: die separaten Netzteile, deutlich bessere Flexibilität, symmetrische Verkabelung und die Nachhaltigkeit, also wenn mal wieder neue Decoder und HDMI-Standards fällig werden. Dampft man die Diskussion im aktuellen Marktgeschehen ein, kommt als quasi idealer Kompromiss aus Preis versus Ausstattung versus Klangpotential praktisch immer die „kleine“ Vorstufe Marantz AV7706 dabei heraus. Es ist daher überfällig, sich das gute Stück einmal näher zu betrachten…

Der Aufbau des Marantz AV7706

Wie schon ihre Geschwister und Vorgänger basieren die Marantz AV-Vorverstärker auf der Großserientechnik der AV-Receiver der SR-Serie und können nur deshalb zum gebotenen Preis hergestellt werden. In diesem Falle gleicht der AV7706 seinem AV-Receiver-Geschwister Marantz SR7015, den LowBeats im vergangenen Oktober testete.

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Marantz AV7706 Front mit geöffneter Klappe (Foto: R. Vogt)
Marantz AV7706 Front mit geöffneter Klappe (Foto: R. Vogt)
Marantz AV7706 Front (Foto: R. Vogt)
Marantz AV7706 Front mit geschlossener Klappe (Foto: R. Vogt)
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Das betrifft vor allem das große kombinierte Motherboard für Video- und Audiosignalverarbeitung. Gerade hier haben die Sound United Ingenieure auch gegenüber dem Vorgänger AV7705 am meisten verbessert und ergänzt. So verarbeitet die aktuelle Maschine bereits praktisch alle neuen HDMI-Funktionen und Auflösungen bis 8K, bis zu 120 Bilder pro Sekunde, hat eine variable Bildrate und, und, und. Gemessen daran sind eARC für Dolby Atmos und hochauflösendes Audio vom Fernseher bereits ein alter Hut.

Marantz AV7706 Videoprocessing und HEOS Modul (Foto: Sound United)
AV7706 Videoprocessing und HEOS Modul (Foto: Sound United)

Neu auf der Audioseite (neben den bekannten Standards von Dolby, DTS und Auro) ist nun ein MPEG-H Decoder an Bord. MPEG-H ist ein Standard, der in Asien für Fernsehen bereits eingesetzt wird, hierzulande aber noch Verbreitung sucht. Ebenfalls neu: Anders als die Vorgänger beherrscht der AV7706 nun auch das Virtualisieren von Deckenlautsprechern per Dolby Atmos Height Virtualizer. Das funktioniert für die Frontkanäle verblüffend gut. Der Virtualizer ersetzt zwar keine physischen Lautsprecher an den entsprechenden Stellen, verbessert aber die räumliche Abbildung spürbar. Wie gut (oder auch nicht), kann man im LowBeats-Vergleich mit Kunstkopf-Aufnahmen selbst ausprobieren.

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Marantz AV7706 HDAM (Foto: Sound United)
HDAM Ausgangstreiber mit Kraft und Feingefühl für alle Kanäle (Foto: Sound United)
Aufgeräumtes Innenleben mit riesigem Ringkerntrafo unter der Hauptplatine (Foto: Sound United)
Aufgeräumtes Innenleben mit riesigem Ringkerntrafo unter der Hauptplatine (Foto: Sound United)
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Doch auch auf der rein „audiophilen“ Analog-Seite haben die Ingenieure erkennbar nachgearbeitet. Standen früher Class-A Treiberstufen nach der D/A-Wandlung nur für die Frontkanäle zur Verfügung, erhalten nun sämtliche 11.1 Kanäle diese edle Class-A-Nachverstärkung. Danach geht es auf jedem Kanal in eines der Marantz-typischen (vollsymmetrischen) HDAM-Ausgangstreiber-Module. Diese patentierte Marantz-Schaltung ist weitestgehend diskret aufgebaut und ersetzt die Funktion des sonst üblichen Operations-Verstärker-ICs – bietet aber bessere Dynamik, höhere Bandbreite und die deutlich größere Stromlieferfähigkeit. Das verspricht nicht nur gute Audioqualität: so ausgestattet, kann der AV7706 auch lange Kabel treiben.

Marantz AV7706 Rückseite (Foto: R. Vogt)
Die Rückseite des Marantz AV7706. Man ahnt: hier wird jeder Anschluss-Suchende glücklich (Foto: R. Vogt)

Der Blick auf das Anschlussfeld demonstriert die Verwandtschaft mit dem Receiver SR7015, denn bis auf die gegen XLR-Ausgangsbuchsen getauschten Lautsprecheranschlüsse gleichen sich die beiden wie ein Ei dem anderen. Und die Ausstattung ist wirklich prall. Sie bietet beispielsweise sogar analoge FBAS- und Component-Videoanschlüsse für alte Geräte und Spieleconsolen. Auch können zwei weitere Zonen mit Bild und Ton versorgt werden. Doppelte Antennenbuchsen für WLAN und Bluetooth stellen stabile Datenverbindungen her. Sogar einen klanglich sehr brauchbaren Phono-MM-Eingang nebst Masseklemme findet man hier. Einzig einen klassischen Radio-Tuner findet man nicht mehr. Den wird man dank digitaler Stationen mittels HEOS kaum vermissen.

Marantz AV7706 Remote App (Foto: R. Vogt)
Marantz AV7706 Remote App auf dem iPad (Foto: R. Vogt)

Die Bedienung mittels Fermbedienung, Marantz Remote App oder Webinterface gleicht jener, die man von den Receivern her kennt. Allerdings, und das kann man stets nur lobend wiederholen, verbessert und ergänzt Sound United die Funktionen und Oberflächen immer wieder aufs Neue. Aktuell am gelungensten finde ich das großzügig gestaltete, übersichtliche Interface der Remote App fürs iPad (wie oben zu sehen).

Ebenfalls stets an die neuesten Geräte angepasst wird die Audyssey MultEQ-Editor-App zur bestmöglichen Einmessung, der LowBeats ja schon ein ganzes Spezial gewidmet hat. Auch die endlich eingeführte Möglichkeit, zwei verschiedene Einmessungen oder Lautsprecherkonfigurationen zu verwalten, ist löblich – auch wenn diverse Mitbewerber diesen Punkt schon seit Jahren bieten.

Wie oben rechts in der Ecke der App zu erkennen, gibt es einen direkten Austausch mit der HEOS-App zur Steuerung von Musik und der Multiroom-Funktionalität. Um zu zeigen, wie einfach und umfassend das funktioniert, gibt es im Test des Stereo-Receivers Marantz PM7000N ein Video. Übrigens: Wer mag, der kann dank HEOS sein Heimkino auch via Sprachassistenen von Apple, Amazon oder Google steuern.

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Marantz AV7706 Webmenü (Foto: R. Vogt)
AV7706 Webmenü (Foto: R. Vogt)
Webmenü (Foto: R. Vogt)
AV7706 Webmenü (Foto: R. Vogt)
Webmenü (Foto: R. Vogt)
AV7706 Webmenü (Foto: R. Vogt)
Webmenü (Foto: R. Vogt)
AV7706 Webmenü (Foto: R. Vogt)
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Früher war das Webmenü, das sich über jeden Browser per IP-Adresse des Marantz erreichen läßt, auch zur Bedienung ausgelegt. Die aktuelle Version dient ausschließlich zur übersichtlichen und schnellen Konfiguration, um etwa schnell mal Quellen umzubennen oder einen Pegel anzupassen. Und man kann kein Backup seiner Konfiguration mehr erstellen. Trotzdem: Für’s Einrichten, Feintunen und Konfigurieren ein geniales Tool.

Klangeindrücke im Kino

Im LowBeats Testkino herrschen quasi ideale Bedingungen für solch eine Vorstufe: Ein 7.1.4-Kanal-Setup, komplett mit professionellen Aktivlautsprechern bestückt, komplett symmetrisch verkabelt. Die Lautsprecheranordnung erlaubt alle DTS:X, Dolby Atmos und Auro-3D Varianten auszutesten. Das Marantz Testgerät war noch fabrikneu und klang im ersten Augenblick ein wenig harsch. Das legte sich nach den ersten Betriebstunden recht dramatisch: Schon wenige Stunden später wich dieser kühle, erste Eindruck dem gewohnten, warmen, fast schon zurückhaltenden Klangcharakter, den Marantz seit jeher kultiviert.

Zugegegeben: Im direkten Vergleich klingt zwar der große Vorgänger Marantz AV8805 noch etwas souveräner, bildet in der Tiefe noch etwas weiträumiger und differenzierter ab und spielt im Grundton noch einen Hauch knackiger. Aber er kostet ja auch fast das Doppelte. Der AV7706 malt mit wunderbar erdigen Klangfarben, löst fast unauffällig sehr fein in den Mitten und Höhen auf, ohne je vordergründig zu wirken. Klang die erste Generation der kleinen Marantz Vorstufe vor Jahren schon mal etwas ausgedünnt, ist davon definitiv nichts mehr zu spüren. „Vollmundig und rund, dennoch fein und räumlich sehr geschlossen“, lauteten die überwiegenden Testnotizen zum Marantz AV7706 .

Marantz AV7706 Front mit großem und kleinem Display, beides dimmbar (Foto: R. Vogt)
Marantz AV7706 Front mit großem und kleinem Display, beides dimmbar (Foto: R. Vogt)

Fazit: Ein Alleskönner Immersive-Audio-AV-Vorverstärker

Wer ein wirklich audi0philes Heimkino ausstatten möchte – insbesondere, wenn es auch viel für Musikwiedergabe benutzt wird – der stößt mit Receivern schnell an die qualitative Schallmauer. Die aber lässt sich mit gut gemachten AV-Vorverstärkern wie dem Marantz AV7706 durchbrechen. So differenziert und geschlossen wie diese „kleine“ Vorstufe klingt, werden sich selbst größte AV-Receiver richtig schwertun. Und dank enger Verwandschaft mit dem Receivermodell SR7015 kann der Vorverstärker in Sachen Ausstattung und Fähigkeiten für modernste HDMI-Signalverarbeitung und Multiroom/Streaming mit HEOS locker mithalten. Der AV7706 ist ein idealer Einstieg, insbesondere für Liebhaber audiophiler Musik in Mehrkanal.

Marantz AV7706
2021/01
Test-Ergebnis: 4,5
Überragend
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Klingt musikalisch, feindynamisch, warm
Vollausstattung für Surround + HDMI
HEOS Streaming/Multiroom
Erstaunlich klangstarker Phono-Eingang

Vertrieb:
Marantz Deutschland
Division of D&M Germany GmbH
An der Kleinbahn 18
41334 Nettetal
www.marantz.com

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Marantz AV7706: 2.499 Euro

Technische Daten

Marantz SR7015
Farbvarianten:Schwarz
Signalverarbeitung:11.2 Kanäle
Maße:440 x 411 x 185 mm
Gewicht:10,4kg
Alle technischen Daten

Gewicht:​

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Autor: Raphael Vogt

Raphael Vogt
Technischer Direktor bei LowBeats und einer der bekanntesten Heimkino-Experten der Republik. Sein besonderes Steckenpferd ist die perfekte Kalibrierung von Beamern.